Neustart nach 29Jahren im Schuldienst

Die Gelenauer Grundschule hat eine neue Leiterin. Für Katrin Lieberwirth geht ein lebenslanger Wunsch in Erfüllung.

Gelenau/Thalheim.

Die neue Leiterin der Gelenauer Pestalozzi-Grundschule trägt einen bekannten Namen: Lieberwirth. Doch nicht Gudrun Lieberwirth, die im vergangenen Jahr nach 43 Jahren Schuldienst den Ruhestand angetreten hat, ist zurückgekommen. Katrin Lieberwirth heißt die neue Chefin der elf Pädagogen der Einrichtung.

Obwohl die Thalheimerin bereits 29 Jahre als Lehrerin arbeitet, ist es für sie ein kompletter Neubeginn, der unmittelbar an ihre beruflichen Wurzeln anknüpft. Denn Katrin Lieberwirth ist ausgebildete Grundschullehrerin, die jedoch nie in ihrem Beruf arbeiten konnte. Als sie 1989 ihr Studium in Rochlitz abschloss, wurden keine Grundschullehrer gebraucht. Nur ein Jahr hat sie als Musiklehrerin und Horterzieherin gearbeitet. Danach begann sie, als Förderschulpädagogin am jetzigen Förderzentrum Annaberg-Buchholz zu unterrichten.

"Es war ein harter Einstieg", erinnert sie sich noch heute. Viele Jahre hat sie berufsbegleitend auch weiterhin die Schulbank gedrückt, sich nicht nur zur Förderschul-, sondern auch zur Beratungs-, Integrations- und Diagnostiklehrerin qualifiziert. Dadurch wurde sie zu einer Ansprechpartnerin für Schüler, Eltern und Lehrer gleichermaßen mit speziellem Blick für auffällige Jungen und Mädchen beziehungsweise Kinder mit Förderbedarf. Kenntnisse und Erfahrungen, die sie weiterhin benötigt, "denn auch in der Grundschule hat jedes Kind einen individuellen Förderbedarf - gleich, wie leistungsstark es ist. Diesen gilt es, rechtzeitig festzustellen und zu ermöglichen", betont Gudrun Lieberwirth. Sie weiß, dass die sächsischen Grundschulen dafür nicht die besten personellen Voraussetzungen haben, dass beispielsweise an Sozialpädagogen und Schulpsychologen großer Mangel besteht. "Das wird nicht einfach. Deshalb möchte ich, dass wir diese Aufgabe nach und nach angehen." Und sie ist sich sicher, mit ihren elf Kolleginnen und Kollegen dafür die richtigen Mitstreiter an ihrer Seite zu haben: "Kerstin Junghans, die die Schule neben ihrer eigentlichen Einrichtung in Auerbach ein Jahr lang geschäftsführend geleitet hat, war des Lobes voll über das motivierte Team."

Die räumlichen und technischen Voraussetzungen an der komplett sanierten Grundschule, in der ab dem neuen Schuljahr 129 Mädchen und Jungen in sieben Klassen unterrichtet werden, seien hervorragend: "Da hat die Gemeinde wirklich viel getan. Helle und freundliche Räume, allein mit den 25 Computerarbeitsplätzen ist die Schule für digitale Aufgaben sehr gut ausgestattet", lobt die 49-Jährige, die in Neudorf aufgewachsen ist und lange in Oberwiesenthal gelebt hat.

Doch warum wagt eine so erfahrene Pädagogin noch einmal einen nahezu beruflichen Neustart, verlässt das Terrain, in dem sie sich auskennt? Die Mutter zweier Kinder (16 und 20 Jahre alt), die nun auch erstmals Leitungsverantwortung übernimmt, führt dafür zwei Gründe an: "Ich habe mein ursprüngliches Berufsziel Grundschullehrerin nie aus den Augen verloren. Es ist mir immer reizvoll erschienen. Deshalb habe ich im Schulamt ganz zielgerichtet Interesse angemeldet, wollte unbedingt ins ländliche Gelenau. Ich habe kürzlich privat alles erfolgreich umgekrempelt. Warum sollte mir das beruflich nicht auch gelingen?"

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