Wie ein Rechtsextremist auf ein CDU-Wahlplakat kam

Thomas Witte aus Niederdorf schafft es in eine Kampagne, die die Unterstützung für den Ministerpräsidenten zeigen soll. Die sächsische Union will alles versucht haben, um das zu verhindern.

Niederdorf/Dresden.

Vor einer Wand aus 1000 Köpfen steht der sächsische Ministerpräsident. Dazu der Schriftzug: "Gemeinsam. Mit Michael Kretschmer. Für Sachsen". So klingt der Wahlkampf der sächsischen CDU. Auf einen dieser Köpfe hätte Michael Kretschmer aber sicher gern verzichtet: Thomas Witte, Chef der Heimattreue Niederdorf. Diese hatte sich 2015 aus Protest gegen die Asylpolitik der Bundesregierung und die Einrichtung eines Flüchtlingsheims in Niederdorf formiert und später als Verein unter anderem zur "Förderung der Heimatpflege" gegründet. Thomas Witte wird vom sächsischen Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft.

Lediglich eine E-Mail-Adresse und ein Foto waren nötig, um sich an dieser Kampagne der sächsischen CDU zu beteiligen. Dafür hatte die Partei im sozialen Netzwerk Facebook und über E-Mail-Verteiler kräftig für das "Team Kretschmer" geworben. Während die Union die E-Mail-Adresse von Thomas Witte bei der Heimattreue blockierte und aus den Verteilern entfernte, fiel seine private Mail-Adresse in der Parteizentrale in Dresden niemandem auf. So landete er schließlich unter den 1000 Köpfen. Auf den großformatigen Plakaten, die sachsenweit in vielen Städten hängen, ist Thomas Witte zwar durch den Schriftzug verdeckt. Auf der Facebook-Seite des "Team Kretschmer" war sein Profilbild dagegen über Wochen hinwegzusehen: Dort lief ein rund 30-sekündiges Titelvideo in einer Endlosschleife.


Der sächsischen CDU ist der Vorfall offensichtlich ziemlich unangenehm. Sie bemüht sich um Schadensbegrenzung. "Es versteht sich von selbst, dass wir uns als sächsische Union von Herrn Witte, dem von ihm vertretenen Gedankengut und den Aktivitäten seines Vereins 'Heimattreue Niederdorf' distanzieren", betont Generalsekretär Alexander Dierks. "Wäre das Bild Herrn Wittes rechtzeitig erkannt worden, hätte es selbstverständlich nicht Eingang in das Plakat gefunden." Die Plakate seien layoutet und auf riesiger Fläche gedruckt worden. Online spricht die Union von einer aufwendigen Programmierung, wodurch es etwas Zeit gebraucht habe, das Bild von Thomas Witte zu entfernen.

Jedoch weiß die Partei mindestens seit knapp zwei Wochen, dass Witte in dem Video auf der Facebook-Seite vom "Team Kretschmer" zu sehen ist. Keine halbe Stunde nach der Anfrage durch "Freie Presse" am gestrigen Freitagvormittag war es aus dem Netz verschwunden.

Bewertung des Artikels: Ø 2.5 Sterne bei 4 Bewertungen
10Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 6
    0
    Malleo
    03.08.2019

    distel..
    Natürlich MP Kretschmer.
    Ich bitte den Lapsus Linguae zu entschuldigen!

  • 7
    1
    Nixnuzz
    03.08.2019

    @Distelchen: Ich! grins - 1 grüner...

  • 2
    9
    Distelblüte
    03.08.2019

    Ich weiß nicht, wer Herr Kretzschmar ist, Malleo, aber MP Kretschmer hat sich stets deutlich von der AfD und der NPD abgegrenzt, aus gutem Grund.
    Der Niederdorfer Rechtsextremist hat trickreich versucht, ihm zu schaden.
    Bemerkenswert, wer sich so alles darüber freut.

  • 2
    1
    Tauchsieder
    03.08.2019

    Übrigens "Hinter......", es geht besser.
    - Wer den Schaden hat spottet jeder Beschreibung -.

  • 3
    2
    Tauchsieder
    03.08.2019

    Wer sich selbst auf den Arm nimmt, erspart anderen die Arbeit.
    Ein Lügner vor dem Volk, oder ?
    Wie war doch Rotschopfs Aussage: Es gibt keine Zusammenarbeit mit der AfD und Rechtsradikalen. Mache sich jeder selbst ein Bild.

  • 3
    5
    Nixnuzz
    03.08.2019

    Welch eine Problematik! Schätze das an einer Briefmarke mehr Zähnchen zum Zählen dransind..

  • 15
    1
    Hinterfragt
    03.08.2019

    Ich find's lustig.

    Wer den Schaden hat braucht für den Spott nicht sorgen...

  • 14
    2
    Malleo
    03.08.2019

    So schüttet man Gräben zu.....,Herr Kretzschmar
    Ich nenne es Ausgrenzungskultur.

  • 20
    4
    Lesemuffel
    03.08.2019

    Schadensbegrentung? Welcher Schaden ist entstanden? Im Interview mit Focus-Online wollte Kretzschmer, wenn er könnte, jedem Sachsen die Hand schütteln, mit ihm reden, verstehen lernen.. Leere Worthülsen! Da er jegliche Zusammenarbeit mit der AfD ausschließt, könnte er es allerdings schaffen, indem er die Ausgrenzung und Diffamierung von Millionen WählerInnen und Wählern fortsetzt "... die Tonalität der AfD erinnere ihn an die NPD..." Diese plumpen Bemerkungen treiben eher die Leute von der CDU weg. Warum sollte man eine Partei wählen, die eine andere, demokratische Partei über alle Kanäle von morgens bis abends diffamiert? Die Zustände, die zum Erstarken der AfD führten, haben doch CDU ua. Selbst und keine andere herbeigeführt.

  • 7
    15
    Distelblüte
    03.08.2019

    Peinlich und ärgerlich.



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