Abschied nach zehn Jahren: Tschüss, Herr Pfarrer!

Der Mildenauer Pfarrer Martin Gröschel wird die Gemeinde verlassen. Gern wäre der 39-Jährige länger geblieben - so, wie viele seiner Vorgänger es taten. Doch manchmal kommt es eben anders. Im Kirchenbezirk Marienberg erwartet ihn nun eine ganz neue Aufgabe.

Marienberg/Mildenau.

Als Martin Gröschel zum ersten Mal um die Mildenauer Kirche ging, war er von ihrer Größe und Schönheit überwältigt. Zu diesem Zeitpunkt stand noch gar nicht sicher fest, dass er die Pfarrstelle der Kirchgemeinde Mildenau und Streckewalde tatsächlich erhalten würde. Doch schon die Vorstellung, darin eine Predigt zu halten, flößte ihm damals Respekt ein. Nur mit Gott an seiner Seite, so erzählt er zehn Jahre später, habe er sich das zugetraut. In den vergangenen Jahren feierte er viele Gottesdienste, hielt viele Predigten darin. 180 Beerdigungen und 110 Taufen hat er unter anderem gezählt. Nun wird sich dieses Kapitel aber wieder schließen. Martin Gröschel wird bald nicht mehr der Mildenauer Pfarrer sein. Nach einem Jahrzehnt wechselt er die Stelle.

Der Plan sah eigentlich anders aus. Martin Gröschel und seine Frau wollten ursprünglich so lange in Mildenau bleiben, bis die drei Kinder - der Pfarrer hat drei Töchter im Alter zwischen 7 und 13 Jahren - groß sind. Doch aus gesundheitlichen Gründen möchte und muss Martin Gröschel etwas kürzertreten. Statt einer vollen Pfarrstelle wird er künftig im benachbarten Kirchenbezirk Marienberg die Position als Missionarischer Pfarrer übernehmen. Eine neue Stelle, die aus einem Projekt heraus gewachsen ist. Es gehe dabei um die Begleitung der Steuerungsgruppen verschiedener Kirchgemeinden und die Frage, wie Kirche vor Ort nach außen wirken kann. Schließlich beinhalte das Wort Mission vor allem die Sendung von Gott an die Welt. Ergänzt wird diese halbe Stelle mit der Position eines Diakoniepfarrers. Für Mitarbeiter wird er dabei unter anderem Einführungskurse geben, auch Seelsorge spielt eine Rolle.

Martin Gröschel ist der 26. Pfarrer der Mildenauer Gemeinde seit der Reformation - also in mehr als 500 Jahren. Im Schnitt blieben die Pfarrer damit knapp 20 Jahre, einige sogar deutlich länger. Und auch Gröschel wollte mindestens 15 oder auch 20 Jahre bleiben. "Für den Gemeindeaufbau ist es gut, wenn man länger da ist", sagt der 39-Jährige. Doch nicht immer läuft alles nach Plan. "Uns fällt der Abschied sehr schwer. Ich liebe diese Gemeinde." Es sei immer ein Mit- und Füreinander gewesen. Er habe auch ein etwas schlechtes Gewissen, weil im Kirchenbezirk schon jetzt einige Pfarrstellen unbesetzt sind, nun kommt eine weitere hinzu. Aber es ist nun einmal wie es ist und Martin Gröschel weiß auch, dass es seine Gemeinde schon wuppen wird. Er spricht von dem tollen Kirchenvorstand und Mitarbeitern, von den vielen ehrenamtlichen Helfern. Pfarrer Tobias Frauenlob habe die offizielle Vertretung inne.

Zehn Jahre sind dennoch eine lange Zeit und Mildenau war seine erste Pfarrstelle. Er sei mit ihr und seinen Aufgaben gewachsen. "Mittlerweile werde ich auch nicht mehr für einen Zeitungsjungen gehalten", sagt er und lacht. Das sei ihm am Anfang passiert. Mit dem Rad fuhr er zu einem älteren Herren, um ihm zum Geburtstag zu gratulieren. Dieser fragte dann, wer er ist, ob er vielleicht die Zeitung bringt. Nur eine von vielen Erinnerungen, die Martin Gröschel mitnehmen wird. Eine neue Erfahrung wird sein, nicht in einem Pfarrhaus zu wohnen. Martin Gröschel entstammt einer traditionsreichen Pfarrerfamilie. Ein sächsischer Bischof und ein Missionar in Namibia gehören zu seinen Vorfahren. Er wuchs in Pfarrhäusern auf, jetzt zieht er aus einem aus. In Pobershau hat die Familie ihr neues Zuhause gefunden. Eine Residenzpflicht gebe es bei seiner neuen Stelle nicht mehr. Er werde aber das Läuten der Mildenauer Glocken vermissen, sagt Gröschel. Und auch das traumhafte Panorama, welches sich auftut, wenn man hinter der Kirche auf die Felder geht. Wie war die Zeit in Mildenau? "Wunderschön und intensiv."

Der Verabschiedungsgottesdienst von Pfarrer Martin Gröschel findet am Sonntag ab 14 Uhr statt. Nach den aktuellen Auflagen ist in der Kirche Platz für etwa 300 Personen. Aus diesem Grund wird es eine Tonübertragung des Gottesdienstes, zu dem auch Superintendent Olaf Richter kommen wird, nach außen geben. Martin Gröschel hat sich zudem eine Überraschung einfallen lassen.

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