Stollberger Stadtbibliothek will "dritter Ort" sein

Die neue Chefin Beate Schaub über ihren Anspruch, die Bewerbung bei der Bundes-Kulturstiftung und mehr Öffentlichkeitsarbeit

Stollberg.

Sie gehört quasi zum Inventar der Stollberger Einrichtung, die 1983 eröffnet wurde. Nun ist die 59-Jährige Beate Schaub bald auch offiziell die Leiterin der Stadtbibliothek in der Großen Kreisstadt und verwaltet alleine 43.000 ausleihbare Artikel. Mit ihr sprach Jan Oechsner.

Freie Presse: Die Stadt musste ein Jahr suchen, um den Chefposten der Stadtbibliothek zu besetzen. Sie wollten lange Zeit nicht. Warum machen Sie den Job nun doch?


Beate Schaub: Ich bin seit 35 Jahren in der Bibliothek tätig und hätte sehr gern eine jüngere Kollegin oder einen jüngeren Kollegen an der Spitze gesehen. Die Struktur der Kulturraum-Fördergelder verlangt jedoch einen Diplom-Bibliothekar. Die Stadtverwaltung hat intensiv nach geeigneten Kandidaten gesucht. Ich hätte nie gedacht, dass es so schwer ist, die Stelle zu besetzen. Nach intensiven Gesprächen kam ich nun der Bitte nach, selbst die Aufgabe zu übernehmen.

Verwalten Sie jetzt nur das Vorhandene?

Mit meinem Team will ich Akzente setzen und die Bürger der Stadt neu für die Bibliothek begeistern. Als erstes sichtbares Zeichen wird an unserer Fassade eine große Außenwerbung platziert, welche den StollbergerInnen zuruft: Hier ist eure Stadtbibliothek!

Da wird aber noch niemand ein neuer Nutzer.

Aber es ist eine Einladung, uns neu zu entdecken. Bei uns kann man ja auch ohne Mitgliedschaft für einen Euro etwas ausleihen. Bisher sind fast alle dieser Nutzer wiedergekommen und Mitglied geworden, weil sie von unserem Angebot überzeugt wurden. Wir müssen es also schaffen, dass Interessierte überhaupt durch unsere Tür finden.

Ist denn die Stadtbibliothek nicht ausgelastet?

Wir sind sehr zufrieden mit den Zahlen. 2343 Nutzer im vergangenen Jahr, davon 806 Kinder bis zwölf Jahre. 284 Nutzer sind über 60. Also: Unsere Bibliothek ist jung und widerlegt die These, Bibliothek sei überholt. Jeder Band unserer Kinder- und Jugendliteratur wird im Schnitt zweimal pro Jahr ausgeliehen. Unsere Stärke ist die Bandbreite unserer Medien. Darauf wollen wir aufbauen. Jeder in der Region soll wissen, was er in seiner Bibliothek geboten bekommt.

Zumal Bibliothek heute mehr sein sollte als eine anonyme Ausleih-Einrichtung für Bücher oder CD. So fordert es der Bundesverband der Bibliotheken - Stichwort: "dritter Ort", wo sich Bürger neben Arbeit oder Wohnung aufhalten, begegnen, entspannen.

Als Kultureinrichtung der Stadt wollen wir ein Ort der Begegnung sein. Dies ist eine große Herausforderung, aber wir haben gute Voraussetzungen. Unser Haus wurde als Bibliothek konzipiert und 1983 eingeweiht …

... und in welchem Sie seither arbeiten.

Das ist richtig. Daher kann ich bestätigen, dass dieses Haus von Beginn an ein Magnet ist. Auch heute kommt ein Drittel unserer Nutzer nicht aus Stollberg, sondern aus dem gesamten Gebiet des Altkreises Stollberg. Mehr als 1000 Quadratmeter Publikumsfläche bieten ausreichend Platz für alle Zielgruppen. Kinder machen ihre Hausaufgaben, es finden Veranstaltungen und Ausstellungen statt und nicht selten müssen wir Gästen sagen, dass wir jetzt schließen. Unsere Leser würden gerne noch länger bleiben. Das verdeutlicht, dass wir für viele der "dritte Ort" sind.

Aber Sie haben kein W-Lan - um ein Erfordernis im 21. Jahrhundert zu nennen.

Das stimmt leider. Wir wissen um unsere Schwächen, die wir entschlossen angehen. Deshalb bewerben wir uns derzeit beim Förderprogramm "hochdrei - Stadtbibliotheken verändern" der Bundes-Kulturstiftung. Das wird schwer, weil nur 60 Einrichtungen in Deutschland gefördert werden, aber wir wollen es versuchen. Wenn es nicht klappt, haben wir zumindest ein Konzept, welches Schritt für Schritt umgesetzt werden könnte.

Wie sieht das Konzept aus?

Abgabe ist am 1. August, daher darf ich nicht zu viel verraten. Aber ein Aspekt lautet Barrierefreiheit: Aktuell gibt es noch keine stufenfreien Zugänge in die zweite Etage. Darüber hinaus haben wir Maßnahmen auf dem Schirm, um unsere digitalen Angebote zu verbessern.

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