Umbau bringt viele Einblicke und wertvollen Fund zutage

Mit Vorträgen wurde am Donnerstag an den ersten Spatenstich auf dem Kaiserin-Augusta-Schacht vor 150 Jahren erinnert. Die Besichtigung der leeren Ausstellungsräume des Bergbaumuseums Oelsnitz zeigte: Das Gemäuer ist immer für eine Überraschung gut.

Oelsnitz.

Rund 70 Besucher haben im Historischen Speisesaal des Bergbaumuseums den Vorträgen von Jan Färber und Heino Neuber gelauscht. Während Sammlungsleiter Neuber einen kurzweiligen Abriss der Historie des Hauses seit dem ersten Spatenstich im Jahr 1869 lieferte, gab Museumschef Färber Einblicke in die derzeitige Museumserneuerung und einen Ausblick auf die Teilnahme des Museums an der vierten Sächsischen Landesausstellung Industriekultur im Jahr 2020. "Mit der Erneuerung des Museums schreibt der Kaiserin-Augusta-Schacht seine Geschichte fort", so Jan Färber. Bei der Besichtigung der leergezogenen Ausstellungsräume konnten sich die Besucher davon hautnah überzeugen: Präsentiert wurde eine Überraschung, welche beim Ausräumen entdeckt worden war.

Während die Gäste in Lohnschalterhalle und Lampenstube die architektonische Schönheit angesichts gähnender Leere auf ungewohnte Weise betrachten konnten, waren auch regelmäßige Museumsbesucher im Lokschuppen wohl einen Moment lang verwirrt: Nach dem Öffnen einer Zwischenwand kann man von dort aus direkt in den Untertagebereich des Museums schauen. Doch mehr noch: Zu sehen ist auch, wie die Tunnel, die man sonst nur mit Schutzhelm betreten darf, aufgebaut sind. Haustechniker Heiko Vieweger erklärt: "Dieser Raum befindet sich zwischen der einstigen Außenmauer des Museums und den dahinter befindlichen Garagen, und er ist mit Sicherheit lediglich für Museumszwecke geschlossen worden."


Ein kleiner Teil der Grubenverbaue musste für die Sanierung des Baukörpers weichen, soll danach aber wieder aufgebaut und sogar erweitert werden. Im Januar wurde mit dem Abbau begonnen. Eigentlich hätte das eine Firma übernehmen sollen. Dass jetzt vor allem die Haustechniker dafür zuständig sind, empfindet Heiko Vieweger jedoch nicht als Nachteil. Dies, obwohl es sich als Mammutaufgabe herausgestellt hat: "Wir haben insgesamt 350 Tonnen herausgeschafft." "Wir", das sind neben Heiko Vieweger noch Andreas Quietschau und Andreas Lange. Außerdem haben im Januar noch einige Hilfskräfte mit angepackt. Direkt vor Ort musste mit Atemschutz gearbeitet werden: "Das waren 30 Jahre Staub", so Vieweger. Außerdem war hinter den mit Holz und Sauerkrautplatten verkleideten Verbauen jede Art von Schutt verborgen: "Die haben alles da reingeworfen, was sie oben rausgerissen haben: Wir haben Steckdosen und Kabel gefunden und auch einen abgebrochenen rosafarbenen Kachelofen einschließlich der Schamottesteine. Wir hatten erwartet, dass einiges hinter der Verkleidung ist, aber damit haben wir nicht gerechnet."

Trotz Staub und Schmutz ist Heiko Vieweger beim Beräumen bei einem der Steine stutzig geworden, als er auf der Oberfläche ein unscheinbares Muster entdeckt hat: Nach genauer Betrachtung war klar: Es handelt sich um den fossilen Abdruck eines sogenannten Siegelbaumes, einer Pflanzenfamilie die vor vielen Millionen Jahren in Steinkohle-Sümpfen gewachsen ist. "Ich habe das durch Zufall gesehen, weil wir die größeren Steine beim Aufbau später wieder verwenden wollen."

Während des einstigen Museumsaufbaus von Anfang der 1970er-Jahre bis zur Eröffnung 1986 waren fossile Abdrücke noch relativ häufig zu finden, sodass sie nicht als besonders wertvoll eingestuft wurden. Inzwischen ist das anders. Und so haben die Haustechniker nach diesem Zufallsfund alle Steine noch einmal genau betrachtet. Das Ergebnis: Rund 15 größere, sehr deutliche Abdrücke und mehr als 30 kleinere, unbedeutendere sind gefunden worden. Zu sehen ist darauf Vegetation aus der Zeit der Entstehung der Steinkohle vor Millionen von Jahren, darunter Siegelbäume und Farne. "Bei der Beräumung durch eine Firma wäre das definitiv auf dem Schutt gelandet. Insofern hat jetzt sogar die Verzögerung bei der Sanierung etwas Gutes", so Vieweger.

Damit meint er jedoch nicht allein die überraschenden Fundstücke. Auch beim Wiederaufbau des freigelegten Untertagebereiches dürfte die jetzige Vorgehensweise nützlich sein, denn jedes Detail des Abbaus wurde akribisch dokumentiert, die ausgebauten Stücke wurden beschriftet. Heiko Vieweger: "Das Problem ist, dass wir keinen mehr fragen können, wie das damals gemacht wurde. Aber gerade das macht für mich auch den Reiz dieser Arbeit aus. Wir müssen immer wieder überlegen, wie wir das im Detail machen. Für nichts davon gibt es ein Patent."

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