Norddeutsche zeigen Erzgebirgs-Schätze

Nicht ganz drei Jahre haben Heike und Wolfgang Lorentz von ihrem Einfall bis zur Eröffnung einer ganz speziellen Schwibbogenschau gebraucht. Sie wollen aber nicht nur zeigen, welche Bögen in den Orten stehen - sie wollen auch Wissen bewahren.

Johanngeorgenstadt/Stollberg.

Als Holger Hascheck 2017 das erste Mal durch einen Beitrag in der "Freien Presse" davon hörte, dass es eine Ausstellung mit Modellen der Ortsschwibbögen im Erzgebirge geben soll, gab es für ihn keine Frage, dass diese in seiner Stadt stattfinden muss.Schließlich sei das Thema Schwibbogen eng mit Johanngeorgenstadt verbunden, sagt der Bürgermeister. Das wird durch den Beinamen "Stadt des Schwibbogens" deutlich. Harald Teller, Vorsitzender des Fördervereins Pferdegöpel, war allerdings skeptisch, als er erfuhr, dass die Schwibbogenbauer "welche aus dem Norden" sind. "Was wird das jetzt werden?", habe er damals gedacht. Heute weiß er: Heike und Wolfgang Lorentz aus Wedemark bei Hannover stecken tiefer in der Materie drin als mancher Einheimische. Und was aus der Idee geworden ist, kann demnächst im Pferdegöpel bestaunt werden: Am 30. November wird die Schau "Schwibbögen am Ortseingang - Wandern und Wachsen" dort erstmals gezeigt.

"Diese Idee hätte jeder Erzgebirger haben können. Aber kein Erzgebirger hatte sie", sagt Harald Teller jetzt, wenige Wochen vor Ausstellungsbeginn. Auf die Idee gebracht hat das Ehepaar dabei ausgerechnet der frühe Tod seines Bruders Frank Teller, dem das Ehepaar jetzt auch die Ausstellung widmet. Heike und Wolfgang Lorentz hatten den Heimatforscher kennen- und sein profundes Wissen zu Schwibbögen schätzen gelernt. Als Frank Teller im Dezember 2016 unerwartet 51-jährig verstarb, habe sie das sehr beschäftigt sagt Heike Lorentz. Denn nicht nur ein ihnen sehr sympathischer Mensch war gegangen, "sondern mit ihm auch das ganze Wissen". Auf der Suche nach einer Idee, wie man möglichst viel über die Ortsschwibbögen bewahren könnte, seien sie dann darauf gekommen, die Bögen nachzubauen und alles zu sammeln, was zu ihnen bekannt ist.

Um herauszufinden, welche Orte überhaupt Schwibbögen haben und wie diese aussehen, starteten sie Anfang 2017 per Mail einen "Rundruf" und baten um Fotos. Nicht alle Kommunen reagierten sofort, aber spätestens, nachdem in der "Freien Presse" ein Beitrag über das Vorhaben erschien, wurde es ein Selbstläufer - der die beiden seither jede freie Minute kostet. Auf ihren bis zu fünf Aufenthalten pro Jahr im Erzgebirge fotografieren sie die Bögen und messen sie aus, um sie dann daheim aufzeichnen und aus Sperrholz aussägen zu können. Das Vorhaben, zu jedem Modell auch die Geschichte und gegebenenfalls Geschichten zu liefern, wird bei der Auftaktschau noch nicht realisiert. Aber Lorentz' haben schon vieles zusammengetragen und sind weiter am Recherchieren. Denn dieser Aspekt ist ihnen wichtig: das Wissen um die Bögen erhalten.

Während bei der Auftaktschau exakt 51 Bögen ausgestellt werden, sind Lorentz' inzwischen schon bei Nummer 59 angekommen, denn die Ausstellung soll ja nicht nur wandern, sondern auch wachsen, also immer umfangreicher werden. Für drei der Bögen, die in Johanngeorgenstadt zu sehen sind, haben sich die Norddeutschen übrigens Hilfe aus der Region geholt, weil sie selbst weder schnitzen können noch gießen: Den Gersdorfer und den Hohndorfer Schwibbogen haben die jeweiligen Schnitzer nochmals im Kleinformat geschaffen, den von Antonshöhe das Unternehmen Kunstguss Döhler, das schon das Original herstellte.

Die Haldensanierung vorm Pferdegöpel soll bis spätestens Ende November Geschichte sein, verspricht Johanngeorgenstadts Bürgermeister Hascheck. Dann wird es an dieser Stelle sogar einen passenden Weg geben - flankiert von lebensgroßen Holzfiguren der Stadtgründer und Schwibbögen aus Edelstahl.

Das Interesse an der Schau ist groß - Olbernhau wird sie ab 5. März 2020 übernehmen, in Gelenau ist sie ab 1. November kommenden Jahres zu sehen. Marienberg nimmt "550 Jahre Stadtrecht" 2021 zum Anlass, um die Bögen zu zeigen. Für das Jahr 2023 hat sich das tschechische Nejdek angemeldet. Die Partnerstadt Johanngeorgenstadts spielt auch bei der Auftaktschau eine Rolle: Es wird ein Projekt mit Schulkindern aus Nejdek geben.

Die Sonderschau "Schwibbögen am Ortseingang - Wandern und Wachsen" ist ab 30. November, 10 Uhr bis 1. März 2020 im Pferdegöpel von Johanngeorgenstadt zu sehen.www.schwibbogen-wedemark.de

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