"Oberste Priorität hat die Erweiterung des Wohngebiets"

Der Niederwürschnitzer Bürgermeister Matthias Anton zur bisherigen Amtszeit und seinen Vorhaben für 2019

Niederwürschnitz.

Vor anderthalb Jahren hat MatthiasAnton (39) das Amt des Bürgermeisters angetreten. Sein Hauptziel war damals der Erhalt der Eigenständigkeit von Niederwürschnitz und der vollständige Vollzug der Verwaltungsgemeinschaft mit Lugau. Der Eingemeindung nach Stollberg hat das Sächsische Innenministerium kurz darauf einen Riegel vorgeschoben. Aber wie sieht es inzwischen mit der Verwaltungsgemeinschaft aus, welche Bilanz zieht er bislang? Darüber und auch über Pläne für 2019 hat Viola Gerhard mit dem Bürgermeister im Ehrenamt gesprochen.

Freie Presse: Als Sie Ihr Amt im August 2017 angetreten haben, standen die Eigenständigkeit von Niederwürschnitz und die Verwaltungsgemeinschaft mit Lugau ganz oben auf Ihrer Agenda. Die Eingemeindung nach Stollberg war durch eine Entscheidung des Innenministeriums recht schnell vom Tisch, wie aber ist der Stand heute bezüglich Verwaltungsgemeinschaft?

Matthias Anton: Mit Lugau gibt es eine sehr gute Zusammenarbeit. Die Gespräche zur endgültigen Umsetzung der Verwaltungsgemeinschaft, also wie Lugau als erfüllende Gemeinde welche Aufgaben für Niederwürschnitz übernimmt, stehen kurz vor dem Abschluss. So viel kann ich aber schon sagen: Es wurden und werden keine Arbeitsplätze reduziert. Die aus Altersgründen freigewordene Stelle einer Gärtnerin wurde beispielsweise wieder besetzt. Und alle Mitarbeiter der Verwaltung und des Bauhofs, die ihren Arbeitsplatz bisher im Rathaus beziehungsweise in Niederwürschnitz hatten, werden auch weiter hier tätig sein.

Wie steht Niederwürschnitz finanziell da?

Wir stehen auf recht sicheren Füßen. Und dass trotz der Tatsache, dass wir 2018 mehr als 600.000 Euro an Gewerbesteuer zurückzahlen mussten und uns der Anbau an der Kindertagesstätte letztendlich zwischen 500.000 und 600.000 Euro Eigenmittel kosten wird. Dazu kommen die Eigenanteile für die Erneuerung des Doktorparks, die August-Bebel- und die D-Schachtstraße, auch das neue Feuerwehrauto hat uns rund 200.000 Euro gekostet. Zwar haben wir nun auch einen Kassenkredit von 600.000 Euro zurückzuzahlen, aber andererseits müssen wir die Kita nicht 30 Jahre lang finanzieren. Die ist dann bezahlt.

Bei Ihrem Amtsantritt hatten Sie angekündigt, auch in der Arbeitsgruppe Steinkohlenweg aktiv zu werden. Denn wie Lugau, Oelsnitz, Gersdorf und Oelsnitz gehörte auch Niederwürschnitz zum früheren Steinkohlerevier Lugau-Oelsnitz. Bislang hat man Sie aber auf noch keiner Sitzung angetroffen.

Es war von vornherein unsicher, ob ich das schon 2018 auf die Reihe kriege. Das hatte ich auch so kommuniziert. Die Einarbeitung ins Amt und die Aufgaben in Niederwürschnitz standen zunächst im Vordergrund. Lugaus Bürgermeister Thomas Weikert hat mich aber über das Geschehen in der Arbeitsgruppe auf dem Laufenden gehalten. In diesem Jahr will ich nun voll einsteigen. Auch an der finanziellen Beteiligung der Gemeinde an den Projekten der Arbeitsgruppe sollte es bei 1500 Euro nicht scheitern. Ich finde das Thema Steinkohle hochinteressant, die Niederwürschnitzer Historie ist eng mit dem Bergbau verbunden. Auch mein Vater war übrigens Bergmann, allerdings in Zwickau.

Das Amt des Bürgermeisters war für Sie absolutes Neuland. Hand aufs Herz: Wo hatten sie die meisten Probleme - und wie sieht es heute aus?

Der Arbeitsstil in einer Verwaltung ist ein ganz anderer, da musste ich völlig umdenken. Auch musste ich lernen, geduldig zu sein, zum Beispiel, was die Entscheidung bei Fördermittelprogrammen angeht. So ein Vorhaben wie der Kita-Anbau war auch etwas völlig Neues für mich, und da gab es wetterbedingt und wegen Lieferschwierigkeiten ja auch Probleme und Verzögerungen. Auch musste während des Baus noch etwas an der Dachkonstruktion geändert werden. Aber das hatte der Technische Leiter vom Eigenbetrieb alles voll im Griff. Überhaupt haben mich die Mitarbeiter hier im Rathaus super unterstützt.

Der Bürgermeisterjob im Ehrenamt, Ihre Tätigkeit als Automobilkaufmann und die Familie - ist es Ihnen mittlerweile gelungen, all das gut unter einen Hut zu bringen?

Das hat sich inzwischen alles eingespielt, und es bleibt auch genug Zeit für die Familie. Ich bin fast jeden Tag früh, nachdem ich meinen Sohn in die Schule gebracht habe, für ein bis zwei Stunden im Rathaus, den Dienstagnachmittag halte ich mir für Bürgeranliegen frei. Ich habe mir die Arbeit von Monat zu Monat besser eingeteilt. Anfangs habe ich für viele Dinge auch einfach mehr Zeit gebraucht. Ich wusste vieles schlicht nicht und musste oft nachfragen. Auch meine beiden Stellvertreter, die Gemeinderäte Uwe Landmann und Lutz Ehnert, arbeiten konstruktiv mit mir zusammen und helfen, wenn beispielsweise Termine zu besetzen sind und ich es nicht schaffe.

Ein Blick in die Zukunft: Was wollen Sie als Nächstes anpacken?

Oberste Priorität hat in diesem Jahr der Bebauungsplan für die Erweiterung des Wohngebiets an der Hohensteiner Straße. Wir wollen Einfamilienhäuser, aber auch attraktive Wohnungen schaffen, es ist beispielsweise Bedarf an Vier-Raum-Wohnungen da. Und das Sportlerheim ist mir sehr wichtig. Da ist zurzeit nur der Fußballverein drin, ich möchte es aber gern wieder für die Allgemeinheit nutzbar machen. Gemeinsam mit dem Sportverein konnten wir Sponsoren finden, sodass ich dieses Jahr gern mit der Sanierung beginnen würde.

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