24-Jährige übernimmt Museumsleitung

Die städtische Einrichtung in Schloss Schwarzenberg ist schon seit Jahrzehnten in Frauenhand. Die bisher letzten Chefinnen waren beim Amtsantritt 27 und 31 Jahre jung. Das alte Gemäuer schreckt nicht ab: Nun hat dort eine noch jüngere Frau das Sagen.

Schwarzenberg.

Sie traut sich das zu. Obwohl sie erst 24 Jahre alt ist. Die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung trauen ihr das ebenfalls zu. Weil die junge Frau schon 2018 bei ihrer Vorstellung im Kulturbeirat einen guten Eindruck hinterlassen hatte. Damals landete sie im Ranking der Bewerber für die ausgeschriebene Leitung des städtischen Museums Perla Castrum auf Rang 2. Zwischenzeitlich gab es Handlungsbedarf. Und im Ergebnis leitet jetzt Nicole Barnitzke die Einrichtung im Schwarzenberger Schloss.

"Ich freue mich sehr auf diese Arbeit in meiner Heimat. Die Aufgaben sind breit gefächert. Deshalb ist es gut, auf ein erfahrenes Team bauen zu können", sagt die junge Frau, die quasi eine Rückkehrerin ist. Nicole Barnitzke kommt aus Schwarzenberg, hat Kindheit und Jugend dort verbracht. Nach dem Mittelschulabschluss in Lauter besuchte sie das Berufliche Schulzentrum für Wirtschaft und Sozialwesen in Schwarzenberg und ging dann 2015 zum Public-Management-Studium an die Berufsakademie Bautzen. Ihre Bachelorarbeit beschäftigte sich mit Ausbildungsmarketing als besonderer Form des Personalmarketings. Praxispartner war für drei Jahre die Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH mit Sitz in Dresden, bei der sie anschließend ein Jahr arbeitete und weitere Erfahrungen sammelte.

"In den ersten Wochen bei uns haben wir Nicole Barnitzke als dynamisch und ideenreich erlebt, als jemand, der sich mit Energie in die Vielfalt des Aufgabenspektrums einarbeitet und sehr strukturiert zu Werke geht. Sie hatte einen guten Einstand", sagt Sylvia Mack, die im Rathaus das Hauptamt leitet.

Dass eine Frau im Schwarzenberger Museum das Sagen hat, ist nichts Besonderes. Nachdem sich mit Marlies Steinau nach drei Jahrzehnten eine Institution in den Vorruhestand verabschiedet hatte, kam Mitte 2013 die 27-jährige Josefine Hoske zum Zug. In ihre Zeit fielen das Umgestalten und Neuprofilieren des Museums, ebenso das Vorbereiten und Einrichten des Depots Bahnhof Nr. 5. Auf Hoske, die 2018 ihren Lebensmittelpunkt nach Unterfranken verlegte, folgte Anfang 2019 Nadine Bandemer, zu der Zeit 31 Jahre alt. Wenige Wochen später konnte sie im Zusammenhang mit Mutterschutz und Elternzeit ihren Dienst nicht mehr verrichten. Voraussichtlich Ende 2021 ist sie zurück.

Bis dahin gestaltet Nicole Barnitzke als jüngste Leiterin in der Geschichte des Schwarzenberger Museums die Geschicke der Einrichtung, geht das "mit Freude und Begeisterung" an. Sammeln, Bewahren und Forschen als Grundlagen für das Ausstellen und Vermitteln sind im Museum ein Aufgabenmix. Da wartet neben der Dauerausstellung im Schloss und den monatlichen Öffnungstagen im Depot eine Menge Arbeit. Zum Beispiel beim Vorbereiten von Sonderausstellungen, so zum Thema "Unbesetzt - 75 Jahre Kriegsende" und in Würdigung des Schwarzenberger Formgestalters, Bildhauers und Kunstprofessors Hans Brockhage, der in diesem Jahr seinen 95. Geburtstag gefeiert hätte. Ideen zum weitere Beleben des Herrenhofes in Erla sind ebenso gefragt.


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