Zwei Kabelfehler: 3300 Menschen hatten gestern keinen Strom

Betroffen waren - teils bis in den Vormittag - große Teile von Thalheim, Meinersdorf und Gornsdorf. Doch was macht beispielsweise eine siebenköpfige Familie im Finstern, wenn früh ohne Licht und warmes Wasser alles wie am Schnürchen klappen muss? Oder ein Supermarkt?

Thalheim.

Fünf Kinder am frühen Morgen - vier davon müssen in die Schule. Und der Dreijährige in die Kita. Für Heiko und Dana Baumann aus Thalheim immer wieder eine Herausforderung. Denn da muss alles wie ein Uhrwerk ablaufen - jeder Handgriff sitzen. Damit sich die Großfamilie nicht auf 80 Quadratmetern Wohnfläche - noch halb verschlafen - ins Gehege kommt. Wer also zieht sich gerade wo an, wer ist gerade im Bad, wer packt gerade das Frühstück ein? 6.15 Uhr geht das Gewusel los - da ist immer Wecken bei den Baumanns.

Doch am gestrigen Montagmorgen war alles anders. Wenige Minuten nach dem Aufstehen ging das Licht aus. Der Strom war weg. "Es war gespenstig, wir waren wie blind. Denn draußen war ja auch kein Licht mehr", sagt Dana Baumann. Sie stand gerade im Kinderzimmer, tastete sich zurück ins Wohnzimmer und fand dann zum Glück ein Feuerzeug, machte eine Kerze an. Es war wieder Licht. Naja, ein bisschen zumindest.

"Für die Kinder war das alles sehr neu. Die beiden Kleinsten hatten etwas Angst", sagt Dana Baumann. Die größeren Jungs hatte dagegen kurz die Hoffnung, dass es wegen des Stromausfalls vielleicht keine Schule gibt - grinst die Mutter.

Die Familie gehörte gestern zu den 3300 Kunden in Thalheim, Meinersdorf und Gornsdorf, die ab 6.20 Uhr keinen Strom in der Wohnung hatten. "Auslöser waren zwei Fehler im Mittelspannungsnetz in Thalheim, im Bereich Anton-Günther-Straße und Stadtbadstraße", sagt Envia-Sprecherin Evelyn Zaruba. Die genaue Ursache für die Kabelfehler sei derzeit noch unbekannt.

"Durch Umschalten auf andere Leitungen konnte der Großteil der Kunden zumindest gegen 7.15 Uhr wieder versorgt werden. Rund 250 Kunden waren aber bis etwa 11.40 Uhr noch ohne Strom", so Zaruba weiter. Zum Einsatz kamen zwei Netzersatzanlagen, die die Stromversorgung dieser 250 Kunden zwar gewährleisteten. Dann konnte mit den Reparaturen begonnen werden. Zaruba: "Beim Ablösen der Netzersatzanlagen und der Anbindung ans Netz war es dann nochmal kurzzeitig zu einer Stromunterbrechung bei den besagten 250 Kunden gekommen."

Ingrid Niedergesäss ist seit 22 Jahren Supermarktchefin. Ihr Edeka-Geschäft ist nur wenige 100 Meter weg von der Thalheimer Wohnung der Baumanns. "Wir hatten gestern in den Morgenstunden sehr viel Ware bekommen, wie oft zum Montag. Wir waren gerade am Einräumen, als plötzlich alles finster war. Wir tappten wirklich im Dunkeln. Es gab auch Geschrei in der Halle." Mit Teelichtern haben sich die Mitarbeiter ein wenig Licht verschafft. Zum Glück war der Strom für den Laden wenigstens nur eine Stunde weg. So ab vier Stunden Ausfall hätte sie die ganze leichte Kühlware dagegen entsorgen müssen. Niedergesäss: "Zum Glück kam es nicht dazu."

Auch die Baumanns haben den Morgen letztlich gut überstanden. Zwar mussten sich die Kinder teils mit kaltem Wasser waschen - und zwar "ganz schell und husch husch", wie Dana Baumann sagt. Aber die ganze Familie kam schließlich pünktlich aus dem Haus. Die achtjährige Lilly hat aber ihren mit Batterien betriebenen kleinen Leucht-Pinguin mitgenommen. Sicher ist sicher.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...