Stück offenbart noch viel mehr Talente

Mit dem rund einstündigen Theaterspiel "Projekt Bremen" haben die Spielfreunde die zweite Premiere dieser Saison auf die Bühne gebracht. Für einige Mimen waren es die Abschiedsvorstellungen.

Mitteldorf.

Vier Helden, die nach Bremen gehen wollen? Diese Geschichte kennt wohl jeder aus dem Grimmschen Märchen "Die Bremer Stadtmusikanten". Der Stollberger Theaterverein Spielfreunde hat den Stoff jetzt stark adaptiert unter dem Titel "Projekt Bremen" auf die Bühne gebracht.

In dieser Version ziehen allerdings nicht vier todgeweihte Tiere in die Ferne. Statt Esel, Hund, Katze und Hahn machen sich vier Jugendliche auf den Weg, die aus ganz unterschiedlichen Gründen mit ihrem Schicksal hadern. Helena (Maya Schlaunat) bekommt als Tochter reicher Eltern zwar genug Geld, aber keine Zuwendung. Sie will zum Poetry-Slam nach Bremen fahren. Hanna (Sinikka Knoth) hat ihre Trauer um eine Schwester in einem Lied verarbeitet und will diesen Song auf die Bühne bringen. Elias (Cedric Corazza) wurde von seiner Freundin abserviert und will als Zauberer Geld verdienen. Und Kiara (Linda Walther) schnappt sich nach Querelen im Kinderheim ihre Gitarre und haut einfach ab.

Für alle vier Hauptakteure hat die Inszenierung damit den besonderen Reiz, dass sie ihre Talente einbringen können. Die 14-jährige Maya Schlaunat schreibt tatsächlich Texte, hat diese aber bislang nie bei einem Poetry-Slam vorgetragen. Seit der ersten Klasse spielt die Jahnsdorferin Theater. Weil sie aber parallel noch bei der Theater-Jugend-Gruppe Limited Edition und bei der Theatergruppe "Tagträumer" im Carl-von-Bach-Gymnasium mitspielt, ist für sie nach zwei Jahren Mitarbeit bei den Spielfreunden nun Schluss. Auch für Sinikka Knoth war es die letzte Inszenierung. "Ich spiele seit zehn Jahren Theater, fand das Stück auch sehr schön." Die 15-jährige Jahnsdorferin hatte einen eigenen Song beigesteuert und sich auf der Bühne mit Gesang und Klavier präsentiert. Doch sie gibt auch zu, dass Schule und Theater inzwischen nicht mehr zu vereinbaren sind. Der 16-jährige Neuwürschnitzer Cedric Corazza hört aus ähnlichen Gründen bei den Spielfreunden auf: "Ich zaubere wirklich und spiele auch bei Limited Edition. Zweimal Theater, Zaubern und Schule - das wird mir einfach zu viel."

Und so bleibt von den Hauptdarstellern beim "Projekt Bremen" nur die 15-jährige Linda Walther den Spielfreunden treu. "Ich spiele seit der zweiten Klasse Theater, bin seit Anfang an bei den Spielfreunden dabei. Dass ich diesmal mit der Gitarre auf der Bühne stand, war eine zusätzliche Herausforderung. Wie man mit einem Textversprecher umgeht, weiß ich inzwischen. Aber es ist etwas anderes, sich womöglich zu verspielen."

In knapp einer Stunde haben insgesamt acht Darsteller ein modernes Jugendstück auf die Bühne gebracht, in das sich die besonderen Talente jedes Einzelnen richtig gut eingefügt haben. Da wirkte nichts aufgesetzt oder verkrampft. Eine Herausforderung war die Aufführung auch für die Darsteller mit den kleineren Rollen, denn Maxi Bößneck, Jolanda Albrecht, Vincent Recklies und Zoe Schuster mussten in mehrere Rollen schlüpfen. So stand Maxi Bößneck als Mutter, Dieb und Ansager auf der Bühne. "Was mir an diesem Stück besonders gefällt, ist das offene Ende", so die Neuwürschnitzerin. Tatsächlich geht das Stück nicht so eindeutig glücklich aus wie im Märchen. Das könnte ein Vorteil sein. Regisseur Michael Ö. Arnold: "Das ist ein Festival-Theaterstück. Deutschlandweit haben wir vier Festivals in Aussicht, die Frage ist aber, ob sie uns nehmen." Hier in der Region ist das Stück nach zwei Aufführungen am Wochenende bereits abgespielt.

Der Abschied mehrerer Mimen hat jedoch auch eine positive Seite, denn der Verein nimmt nun wieder neue Interessenten auf. "Bei 30 Kindern ist Schluss. Im Moment haben wir zwar noch 32 Spieler im Alter zwischen neun und 18 Jahren. Da mehrere altershalber aufhören, sind jüngere Mitspieler aber gern gesehen. Am besten melden sie sich über unsere Homepage, oder sie kommen mal zu einer Aufführung", sagt Michael Ö. Arnold.

Die dritte und letzte Inszenierung der Spielfreunde in dieser Saison hat am kommenden Freitag, 29. November, Premiere. Gezeigt wird ab 17 Uhr das Märchen "Nussknacker und Mausekönig" nach der gleichnamigen Erzählung von E. T. A. Hoffmann.

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