Mit Dorfentwicklungszuschuss zu den eigenen vier Wänden

Noch beherbergt die alte Scheune Schweinestall, Silo und Heuboden. Doch schon bald will ein junges Paar in dem Gebäude wohnen. Die Förderung über das sogenannte Leader-Programm hat das ambitionierte Bauvorhaben so richtig in Schwung gebracht.

Eibenberg.

Anne Vetters und Ulrich Walther wohnen in Dresden, wollen aber in ihre Heimat zurück. Genauer gesagt: nach Eibenberg. Dort haben die Großeltern von Anne Vetters einen Vierseitenhof. Aber nur eine der vier Seiten dient derzeit als Wohngebäude. Das soll sich ändern. Das junge Paar will die Scheune, welche den Hof gen Süden und Westen begrenzt, zu einem Wohngebäude mit mehr als 200 Quadratmetern Wohnfläche ausbauen.

Das ist am Ende aufwendiger, als gleich neu zu bauen. Doch dafür hat das alte Gehöft Flair und ortshistorische Bedeutung, wie die 30-jährige Anne Vetters weiß. "Das Anwesen wurde erstmals 1748 erwähnt. Das heißt, es ist eines der ältesten, Bauerngehöfte, wenn nicht sogar wirklich das älteste, von Eibenberg", sagt sie. Ob die Scheune zu diesem Zeitpunkt bereits stand, ist unklar. Der älteste existierende Nachweis ist ein Foto aus dem Jahr 1932. In jenem Jahr hatten Frieda und Philipp Richter, die Urgroßeltern von Anne Vetters, das Gut gekauft und betrieben künftig eine kleine Landwirtschaft. Zu DDR-Zeiten wurde das Land von der LPG bewirtschaftet.

Bis heute ist es in Familienbesitz, doch gebraucht wird die Scheune für ihren ursprünglichen Zweck nicht mehr. Gerade dieser Umstand war entscheidend für die Leader-Förderung. Ulrich Walther: "Das war eine Punktlandung. Das Förderprogramm passt für uns ganz genau."

Inwiefern das so ist, erklärt Regionalmanagerin Elena Weber: "Entscheidend ist, dass ein leerstehendes Gebäude umgenutzt wird. Dazu kommt, dass es ortsprägend und erhaltungswürdig ist." Auch andere Faktoren passten. So sollen mit der Leader-Förderung junge Familien unterstützt, zu barrierefreiem und energieeffizientem Bauen ermutigt werden. Das passt: Als Energielieferant ist ein Mix aus Erdwärme und Fotovoltaik vorgesehen.

Doch eine fensterlose Scheune zum Wohnhaus umbauen, das ist auch ein Gewaltakt: Das Dach und der gesamte Holzaufbau müssen weg. Bleiben darf nur der historische Grundriss und die gemauerte untere Etage, die ehemals als Stall diente. Während innen alles auf den neuesten Stand der Technik gebracht wird, soll der Charakter des Gebäudes auch nach dem massiven Umbau erhalten bleiben. Ulrich Walther: "Wir wollen ein Bauernhaus, das sich in den Hof einfügt, ohne modernistisch zu sein." Los soll es im Frühjahr 2017 gehen, der Rohbau bis Jahresende stehen und bis Mitte 2018 das Haus bezugsfertig sein.

Der aus Klaffenbach stammende Ulrich Walther hat sich beruflich schon so ausgerichtet, dass der Umzug für ihn problemlos machbar ist: Der 37-Jährige arbeitet als Maschinenbauer in Chemnitz. Anne Vetters hat nach dem Studium des Verkehrsingenieurwesens eine zeitlich befristete Stelle an der Uni in Dresden übernommen, die jedoch nächstes Jahr ohnehin ausläuft. Die Zeichen stehen also gut für die Rückkehr in die Heimat.

Und dann soll auch noch richtig Leben ins historische Gehöft kommen. Ulrich Walther schaut voraus: "Mit uns wohnen dann drei Generationen auf dem Gehöft, perspektivisch sogar vier." Will heißen: Aktuell wohnen die Großeltern und ein Onkel von Anne Vetters in dem Haus. Nach dem Einzug wollen die jetzigen Bauherren auch für ordentlich Kinderlärm auf dem Anwesen sorgen. Und sie sind für ein langes Leben auf dem Hof gewappnet. Ulrich Walther: "Wir planen es so, dass wir hier alt werden können. Von der Südseite wird es einen barrierefreien Zugang in den Wohnbereich geben."

Dass es jetzt so schnell mit dem Umbau vorangeht, ist nicht zuletzt dem Leader-Programm zu verdanken. "Die Förderung hat uns motiviert. Innerhalb der Antragstellung mussten wir immer ganz straff dran bleiben. Ohne diese festen Termine hätten wir das vermutlich auf die lange Bank geschoben", gibt Ulrich Walther zu.


Worum geht es?

Der Leader-Fördertopf der Europäischen Union die ländliche Entwicklung stärken. Ziel ist es, in den Dörfern und Gemeinden die Lebens- und Arbeitsbedingungen durch strukturverbessernde Maßnahmen zu erhalten und fortzuentwickeln, der Abwanderung entgegen- zuwirken, die Wettbewerbsfähigkeit der Land- und Forstwirtschaft zu steigern und dabei sorgsam mit den natürlichen Lebensgrundlagen umzugehen.

Auch Privatpersonen können von dem Förderprogramm profitieren. Der nächste Förderaufruf ist für Ende Februar/März des kommenden Jahres geplant. (bjost)

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