Mit Herz und Seele bringen sie Lebenserfahrung auf die Bühne

Am Theaterpädagogischen Zentrum Stollberg steht auch eine Gruppe von Senioren auf der Bühne - mit viel Engagement und weiteren Plänen.

Stollberg.

Jede Menge Lebenserfahrung, auch Spontanität und die Freude, in die Rolle einer anderen Person zu schlüpfen - das macht die Akteure des Senioren-Theaters am Theaterpädagogischen Zentrum (TPZ) Erzgebirgskreis, das aktuell im Begegnungszentrum "das dürer" in Stollberg ansässig ist, so besonders. Die Mitwirkenden stehen auf der Bühne, als hätten sie nie etwas anderes gemacht - voll bei der Sache und das mit Herz und Seele. Aktuell steht die szenische Lesung "Lene Voigt" im Fokus, mit der man an die sächsische Mundartdichterin erinnert. Doch man hat schon ein neues Projekt im Auge - eine Lesung zum Thema Wilhelm Busch.

Siegrid Heyner ist mit ihren 85 Jahren die Älteste im Team des Senioren-Theaters. Die Neuwürschnitzerin: "Lene Voigt und Sächsisch, das gehört zusammen. Sie ist, genauso wie ich, in Leipzig geboren. Als ich den Flyer gesehen habe, war klar, da mache ich gerne mit." Ilse Schröter lebt in Stollberg. Die 71-jährige ist von Beginn an Feuer und Flamme gewesen: "Mir gefällt es sehr gut beim Theater, das baut auf."

Eher zufällig aufs Senioren-Theater gekommen ist Birgit Kölbel: "Eigentlich wollte ich mich beim Kindertheater erkundigen für mein Enkel." Doch dann, so die 63-Jährige aus Oelsnitz weiter, "kam das Gespräch aufs Senioren-Theater und ich habe mir gedacht, warum nicht." Man müsse sich einfach reinfallen lassen in die Rollen und sich in die Charaktere hineinversetzen, sagt Uta Bauer, die sich das Ganze anfänglich angeschaut hat und dabei geblieben ist.

Heidrun Dartsch hat Bühnenerfahrung. Die 65-Jährige aus Thalheim stand bereits in ihrer Jugendzeit auf der Bühne und hat Theater gespielt: "Das Theater ist absolut meins. Als ich jetzt wieder angefangen habe, war das ein Gefühl, als wenn nichts dazwischen war. Ich bin mit genau derselben Freude und dem Spaß dabei, wie ich damals aufgehört habe. Das Schöne ist, wir sind hier wie eine Familie."

Das Senioren-Theater am TPZ läuft in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Erzgebirgskreis und dem Kinder- und Jugendtheater Burattino. Für Annekathrin Rottstädt-Hänel, Leiterin des Theaterpädagogischen Zentrums, ist es ein Anliegen gewesen, eine Theatergruppe mit Senioren zu gründen: "Weil diese Zielgruppe nicht vernachlässigt werden darf. Die Darsteller stehen mit einem riesigen Engagement und Spielfreude auf der Bühne. Es ist für sie nichts Selbstverständliches, sondern ein Wertschätzen und Anerkennen. Die Chemie stimmt unter den Darstellern. Die Gruppe hat sich gesucht und gefunden und die Frauen gehen auf in dem, was sie tun."

Irgendwann, so Rottstädt-Hänel, sei es geplant, das Senioren-Theater und das Kinder- und Jugendtheater auf gewisse Weise bei Projekten zu verschmelzen, wenn es die Situation ergibt. Mit Kindern und gleichzeitig mit Senioren zu arbeiten, sei ein wahnsinnig interessantes Spektrum: "Die Senioren punkten mit Lebenserfahrung. Sie stellen bestimmte Situationen anders dar, als Kinder, die noch wenig Lebenserfahrung mitbringen, aber einen natürlichen Spieltrieb haben. Kinder gehen unbeschwert an eine Rolle heran."

Ob die Proben für das Erzgebirgsmärchen "Feentanz in Frauenstein" , ein Stück, das in Kooperation mit Claudia Curth läuft, angesichts der Corona-Geschehens demnächst schon wie geplant beginnen können, konnte Annekathrin Rottstädt-Hänel auf Nachfrage jetzt noch nicht sagen. Für diese Aufführung werden aber noch junge Darsteller im Alter zwischen 10 und 16 Jahren gesucht. Die Premiere ist zum Märchenfest am 25. Mai 2021 geplant. Auch das Senioren-Theater sucht noch Mitstreiter.

Informationen zu den Theater-Projekten erhalten Interessierte, die gerne mitwirken möchten, direkt im Theaterpädagogischen Zentrum. Telefon: 037296 87155.

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