Therapie-Wiese für Hunde: Anwohner fordern Verbot

Hunde bellen laut, machen Dreck - und ihre Besitzer parken alles zu. Das befürchten sieben Familien im beschaulichen Seifersdorf in ihrer Nachbarschaft. Doch was sagt die Gemeinde zu dem Plan? Das Sächsische Oberverwaltungsgericht kennt indes einen ähnlichen Fall.

Jahnsdorf.

Ein Hundetherapieplatz im Wohngebiet? An dieser Frage scheiden sich derzeit die Geister. Die Zeit drängt. Womöglich schon im April soll das Vorhaben starten. Die Adresse: Untere Dorfstraße in Seifersdorf. Im Notfall ist es bald ein Fall für das Landratsamt - und womöglich für das Verwaltungsgericht.

Aber von vorn: Sieben Anwohner-Familien haben jetzt im Gemeinderat eine Protestnote abgegeben, in welcher die Gemeindeverwaltung aufgefordert wird, sich für die Belange der Anwohner stark zu machen - und gegen das Vorhaben eines Hundeplatzes. Hundedreck, Pfiffe, Bellen, Kommandorufe - und vielleicht noch wildes Parken in der kleinen Straße? Die Bürger wollen auf Nachfrage die Situation nicht eskalieren lassen, wünschen sich aber eine rasche Regelung. "Die Betreiberin des Grundstücks hat angefangen, Zäune aufzustellen", so eine Anwohnerin der Unteren Dorfstraße. Notfalls bliebe den Familien kein anderer Weg, als zu klagen.

Christoph Ulrich

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Sandra Peschel versteht dagegen die Aufregung nicht. Sie ist Mutter zweier Kinder, will sich als angehende Hundeverhaltensberaterin aus Chemnitz ein neues berufliches Standbein aufstellen und ist froh, ein Grundstück wie dieses in Seifersdorf gefunden zu haben. "Dort soll aber eben nicht ein Hundesportplatz, sondern ein Therapiefeld für die Tiere hin. Das ist ein großer Unterschied, es verursacht kaum Lärm." Sie plane, an maximal vier Tagen in der Woche ein bis zwei Stunden mit zwei oder drei Hunden auf der Wiese zu arbeiten.

Die Gemeinde aber steckt in dem Fall in einem Dilemma, weil sie überhaupt nichts zu entscheiden hat - sagt Bürgermeister Albrecht Spindler. "Eine solche Situation hatten wir noch nicht im Ort." Grund: Bei dem Gebiet an der Unteren Dorfstraße in Seifersdorf handelt es sich um ein allgemeines Wohngebiet, in welchem auch Gewerbe möglich ist. "Wir haben dies damals so genehmigt, weil der Besitzer dort Wohnungen bauen wollte. Daher haben wir es als Bauland ausgewiesen, denn wir wollen ja Leute ins Dorf holen", so Spindler. Doch nun habe der Besitzer das Areal vermietet - für einen gewerblichen Hundeplatz. Und ohne genehmigungspflichtige Bauten. "Insofern haben wir auch nichts zu genehmigen", so Spindler weiter. Er stehe aber auf dem Standpunkt, dass der Hundeplatz ein störendes Gewerbe sei und somit vom Landratsamt auf Zulässigkeit überprüft werden müsse.

Das Sächsische Oberverwaltungsgericht hat sich zumindest mal mit einer ähnlichen Fragestellung auseinandergesetzt - im Jahre 2013. Hier ging es um die Frage, was ein Hundesportplatz letztlich sei - und welche Folgen dies im Sinne einer Lärmbelästigung habe. Eine Hundeschule, die schwerpunktmäßig an Wochenenden und zu Zeiten betrieben wird, die von der Bevölkerung überwiegend zur Freizeitgestaltung genutzt werde, sei in dem konkreten Fall eine Freizeitanlage - also gelte die Freizeitlärm-Richtlinie. Ob diese Rechtssprechung allerdings auch auf die Situation in Seifersdorf so zutrifft, ist noch unklar.

Sandra Peschel jedenfalls sei sehr enttäuscht, dass die Anwohner mit ihr nicht vor Ort das Gespräch gesucht haben, obwohl sie das angeboten hatte. Sie jedenfalls habe alle Genehmigungen, nur noch das Veterinäramt müsse zustimmen. Allem anderen sehe sie gelassen entgegen. "Die Leute werden merken, dass es leise ist, was ich dort mache." Und fügt hinzu: "Die Enten im nahegelegenen Teich machen mehr Krach."

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