Auf den Spuren der Teddybären

Am Tag des traditionellen Handwerks rücken in der Marienberger Baldauf-Villa wieder allerlei Traditionen in den Fokus. Dabei zeigen auch zwei Frauen, wie aus Stoff und Watte kuschlige Freunde entstehen.

Marienberg.

Wenn Altenpflegerin Ilona Kästner abends nach Hause kommt, ist sie zwar mitunter müde, aber niemals zu müde. "Das muss einfach sein", sagt die 58-jährige Olbernhauerin über ihr Hobby, dem sie sich jeden Tag widmet. Zwar greift sie nicht immer zu Nadel oder Schere, aber zumindest im Gedanken ist sie schon bei der Fertigstellung ihres nächsten Teddybären. "Das brauche ich, um Kraft zu tanken und mich abzulenken", sagt Ilona Kästner, die ihre große Leidenschaft am Sonntag mit Besuchern der Baldauf-Villa in Marienberg teilen will.

Am Tag des traditionellen Handwerks rückt neben der Holzkunst, dem Filzen oder dem Klöppeln noch eine andere Tradition in den Mittelpunkt, der man sich in der Region schon lange widmet. Neben Ilona Kästner will auch Christine Morgenstern aus Pockau-Lengefeld vor Ort zeigen, wie Teddybären entstehen - vom Zuschneiden des Fells über das Zusammennähen und Ausstopfen bis hin zum Gestalten des Kopfes. "Die Ohren aufnähen, Nase und Gesicht sticken, und zuletzt sind die Augen dran", erklärt Ilona Kästner, die dabei besonders vorsichtig zu Werke geht. Schließlich verleiht gerade dieser letzte Feinschliff dem Teddy seinen Charakter. "Jeder ist einzigartig, ein Unikat. Es gibt nie zwei, die gleich aussehen", so die Olbernhauerin. An vorgegebene Schnitte aus Zeitschriften halte sie sich schon längst nicht mehr. Vielmehr wird die Arbeit an jedem neuen Teddy zu einem kleinen Abenteuer.

Zusammen mit Christine Morgenstern kommt Ilona Kästner immer wieder gern in die Baldauf-Villa, denn dort gehörten sie einst dem Bärenclub an. Einer Gruppe von Frauen, die sich bis 2014 regelmäßig traf, um sich gegenseitig Tipps und Anregungen zu liefern. Obwohl dieser Austausch inzwischen eingeschlafen ist, halten die beiden Frauen die Fahne für die Teddys hoch. Neben der Bastelei daheim kommen sie immer wieder zusammen, denn es gibt stets etwas auszuprobieren. Das geht bis hin zur Kleidung und den Accessoires. Ob ein Teddy einen Hut trägt, eine Handtasche oder eine Blume im Haar, kann laut Ilona Kästner sehr wichtig sein. Neben dem Gesichtsausdruck bestimmen auch diese letzten Details maßgeblich mit, wie ein Teddybär auf den Betrachter wirkt. Kontrollierbar ist das nur bis zu einem gewissen Grad. Natürlich könne die 58-Jährige entscheiden, ob das Kuscheltier mürrisch oder eher fröhlich drein blickt. Und doch hinterlässt am Ende jedes Exemplar eben seinen ganz individuellen Eindruck.

Weil Ilona Kästner am Anfang nie so genau weiß, welchen Teddy sie gerade zum Leben erweckt, ist die Arbeit für sie selbst "sehr spannend". Besucher können dies am Sonntag miterleben, wobei der Ort des Geschehens für die Olbernhauerin nicht nur wegen des einstigen Bärenclubs ein ganz besonderer ist. Schließlich wurde in der Baldauf-Villa einst ihre Leidenschaft für dieses Hobby geweckt. Es war die Marienberger Bärenmesse 2009, als sie ihren Blick einfach nicht von einem Teddy lassen konnte und diesen schließlich kaufte. Zuhause angekommen, kehrte Ilona Kästner sofort wieder um. Nicht etwa, um das Exemplar wieder zurückzugeben, sondern um sich von der Künstlerin erklären zu lassen, wie man ein solch kuscheliges Kunstwerk bastelt. Nun ist die 58-Jährige selbst diejenige, die andere anleiten will.

Am Tag des traditionellen Handwerks werden in der MarienbergerBaldauf-Villaam Sonntag von 10 bis 17 Uhr verschiedene Traditionen vorgestellt. Ausstellungen gibt es zeitgleich in der Pobershauer Böttcherfabrik. Zudem öffnet das Besucherbergwerk Pferdegöpel auf dem Rudolphschacht in Lauta seine Pforten. Im Gelenauer Strumpfmuseum gibt es ebenfalls Vorführungen. Die in Olbernhau geplanten Veranstaltungen wurden dagegen abgesagt. Aktuelle Infos bietet das Internet.

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