Auf dem Weg zum Rittergut: Eisernes Tor gibt Rätsel auf

Nur 100 Meter lang ist ein Fußweg, der in Drebach saniert werden soll. Und doch bringt das Projekt intensive Nachforschungen mit sich. Dabei geht es um ein Relikt früherer Tage.

Drebach.

Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, wie märchenhaft dieses Drebacher Sanierungsprojekt eigentlich ist. Auf Anhieb erkennt man den Torbogen gar nicht, der sich da an der Venusberger Straße hinter einigen Pflanzen und Gestrüpp verbirgt. Wie der Eingang zu einem verwunschenen Schloss, das mehr und mehr von der Natur in Beschlag genommen wird, ruht er dort ganz still und leise. Brüchig sind die Mauern, rostig das verschlossene Tor. Und über vermooste Stufen einer Treppe, die kaum noch als solche zu erkennen ist, führt der Weg empor. Wer ihn beschreitet, dem winkt ein Besuch im ehemaligen Heim der Ritter, so man denn dem Namen glaubt.

Dem Rittergut, das sich am Ende des rund 100 Meter langen Weges befindet, wurde dank des DRK mit der Einrichtung eines Seniorenhauses bereits neues Leben eingehaucht. Nun will die Kommune auch den Steig aus seinem Dornröschenschlaf erwecken, damit aus der Ortsmitte kommende Besucher auf kurzem Weg zum Rittergut gelangen können. Abgesegnet hat der Gemeinderat bereits die 67.000 Euro teure Sanierung, die zu 70 Prozent gefördert wird. Doch wie in einem Märchen gilt es, am Tor zunächst ein Rätsel zu lösen. "Das Eisentor wurde irgendwann geschändet. Wahrscheinlich befanden sich Blumen daran, die abgebrochen wurden", erklärt Bürgermeister Jens Haustein, der das Relikt gern wieder in seiner ursprünglichen Form gestalten würde. "Wir suchen daher historische Fotos von diesem Objekt. Jeder Bürger, der Informationen dazu hat, kann sich gern an uns wenden", sagt der Bürgermeister, nach dessen Angaben der Torbogen etwa im Jahr 1920 gebaut wurde.

Zu Verzögerungen dürften die Recherchen nicht führen, da der Beginn der Baumaßnahme ohnehin erst fürs kommende Frühjahr geplant ist. Dann soll auch die Treppenanlage direkt am Tor wieder auf Vordermann gebracht werden, die kurz nach der Jahrtausendwende bei der Verlegung eines Abwasserkanals in Mitleidenschaft gezogen wurde. Durch die Sperrung des Tors ist auch der Fußweg kaum noch erkennbar, was sich bald ändert. Dass das Landratsamt für diesen Bau ausgerechnet Granitsteinpflaster als Material vorsieht, sorgte bei Volker Weber (BiD) für Kopfschütteln. "Das sollte man kritisch hinterfragen, weil es nicht der Historie entspricht", erklärte der Gemeinderat und spielte damit auf die Tatsache an, dass damals in diesem Bereich des Erzgebirges kein Granit abgebaut worden sei. Immerhin ist dieses Material aber lange haltbar und entspricht auch den Vorgaben des Denkmalschutzes. Wenig Haltbarkeit verspricht dagegen der sandgeschlämmte Schotteruntergrund am oberen Ende des Weges direkt am Rittergut, sodass auch dort Pflastersteine verlegt werden sollen.

"Mit der Sanierung des Fußwegs wird die Erschließung des Areals am Rittergut abgerundet. Es entsteht eine direktere Verbindung für Besucher und Mitarbeiter des Seniorenhauses", erklärt Jens Haustein, der dabei allerdings noch vor einem verschlossenen Tor steht. Schließlich hat er das Rätsel noch nicht gelöst.

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