Wechselspiel von Kopf und Bauch im Fokus

Bei der Auftaktveranstaltung einer Vortragsreihe nahm die Referentin die Besucher mit ins Innerste des Menschen. Einer ihrer Ratschläge: Zeit fürs Essen nehmen.

Stollberg.

Solange das Nervensystem aktiv der Chef ist, macht das Verdauungssystem nicht mit, erklärte Heike Erhardt am Montagabend im "Dürer". Denn beim Signal "Angriff und Flucht" könne der Körper nicht auch noch essen und verdauen. "Die Botschaft für die heutige Zeit: Zu den Mahlzeiten hinsetzen, nicht tausend Dinge nebenbei tun - und damit dem Körper signalisieren, jetzt ist Verdauung", erklärte die Physiotherapeutin und Heilpraktikerin mit Praxis für ganzheitliche Medizin und Naturheilverfahren in Stollberg. Das Thema des Abends: "Darm mit Charme". Es war die Auftaktveranstaltung einer Vortragsreihe im Rahmen der städtischen Kampagne für Gesundheit, Bildung und Familie. Mit rund 90 Zuhörern war der große Saal des Begegnungszentrums sehr gut besucht.

"Der Bauch hat einen größeren Einfluss auf unser Leben, als es sich viele Menschen vorstellen können", sagte Heike Erhardt. So seien die Sprichwörter wie "zu Potte kommen", "Niederlagen verdauen müssen", "es stößt uns sauer auf" oder "es kommt uns die Galle hoch" nicht nur Floskeln, sondern über Jahrhunderte überlieferte Erfahrungen, die den Zusammenhang zwischen Nervensystem und Bauch belegen.

In für medizinische Laien verständlicher Form stellte Heike Erhardt mit dem Verdauungssystem einen Teil des Innersten des Menschen vor. Textpassagen aus dem Buch von Giulia Enders "Darm mit Charme" bereicherten den 60-minütigen, kurzweiligen Vortrag.

Dabei erfuhren die Besucher interessante Fakten. Der Darm hätte ausgebreitet die Größe eines Tennisplatzes, in dem schlauchartigen Organ befinden sich 1,5 Kilogramm Bakterien, das sind zehnmal mehr, als der Mensch Zellen hat. Und diese Darmbakterien haben großen Einfluss auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Menschen. So können die Winzlinge das Körpergewicht und den Cholesterinspiegel beeinflussen. "Bei Immunschwäche, Migräne, Schlafstörungen, Depressionen oder Hautkrankheiten denken Betroffene nicht sofort daran, das ihre Beschwerden Auswirkungen einer gestörten Darmflora sein können", sagt Heike Erhardt.

"Wenn das Immunsystem einen an der Klatsche hat." So beschreibt die Heilpraktikerin salopp die Volkskrankheit Allergie, die immer ein Problem des Immunsystems bedeutet. 80 Prozent dieses komplexen Systems befinden sich im Darm.

Für eine gute Darmgesundheit gab die Fachfrau den Besuchern ein paar Ratschläge mit auf den Weg: Alle fünf Stunden etwas essen, dabei wenig Zucker und ballaststoffreiche Nahrung bevorzugen. Antibiotika nur, wenn unbedingt nötig, einnehmen, weil die Medizin einen negativen Einfluss auf die Darmflora haben soll. Darum vorsichtshalber auch Fleisch von mit Antibiotika behandelten Tieren meiden. Zudem sollte man sich ausreichend Zeit für einen regelmäßigen Gang zum "stillen Örtchen" nehmen. Und auch "auf sein Bauchgefühl" zu hören, sei wichtig.

Der nächste Vortrag am 3. November, 19 Uhr steht unter dem Titel: "Verbissen durchs Leben".

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