Was macht eigentlich eine Hunde-Verhaltensberaterin?

Weil Sandra Peschel eine Übungswiese in Seifersdorf anlegen will, wehrt sie sich gegen Vorwürfe von Anwohnern. Und erklärt ihren Beruf.

Jahnsdorf.

Noch vor ein paar Monaten war Kiki verängstigt. Wenn man ihr zu nahe kam, senkte sie Kopf und Ohren - Zeichen von Angst. Kaum zu glauben, wenn man die junge Hündin jetzt sieht: Immer wieder springt Kiki Besuchern aufs Knie, fordert mit einem Stofftier im Maul zum Spielen auf. Und sie bellt, wenn sie zu wenig Aufmerksamkeit erhält. "Man muss jetzt aufpassen, dass sie nicht zu dominant wird", sagt Sandra Peschel.

Peschel wohnt in Chemnitz, ist 27 Jahre alt und angehende Verhaltensberaterin für Hunde. Demnächst will sie auch in Jahnsdorf arbeiten - auf einem Grundstück an der Unteren Dorfstraße im Ortsteil Seifersdorf. Ab Ende April könnte es losgehen. Vorausgesetzt, Peschel erhält die Genehmigung des Veterinäramts. Doch in der Siedlung regt sich Widerstand. Sieben Anwohnerfamilien haben einen Protestbrief verfasst und dem Gemeinderat überreicht. Sie befürchten, dass der Hundeplatz Dreck und Lärm bringt. Notfalls wollen sie auch klagen.

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Peschel betont, dass kein Hundesportplatz geplant ist. "Das ist bei den Leuten falsch angekommen." Sie spricht von einer Übungswiese. Als Verhaltensberaterin werde sie mit zwei, höchstens vier Hunden gleichzeitig arbeiten. Und das maximal vier Tage pro Woche, jeweils ein bis zwei Stunden. Dabei soll es leise zugehen, versichert Peschel.

Sie ist keine Hundetrainerin. Und auch keine Hundetherapeutin. Auf diese Unterscheidungen legt sie großen Wert. Wie Peschel vorgeht, erklärt sie am Beispiel von Kiki. Bei der Mischlingshündin ging es zunächst darum, die Bindung zum Halter zu stärken. Belohnungen spielten dabei eine wichtige Rolle. Verhielt sich Kiki entspannt in der Nähe des Halters, bekam sie was zu fressen. Später warf der Halter ab und zu einen Beutel, den Kiki apportierte. In dem Beutel war eine Belohnung, die geteilt wurde. Für Kiki hieß das: Wir haben zusammen gejagt. Als das Vertrauen gewachsen war, konnte der Halter einen Schritt weiter gehen: Den Inhalt des Beutels bekam dann nur er - Kiki ging leer aus. Die Botschaft: Der Halter steht höher in der Rudelhierarchie.

Peschel hielt sich dabei weitgehend raus. Als Beraterin gibt sie Hunden auch keine Leckerli. "Ich bin kein Rudelmitglied." Anders als Hundetherapeuten darf Peschel die Tiere nicht medizinisch behandeln. Ihre Aufgabe ist es zu beobachten und Haltern Tipps zu geben: Betteln am Tisch, Aggressivität, Streunen oder Ungehorsam - das sind einige der Schwierigkeiten, die laut Peschel durch Umlernen überwunden werden können. Während sich Peschel vor allem um Problemhunde kümmert, ist ein Hundetrainer auch für "normale" Hunde zuständig, bringt ihnen etwa Kommandos wie "Sitz" und "Platz" bei - also erwünschte Verhaltensweisen.

Verhaltensberater wie Peschel sind in der Region noch relativ selten. Wie hoch die Anzahl genau ist, lässt sich schwer sagen. Denn das Veterinäramt listet auch Hundetherapeuten und -berater als Hundetrainer. 27 sind es derzeit. Laut der Schweizer Akademie für Tierheilkunde (ATN), wo sich auch viele Deutsche ausbilden lassen, ist der Beratungsbedarf bei Hundehaltern in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Die meisten Hundeschulen gebe es in Nordrhein-Westfalen. In Sachsen und Brandenburg sei die Dichte am geringsten.

Was den Konflikt in Seifersdorf angeht, so ist Bürgermeister Albrecht Spindler der Meinung, dass das Landratsamt den Fall prüfen müsse. Die Gemeinde sei nicht verantwortlich. Ein Sprecher des Landratsamtes sagte gestern: "Da uns zu diesem Vorgang keine Anfrage der Gemeindeverwaltung vorliegt, können wir hierzu nichts ausführen."

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