Zeitreise durch ein langes Musikerleben

Jörg Decker ist den meisten Lugauern vor allem als Musikschulchef bekannt. Doch sein Leben mit der Musik hat viele Facetten: von Blues und Rock bis hin zu Kinderliedern. Angefangen jedoch hat alles mit einer anderen Musikrichtung.

Lugau.

Was ist Leuten zu empfehlen, die das Großstadtleben, das Pendlerdasein von Ort zu Ort, die ständige Präsenz satt haben? Jörg Decker, der am Samstag in die Villa Facius zum Konzert geladen hatte, gab mit einem Song augenzwinkernd die überraschende Antwort: "Und dann zieh ich nach Lugau, diese geile Stadt..." - wo man auf dem Radweg nach Ursprung Joggen gehen, im Schrebergarten das schöne Leben genießen und im Paletti-Park Leute treffen kann. Und natürlich noch vieles mehr. Bei der witzigen Hommage auf die "Superhalligalli-Stadt" klatschte selbst Bürgermeister Thomas Weikert amüsiert mit.

Doch Decker machte nicht nur Zukunftsmusik (für die Stadt), vielmehr nahm der Musikschulchef sein 50-köpfiges Publikum auf eine kurzweilige Zeitreise in die eigene Vergangenheit mit. Es wurde ein Querschnitt durch viele Musikrichtungen, wodurch wohl jeder im altersmäßig durchmischten Publikum auf seine Kosten gekommen sein dürfte. "Es war wunderbar", so Rentnerin Hannelore Daniger, die ihn schon Jahrzehnte kennt, aber erstmals bei einem Konzert erlebte.

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Schon mit sechs lernte er Klavier, mit Zwölf bekam er von Vater Harry, Mitglied im damals rund um Lugau bekannten Edelweiß-Quintett, eine Gitarre geschenkt. Sein erstes Lied auf der Klampfe - ausgerechnet ein Schlager: "Der Junge mit der Mundharmonika". "Nicht etwa, weil mir das besonders gefiel. Damals musste man nehmen, was es an Noten gab. Einfach sein Lieblingslied runterladen, wie heute, war damals nicht möglich", erläuterte er. Später setzte er seinen eigenen Kopf und Musikgeschmack durch, spielte Blues und Rock, gründete eigene Bands, wie etwa Meilenstein. Diese Band wurde laut Decker zu DDR-Zeiten sogar verboten. Viele Lieder aus dieser Zeit ließ er am Samstagabend mit Gitarre, Piano und Mundharmonika erklingen: Eigene, aber auch internationale Hits etwa von John Lennon und David Bowies "Helden", meist in eigenen Versionen oder mit deutscher Übersetzung.

Aber auch beruflich machte er sein eigenes Ding, startete zwar ganz solide mit einer Werkzeugmacherlehre, hängte aber später ein Studium am Musikkonservatorium in Zwickau ran. Und legte damit als ausgebildeter Musiklehrer den Grundstock für seine Musikschule. "Die feiert in diesem Jahr ihr 30-Jähriges", so der 59-Jährige stolz. Nicht mehr davon wegzudenken, das Karolini-Mitmachtheater. Gemeinsam mit seiner Frau Karola hat er dafür komponiert und gedichtet, Kostüme genäht und Kulissen gebastelt. Und damit bei bislang gut 5000 Auftritten weit über Lugau und Sachsen hinaus Kinder erfreut. Auch die Gäste des Abends hatten damit sichtlich Spaß: Sie sangen nicht nur mit, sondern stimmten mit Trommel, Tamburin und Schütteleiern in Kinderlieder ein. Ein weiterer Höhepunkt des Abends war zweifelsohne der Auftritt von Udo Lindenberg - den Jörg Decker seit einigen Jahren in seinen Shows doubelt.

Dass das Konzert letztlich auch durch die Zugaben drei, statt zwei Stunden dauerte, nahm sichtbar keiner übel. Nur eine Dame musste pünktlich weg - weil sie "ein Date" habe. Und Bürgermeister Weikert meinte zum Schluss, dass es von dem Konzert jedes Jahr eine Neuauflage geben sollte. Gern dann auch im Saal des Bahnhofsgebäudes, das gerade umgebaut wird. Und vielleicht kommt dadurch sogar noch mehr Geld rein: für einen guten Zweck. Denn Deckers spenden einen Teil der Einnahmen von Samstag für die Unwetteropfer in Mosambik.

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