Zum Wochenende: Gottes Sägen

Sägen haben keinen guten Ruf. Kreissägen, Handsägen, Nervensägen - egal in welcher Form, sie erinnern uns in erster Linie ans Kaputtmachen, Zerkleinern und Trennen. Wer im Schlaf sägt, zerfetzt den Schlaf seiner Bettgenossen. Sägen sind die Attila Hildmanns unter den Werkzeugen. Richtig eingesetzt, können sie durchaus einen Nutzen entfalten. Aber ein dummer Ausrutscher genügt, und die stumpfe, brutale Seite kommt zum Vorschein. Ein Schicksal, dass fast alle Sägen irgendwann ereilt. Außer Gottes Segen, äh, Sägen vielleicht.

Eines dieser himmlischen Exemplare scheint nun in Mitteldorf eine Rolle gespielt zu haben. Denn ausnahmsweise führte die Säge nicht zur Trennung, sondern zur Versöhnung. Wolf und Schaf, Dieb und Bestohlener fanden auf verschlungenen Wegen zu einem friedlichen Miteinander. Das ging so: Bei einem Arbeitseinsatz im Februar 2019 wurde eine Kettensäge in Mitteldorf geklaut. Der Betroffene meldete den Fall der Polizei, die Beamten ermittelten, und nach ein paar Monaten ergebnisloser Recherche wurde das Verfahren eingestellt. Bald dachte niemand mehr an die Säge.

Doch dann, gut ein Jahr später, die große Überraschung: Eines Morgens lag die Kettensäge wieder an der Stelle, wo man sie vor dem Verschwinden abgelegt hatte. Eine Nachbarin will gehört haben, wie am Abend zuvor ein Auto herangefahren war, kurz hielt und wieder wegfuhr. Der Bestohlene konnte sein Glück kaum fassen. Gerade zu biblisch ist der Umstand, dass es sich um eine kaputte und beschädigte Seele, äh, Säge handelte. Eine Geschichte, die man so nur in alten Schriften und Zeitungen findet.


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