Weitgereiste Truhe gibt Lebensdaten preis

Bis Ende des Jahres ist das Bergbaumuseum Oelsnitz einer der Standorte der 4. Sächsischen Landesausstellung. Bis dahin stellt "Freie Presse" jeden Monat ein Exponat vor, das jeweils stellvertretend für einen Ausstellungsbereich der Sonderschau "KohleBoom" steht. Im Oktober ist es eine Truhe.

Oelsnitz.

Das Objekt des Monats Oktober ist eine Holztruhe, die das Museumsexponat mit einem der weitesten Transportwege ist: Sie stammt aus dem rund 400 Kilometer entfernten Schorndorf (Baden-Württemberg). Der dort lebende Tilman Steinmeyer hat sie dem Bergbaumuseum als Dauerleihgabe unter anderem für den Schauplatz "KohleBoom" der 4. Sächsischen Landesausstellung zur Verfügung gestellt, erklärt Museumsmitarbeiterin Lea Ringel. "Die Truhe war vermutlich ein Geschenk an den damaligen Leiter der Gewerkschaft Gottes Segen in Oelsnitz, Eugen Steinmeyer", erklärt sie. Der wiederum sei der Großvater des jetzigen Besitzers.

Die Truhe ist mit verschiedenen Elementen des Bergbaus, beispielsweise verschiedenen Grubenlampen, bemalt und mit zwei Sprüchen versehen. "Es grüne die Tanne (,) es wachse das Erz (,) Gott schenke uns allen ein fröhliches Herz" sowie "An Gottes Segen ist alles gelegen".

Auf der der Truhe wurden offensichtlich Teile von Eugen Steinmeyers Lebenslaufs verewigt: So stehen auf der Oberseite der Truhe links seine Initialen EST. Eugen Steinmeyer wurde 1884 in Brenz, Kreis Heidenheim in Württemberg geboren und zog für sein Studium nach Freiberg. Den Umzug aus seiner Heimat ins Erzgebirge signalisieren vermutlich das ebenfalls auf dem Deckel abgebildete württembergische Wappen mit der Unterschrift "furchtlos und treu!" sowie eine Fichte und vier kleine Kristalle, erklärt Ringel. Das Datum über dem Wappen (12.10.1903), weise sehr wahrscheinlich auf Steinmeyers Studium an der Bergakademie Freiberg hin, die dieser ab Oktober 1903 besuchte.

Die Bemalung der Truhe verrät aber laut Lea Ringel noch mehr: Die ebenfalls auf dem Deckel abgebildete Jahreszahl 1934 und der Buchstabe B geben vermutlich Auskunft über den Anlass des Geschenks und den Hersteller. Der Buchstabe steht wohl für Paul Beckert. Dieser war in den 1920er- und 1930er-Jahren Hausarchitekt der Gewerkschaft Gottes Segen. "Er soll die Truhe bemalt und Eugen Steinmeyer zu dessen 50. Geburtstag im Jahr 1934 überreicht haben." Denn die Familien Steinmeyer und Beckert seien laut Eugen Steinmeyers Sohn freundschaftlich miteinander verbunden gewesen.

Aktuell kann die Truhe im ehemaligen Maschinenhaus besichtigt werden, in dessen Kellergeschoss die Geschichte des Kaiserin-Augusta-Schachtes - später Karl-Liebknecht-Schacht - dargestellt ist. Dieser bestand seit 1869 und wurde in den 1930er-Jahren erweitert. Paul Beckert war unter anderem als Architekt für das Kesselhaus, das Maschinenhaus und das Knappschaftshaus tätig. Der Schacht wurde 1971 geschlossen, seit 1986 beherbergt der Großteil der ehemaligen Anlage das Bergbaumuseum. Dessen Geschichte und Entwicklung wurden im Zuge der Ausstellungsvorbereitung neu erforscht und werden erstmals präsentiert.

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