Zum Wochenende: Butter bei die Fische

Fünf Jahre hat der Schlachthof in Stollberg nun schon auf dem Buckel. Richtig etabliert hat er sich als Veranstaltungsstätte bisher nicht - Corona hin, Corona her. Vielmehr fehlt dem Haus eine klar definierte Konzeption und damit eine feste Hauptzielgruppe. Das macht es schwierig, sich im Bewusstsein der Menschen fest zu verankern. Aktuell würde wohl kaum jemand bei der Freizeitplanung sagen: "Schauen wir einfach mal im Schlachthof vorbei." Diesen Effekt braucht es aber, um als Club oder Veranstaltungsort durchstarten zu können.

Dabei sind die grundsätzlichen Voraussetzungen gut. In der Nähe des Citybahnhaltes ist eine weitgehend barrierefreie Veranstaltungsstätte mit vielen charmanten Bezügen zur vormaligen Nutzung als Schlachthof entstanden. Rund 1,8 Millionen Euro - der Löwenanteil davon als Fördergeld - und nach eigenen Angaben 6500 ehrenamtliche Arbeitsstunden sind im Vorfeld in den Umbau geflossen. Und es gibt sogar noch Gebäudeteile, die entwickelt werden können. Stichwort "Cocktailbar im Turm". Ideen darüber hinaus gibt es genügend. Nur nicht die Mittel für eine schnelle Umsetzung.

Neben dem nötigen Kleingeld fehlt es auch an Mitstreitern, etwa um einen regelmäßigen Barbetrieb - wenigstens für ein paar Stunden am Tag - absichern zu können. Ein solcher würde enorm helfen, um den Schlachthof auch als Treffpunkt zu etablieren. So allerdings liegt die an sich attraktive Location weitgehend brach. Die paar Termine im Veranstaltungskalender können darüber nicht hinwegtäuschen.

Es deutet wenig darauf hin, dass der Schlachthofverein allein die Initialzündung noch wird bewerkstelligen können. Umso mehr sind andere Akteure gefragt. Hier darf sich auch das Rathaus angesprochen fühlen. Der Umbau des Objektes war viel zu teuer und das ehrenamtliche Engagement zu groß, um es als reinen Mietsaal im städtischen Portfolio zu führen. Zudem hat das Haus viel zu viel Potenzial, um nur ab und an mal für Veranstaltungen genutzt zu werden. Ein guter Start für eine lebendigere Zukunft wäre es, endlich zu klären, wen der Schlachthof eigentlich ansprechen möchte: Jugendliche im weiteren Sinne oder jung(geblieben)e Erwerbstätige? Der Startbonus allerdings ist nach fünf Jahren verspielt. Das Haus jetzt noch zu etablieren, wird harte Arbeit.

00 Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.