Stollberg will Radfahrern Vorfahrt geben

Die Große Kreisstadt möchte speziell den Verkehr in der City neu sortieren. Es wird keine Auto-Verbote geben, doch wer PS unter der Haube hat, wird sich umgewöhnen müssen.

Stollberg.

Die Innenstadt in Stollberg mit ihren zahlreichen Einbahnstraßen ist nicht gerade ein Autofahrerparadies. Das wird sie auch in Zukunft nicht werden. Die Stadtverwaltung nimmt derzeit ein anderes Verkehrsmittel in den Blick: das Fahrrad. "Eine Utopie und unser Ziel ist es, dass künftig etwa 30 Prozent des Verkehrs in der Stadt mit dem Fahrrad über die Bühne gehen", sagt Oberbürgermeister Marcel Schmidt vor rund 40 Interessierten im Bürgergarten. Dort sind am Mittwochabend Grundzüge des Radkonzeptes vorgestellt worden. Zuständig dafür ist in der Verwaltung Nora Preuß. Sie unterscheidet dabei zwei Bereiche: das Radfahren in der Freizeit und das im Alltag. "Freie Presse" skizziert, worum es geht.

Radfahren in der Freizeit: In diesem Bereich geht es um reine Freizeittouren. "Wir sind hier nicht schlecht aufgestellt", sagt Nora Preuß. Einige Strecken seien noch aus Zeiten, in denen Stollberg Kreisstadt war. Jedoch liegen diese heute größtenteils außerhalb des Stollberger Zuständigkeitsbereiches. Zudem ist die Beschilderung allenfalls noch rudimentär vorhanden. "Es gibt keine Unterlagen, nur noch alte Faltkarten", sagt Preuß, die sich daher auf drei Runden im Stadtgebiet konzentriert.


Perspektivisch soll eine Beschilderung aufgebaut werden. "Das ist allerdings eine kostspielige Sache. Ich prüfe derzeit, ob und welche Fördermöglichkeiten es dazu gibt", sagt Preuß. Parallel legt sie das Augenmerk auf eine digitale Lösung. Sie möchte die Routen in einer verbreiteten App - Outdooractive, das auch der Tourismusverband Erzgebirge nutzt - vermarkten.

Radfahren im Alltag: Die Ideen in diesem Bereich werden den Verkehr in der Stollberger Innenstadt weitreichend verändern. Es geht um nicht weniger als eine massive Aufwertung des Radverkehrs. Einige Straßen rund um die Altstadtschule sollen für Radfahrer auch in die entgegengesetzte Richtung freigegeben werden. Das soll diese Straßen für Autofahrer auf der Durchreise ausdrücklich unattraktiv machen. Geprüft werden soll das beispielsweise für Obere Mühlenstraße, Untere Mühlenstraße und Am Mühlgraben. Noch weiter gehende Ideen gibt es für die Rudolf-Breitscheid-Straße, beziehungsweise die komplette Verbindung von Niederdorf bis Mitteldorf. Dort sollen Fahrradfahrer den Vorrang bekommen. Es steht im Raum, dazu die Breitscheid-Straße und die Verlängerung Richtung Niederdorf bis zum Park an der Fabrikstraße zu einer Fahrradstraße zu machen. Auf einer solchen dürfen zwar auch andere Fahrzeuge mit maximal 30 Stundenkilometern fahren, aber die Radfahrer haben grundsätzlich Vorrang und dürfen auch nebeneinander fahren.

Eine weitere Maßnahme hat die Stadt etwa an der Hohensteiner Straße bereits umgesetzt: 1,5 Meter breite Schutzstreifen für Radfahrer. Dafür nimmt die Stadt durchaus Geld in die Hand. "Ein ein Meter langer Streifen kostet 6,50 Euro", berichtet Preuß. Gewünscht ist ein solcher auch an der Bundesstraße 169 in Gablenz. Dort stellt sich zudem eine andere Herausforderung. Für die Verbindung der Ortsteile mit der Innenstadt muss eine sichere Querungsmöglichkeit her.

Zurzeit ist vieles noch im Ideen- oder Prüfstatus. Erste Effekte erhofft sich die Verwaltung in zwei bis drei Jahren. Sie hat dabei auch im Blick, dass beispielsweise E-Bikes die Radnutzung verändern könnten. Es war ausdrücklich erwünscht, mit interessierten Bürgern auch ins Gespräch zu kommen. "Ich habe gute Gespräche geführt und einige Anregungen mitgenommen", sagt Preuß. Etwa den Wunsch nach Fahrradbügeln, die erlauben, den Rahmen sicher anzubinden. Wenig Hoffnung hat Preuß bei einem anderen Anliegen: auch die Herrenstraße für Fahrräder in beide Richtungen zu öffnen. "Dort haben wir jetzt schon viel Verkehr. Daher teile ich dieses Anliegen eher nicht", sagt Preuß.


Freizeitrouten

Feldradrunde: Die Runde rund um Beutha und Oberdorf ist 14,7 Kilometer lang. Rund 30 Prozent der Strecke sind befestigt, die restlichen 70 Prozent gehen über Feld- und Waldwege. Es gibt eine Anknüpfung an die Katzensteinradrunde.

Talsperrenradrunde: 90 Prozent der 11,5 Kilometer langen Schleife sind befestigt. Der Rest führt über Waldwege. Es besteht ein Knoten zur Strecke Chemnitz-Karlovy Vary.

Katzensteinradrunde: Die 14,5 Kilometer lange Strecke um Gablenz und Mitteldorf ist komplett befestigt. Knoten gibt es u.a. zur Talsperrenrunde.

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