Posaunenchor trotzt Corona mit abgespeckter Jubiläumsfeier

Mit Turmmusik und Gottesdienst hat der Posaunenchor Thalheim sein 90-Jähriges gefeiert. Was macht den Reiz dieser Musik aus?

Thalheim.

Bläsermusik wehte am Samstagabend vom Kirchturm über das Stadtzentrum von Thalheim. Eine halbe Stunde erklangen Lieder wie "Geh aus mein Herz" und "Die Gedanken sind frei", gespielt von Mitgliedern des Posaunenchores anlässlich dessen 90-jährigen Bestehens.

Das Turmblasen gab es seit den 1950er-Jahren. Später ist es eingeschlafen, wurde 1986 wiederbelebt, so Friedemann Lasch, der die Chorleitung 2017 von Willi Roscher übernommen hat. Eigentlich gehört das Turmblasen zu den Höhepunkten der Weihnachtszeit. Jetzt erwies es sich als eine gute Notlösung, denn ursprünglich sollte das Jubiläum mit zehn Chören des Altlandkreises bei einem Bläserfest gefeiert werden. "Im Mai haben wir das abgesagt, denn mit den Abstandsregeln ist es nicht machbar. Und nach zwei Monaten Probenpause hätten die Chöre auch nicht das Niveau für so ein Konzert", so Lasch. Wobei die Musiker auch während des Lockdowns nicht untätig waren. Einige Bläser haben zur Erbauung der Nachbarn aus ihren Fenstern geblasen. Karfreitag konnte dank einer Sondergenehmigung ein kleines Hofkonzert am Pflegeheim "Thalheim-Blick" gegeben werden. Und am Pfingstmontag wurde die Andacht am Hochkreuz musikalisch begleitet.

Seit Himmelfahrt wird regelmäßig geprobt. Weil die 15 Bläser im Gemeindesaal die Abstände nicht einhalten können, gehen sie in die Kirche. Kurz vor dem Auftritt haben sich die Bläser auch am Samstag getroffen. Mit dabei waren die Jungbläser des Ensembles. "Mir gefallen die Musik und das gemeinsame Spielen", erklärt der zwölfjährige Trompeter Florian Beer seine Begeisterung. Der gleichaltrige Konrad Knoth bekennt: "Anfangs war das schon ätzend, wenn man so allein dasteht und üben muss." Im Ensemble mache das mehr Freude.

Für Chorleiter Friedemann Lasch und Dirigent Gottfried Stier ist es eine Herausforderung, ein Repertoire auszuwählen, bei dem alle zur Stange halten: "Die Älteren wollen keine modernen Rhythmen, und die Jüngeren können mit Bach-Chorälen nicht viel anfangen. Andererseits steigt gerade dank dieses Spannungsfeldes die Qualität." Die wird dem Ensemble von Kennern bestätigt. "Der Thalheimer Posaunenchor ist sehr gut aufgestellt", meint Jörg Vodel. Der 59-Jährige leitet den Posaunenchor Auerbach und hat das Thalheimer Ensemble am Wochenende verstärkt. Für ihn hat ein Posaunenchor einen besonderen Reiz: "Hier spielen Alt und Jung zusammen. Das sind Leute quer durch die Gesellschaft. Jeder ist willkommen."

Gegründet wurde der Posaunenchor im Oktober 1929 auf Initiative von Diakon Karl Poser. Erste öffentliche Auftritte folgten 1930. Im selben Jahr trat das Ensemble der Posaunenmission bei. Mitte der 1930er-Jahre wurde der Chor aus politischen Gründen aufgelöst. Der Neustart erfolgte 1949 unter Leitung von Kantor Walter Schädlich. Seither ist das Ensemble fester Bestandteil der musikalischen Kultur in der Stadt. Im Mittelpunkt steht die regelmäßige Ausgestaltung von Gottesdiensten, doch auch bei weltlichen Anlässen sind die Musiker aktiv.

Anlässlich des Jubiläums wurde ein Gottesdienst mit Landesposaunenpfarrer Christian Kolmar gefeiert. Wie beim Turmblasen konnte wegen der Corona-Einschränkungen nur ein Teil der Musiker musikalisch mitwirken. Ganz ins Wasser fallen soll das Bläserfest nicht. "Wir wollen die Chöre des Altlandkreises für nächstes Jahr einladen", so Lasch.

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