Veilchen-Idol "Klinge" jongliert jetzt mit Zahlen

René Klingbeil, früher Kapitän des FC Erzgebirge, bleibt der Region treu. In seinem neuen Job, sagt er, sei es gar nicht so viel anders als auf dem Platz.

Lößnitz.

Vom runden Leder konnte er am Ende nicht lassen, doch welcher leidenschaftliche Fußball-Profi kann das schon? René Klingbeil (37), früher Spielführer des FC Erzgebirge, Abwehrchef und Aufstiegsheld, trainiert heute ehrenamtlich den FC Lößnitz. Begegnet man ihm in seinem Brotjob, muss man aber zweimal hinschauen: "Klinge", wie ihn die Fans riefen, hat das Veilchen- Trikot gegen einen Anzug getauscht, statt der Kapitänsbinde trägt er einen Schlips. Anstelle eines Balls jongliert er mit Zahlen. "Ich bin jetzt Finanzberater", sagt Klingbeil. "Schon mit 22 wollte ich in die Branche."

Damals kickte er für Borussia Mönchengladbach. "Meine Karriere als Fußballer ging nicht so richtig los, und Finanzthemen haben mich schon immer interessiert. Da habe ich überlegt, ob ich eine solche Ausbildung mache", erzählt er.


Daraus wurde nichts. Klingbeil wechselte zum Hamburger SV, dann zu Viking Stavanger in Norwegen, seine Laufbahn als Fußballer nahm Fahrt auf. Seine beste Phase hatte "Klinge" beim FC Erzgebirge, wo er sieben Jahre lang eine Säule der Mannschaft war. Seine Karriere ließ er beim FC Carl Zeiss Jena ausklingen. "In dieser Zeit habe ich meine Ausbildung zum Finanzberater abgeschlossen", sagt er. "Ich wollte nahtlos in den neuen Job wechseln."

Seit kurzem sitzt er in einem Glas-Pavillon an der Bundesstraße 169 in Lößnitz. Swiss Life Select steht an der Tür, das ist ein Schweizer Finanzdienstleister. Die neu eröffnete Kanzlei im ehemaligen Ducati-Motorradhaus hat zehn Mitarbeiter und wird von Jens Friedrich (37) geleitet. "Klinge" und er sind seit Jahren befreundet.

"So viel anders als auf dem Platz ist das hier auch nicht", findet René Klingbeil. "Wir arbeiten im Team, einer läuft für den anderen. So wie wir im Fußball Spielmacher und Stürmer hatten, haben wir hier Spezialisten für Krankenversicherungen oder für Finanzierungen." Jens Friedrich findet noch andere Parallelen: "Als Kapitän war René ein Sprachrohr, junge Spieler haben zu ihm aufgeschaut. Inzwischen hat er genug Erfahrung, dass ich ihm junge Kollegen zur Seite stelle. Er ist hier auch so eine Art Trainer."

Von seinem Schreibtisch bis zum Stadion des FC Lößnitz sind es bloß 200 Meter. Zurzeit ist die Mannschaft Dritte in der Landesliga. "Wir wollen unter den ersten Fünf mitmischen", so René Klingbeil. "Man darf nicht gleich Höhenflüge bekommen." Von allen seinen Lebensstationen ist es das Erzgebirge, wo er hängen geblieben ist. "Ich bin ein Berliner Jung", sagt er. "Aber hier habe ich mich vom ersten Tag an wohlgefühlt. Hier habe ich viele Freunde gefunden, meine Tochter wurde hier geboren. Hier bleibe ich."

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