Zocken bis zum Umfallen: Schüler verarbeiten Sucht-Thema

Eine Arbeitsgruppe der Internationalen Oberschule in Niederwürschnitz hat mit ihrem ersten Kurzfilm beim Chemnitzer Filmfestival Schlingel abgeräumt. Das Stück dreht sich um Computerspiele - und hat eine Botschaft.

Niederwürschnitz.

Als der Junge das Klassenzimmer betritt, steht da ein qualmender Laptop auf dem Tisch. Der Junge, gespielt von Carlos Clauß, setzt sich vor den Bildschirm. "Komm her, komm nur her", sagt plötzlich eine Stimme aus dem Laptop. Auf dem Bildschirm erscheint eine merkwürdige Figur mit grünem Helm und Zahnspange. Sie sagt: "Willst du ein Spiel mit mir spielen?" Der Junge kann nicht widerstehen, er fängt an zu zocken, ist aber schnell frustriert. "Willst du gewinnen? Willst du immer gewinnen?", wird er gefragt. "Dann spring einfach durch das Whiteboard." Der Junge schnappt sich einen Stuhl, steigt auf und verschwindet in der interaktiven Tafel.

So nimmt das Drama im Kurzfilm "Level 10" seinen Lauf. Produziert wurde er von Schülern der Internationalen Oberschule in Niederwürschnitz, sechs Jungen, die damals in den Jahrgangsstufen 5, 7 und 8 waren. Ein Schuljahr lang tüftelten sie an dem Stück. Am vergangenen Wochenende, beim Schlingel-Filmfestival in Chemnitz, haben sie "Level 10" präsentiert - und den ersten Platz in der Kategorie "Made by You" belegt, in der Altersklasse Young-Stars.

Außer "Level 10" waren rund 30 Filme eingereicht worden. Bis zum 31. August konnten Nutzer auf der Schlingel-Homepage mit Klicks abstimmen. Die Niederwürschnitzer motivierten Lehrer, Schüler und Freunde, ihre Stimmen abzugeben. So kam der Film durch die Vorauswahl. Beim Festival urteilte dann eine Jury aus erfahrenen Schauspielern und Regisseuren über die Finalisten.

"Ich fand den Film super", sagt Grit Vogel, die stellvertretende Schulleiterin. Sie war bei der Aufführung dabei und fieberte mit, ehe sich die Jury für den Film entschied. Laut Vogel haben die meisten Teilnehmer animierte Filme präsentiert, die kaum länger als 30 Sekunden waren. Der Kurzfilm der Niederwürschnitzer dauert dagegen mehr als fünf Minuten und enthält viele reale Elemente. "Er war mit Abstand der beste Film", sagt Vogel. "Wir sind stolz auf die Jungs." Einer der sechs Produzenten ist Henry Faust. Der 14-Jährige hatte eine Rolle im Film, war als Regisseur tätig und hat beim Schnitt geholfen. "Das war schon immer meine große Leidenschaft: Filme und Videos bearbeiten", erzählt er.

Nachdem der Held in das Computerspiel eingetaucht ist, wechseln die Filmbilder in eine Art Comicmodus - einer von mehreren überraschenden Effekten des Stücks. Ein Freund kommt mit in die virtuelle Welt, und beide geraten in die Fänge eines Freaks, der sie zum Computerspielen zwingt. Sie zocken und zocken und zocken, bis sie keine Lust mehr haben. Aber der Freak will sie nicht gehen lassen, bevor sie Level 10 erreicht haben.

Beim Dreh wurden die Jungen von Lutz Schwind unterstütz. Er leitete die Arbeitsgruppe der Filmwerkstatt. Die Idee, einen Kurzfilm über Computerspiele zu machen, hätten die Jungen selbst entwickelt. Schwind war jedoch wichtig, dass die Produktion auch "Lehrcharakter" hat, sprich eine Moral, die Henry Faust erläutert: "Computerspielen ist schön. Aber man darf es nicht übertreiben."

Als Preis haben die Schüler einen 100-Euro Gutschein erhalten. Das Geld wollen sie in neues Equipment investieren. Noch ist zwar kein zweites Projekt geplant. Aber Henry Faust sagt, er könnte sich durchaus vorstellen, einen weiteren Film zu drehen.

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