Strafzettel-Flut verärgert Graffiti-Künstler aus Meerane

Vier Knöllchen an acht Tagen. Jens Müller alias Tasso hat das Verwarngeld zähneknirschend überwiesen. Er kritisiert die fehlenden Kommunikationsversuche der Polizei.

Waldenburg/Meerane.

Dieser Auftrag hat ein teures Nachspiel: Nachdem Graffiti-Künstler Jens Müller alias Tasso eine Hauswand an der Altenburger Straße in Waldenburg zu einem tierischen Hingucker im XXL-Format verwandelt hat, flatterten ihm vier Strafzettel wegen Falschparkens in den Briefkasten. Der 54-jährige Meeraner hat mittlerweile Verwarngeld und Bearbeitungsgebühren in Höhe von 87 Euro an den Landkreis Zwickau überwiesen. Allerdings zähneknirschend und mit Wut im Bauch. "Vier Strafzettel innerhalb von acht Tagen", sagt Jens Müller, der mit einem Beitrag auf seiner Facebook-Seite die Knöllchen-Flut öffentlich machte.

Ende Oktober und Anfang November 2020 war Tasso im Auftrag von Tierarzt Joachim Trobisch im Einsatz. Der Graffiti-Künstler brachte einen acht Meter hohen Kopf einer Katze und ein zwölf Meter breites Motiv eines Hundes an die Giebelseite des Gebäudes. Während sich Jens Müller auf dem Gerüst befand, rückte sein vor dem Gebäude abgestellter Volvo ins Visier der Beamten des Polizeireviers in Glauchau. Und das gleich viermal. Sie notierten das Kennzeichen, hielten die Parkverstöße auf Fotos fest. Obwohl nach Aussage von Tasso seine Visitenkarte hinter der Frontscheibe lag, ein Klappstuhl mit seinem Künstlernamen hinter dem Fahrzeug stand und die bereits beschriebenen tierischen Hingucker langsam Gestalt annahmen, stellten die Polizisten offenbar keine Verbindung zwischen dem im Parkverbot stehenden Fahrzeug und dem auf dem Gerüst tätigen Künstler her. "Am meisten ärgert mich, dass es die Herrschaften nicht einmal nötig gehalten haben, mich bürgernah einfach darauf anzusprechen", sagt Jens Müller. Den Grund dafür nennt - auf Anfrage der "Freien Presse" - die Polizeisprecherin Christina Friedrich: "Unsere Kollegen haben das Auto verschlossen vorgefunden und hatten somit keinen Anhaltspunkt dafür, dass der Fahrzeugführer dort nur auslädt oder kurzfristig parkt."

Ein zusätzliches Ärgernis für Jens Müller: Auch nach dem zweiten, dritten oder vierten Parkverstoß habe sich kein Strafzettel mit einem Hinweis auf eine Ordnungswidrigkeit hinter seinem Scheibenwischer befunden. "Dann hätte ich mein Fahrzeug garantiert nicht wieder an der Stelle geparkt und lieber die Dosen ein paar Meter getragen", sagt Jens Müller. Die Erklärung von Polizeisprecherin Christina Friedrich: "Das angesprochene Knöllchen hinter der Windschutzscheibe ist keine Pflicht, sondern wäre lediglich ein Hinweis gewesen." Sie macht deutlich, dass auch für Handwerker, die ihre Fahrzeuge in der Nähe von Baustellen abstellen, die Straßenverkehrsordnung gilt. "Wir raten daher, dass sie bei Bedarf eine Ausnahmegenehmigung bei der zuständigen Behörde beantragen", sagt Christina Friedrich.

Die Gebietsverkehrswacht Chemnitzer Land nimmt den Vorfall zum Anlass, um für eine verbesserte Kommunikation vonseiten der Polizei zu werben. Vereinschef Jens Frenzel sagt, dass - gerade bei wiederholten Verstößen - ein Hinweis an den Falschparker hilfreich sei. Egal, ob per Knöllchen hinter der Windschutzscheibe oder in einem kurzen Gespräch. "Das ist schließlich die einzige Möglichkeit, um einen Missstand - wie im geschilderten Fall das Falschparken - auch beseitigen zu können. Das muss schließlich im Sinn der Verkehrssicherheit das Ziel sein", sagt Jens Frenzel.

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