Neuer Meisterbrief soll Qualität steigern

Zu DDR-Zeiten gab es den Berufsabschluss in der Schönheitsbranche noch. Mit der Wende wurde der Meister abgeschafft - jetzt wird er wieder angeboten. Ina Sauske hat die Prüfungen dafür nun als Erste im Altkreis bestanden. Für die Innung ein Anfang, dem Handwerk mehr Niveau zu verleihen.

Stollberg.

In der dritten Klasse wollte sie unbedingt Lehrerin werden. Später Fotografin. Doch schon beim Abitur stand für sie fest: Kosmetikerin zu sein, das ist ihre wirkliche Berufung. "Ich habe dies dann auch gelernt. Doch ich habe mich immer geärgert, keinen Meisterbrief haben zu können", sagt die 35-Jährige. Doch mittlerweile hat Ina Sauske diesen Titel. Als einzige im Altkreis Stollberg, seitdem es diesen Berufsabschluss wieder gibt.

Hintergrund: Der Meisterkurs der Kosmetiker wird erst seit 2015 wieder in Deutschland angeboten. Robert Schimke von der Handwerkskammer Chemnitz: "2016 gab es die ersten Prüfungen und damit die ersten Absolventinnen. Seitdem haben bereits 19 Frauen den Abschluss als Kosmetikermeisterin bestanden. 17 davon kommen aus dem Kammerbezirk Chemnitz, eine weitere Meisterin stammt aus der Nähe von Dresden und eine andere aus Mecklenburg-Vorpommern." Sauske selbst sei die einzige unter diesen Frauen aus dem Altkreis Stollberg, so der Sprecher der Handwerkskammer weiter.

Damit geht Ina Sauske für sich einen Weg, den auch die Branche dringend in großem Stil gehen will. "Wir müssen das Niveau heben, für die Kunden mehr Qualität bieten", sagt Jörn Lüdecke, der Innungsobermeister im Friseur- und Kosmetikhandwerk im Großraum Chemnitz. Mit dem Meister bekämen die Kosmetikerinnen nicht nur betriebswirtschaftliches Wissen an die Hand, sondern auch mehr Kenntnisse über Anatomie, Dermatologie bis hin zu auf die Kunden abgestimmte Behandlungspläne. Und: "Die Prüfungen sind qualitativ höher angelegt als normalerweise", so Lüdecke.

Ina Sauske nickt. In der Kosmetikbranche kursierten mittlerweile unzählig viele Berufsbezeichnungen, mit einem Wochenend-Crashkurs könne man bereits Kosmetiker sein. "Das Image unserer Branche hat gelitten", so Sauske. Irgendwie tummele sich viel im Spannungsfeld zwischen Schönheits-Kliniken und Nagelstudios.

Ina Sauske hat sich für Qualität entschieden, wie sie sagt. Sie hat als Jahrgangsbeste abgeschlossen, der Meister-Kurs habe sie etwa 9000Euro gekostet - die Hälfte davon wird unter anderem vom Freistaat gefördert. "Gut angelegtes Geld", sagt sie. Pflege für Gesicht, Hände, Füße und Massagen. Mehr als 100 Stammkunden hat sie, jeder zehnte ist ein Mann.

Gelernt hat sie den Beruf um die Jahrtausendwende bei einer anderen Meisterin in Stollberg: Jaqueline Baumann. "Ich habe meinen Meisterabschluss noch zu DDR-Zeiten gemacht", sagt Baumann. Sie wollte sich kurz vor der Wende in Niederwürschnitz selbstständig machen, ohne Meister war das in der DDR aber nicht denkbar. Ein Zwang, den es heute so nicht gibt, aber für Baumann trotzdem Glück war. Denn sie betreut nicht nur ihre Kunden in Stollberg in ihrem Studio, sondern ist hauptberuflich auch oft in Österreich: Als Spa-Managerin in einer Tiroler Schönheitsfarm.

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