Ausstellung arbeitet Geschichte der "wilden Aussiedlung" auf

Die Großrückerswalder Oberschule hat das schwierige Thema der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei aufgegriffen.

Großrückerswalde.

Es war der Pfingstmontag am 10. Juni 1946, an dem der fünfjährige Dietmar Hübler von einem Spaziergang mit seiner Mutter in Klášterec nad Ohøí (Klösterle an der Eger) zurückkehrte und von seiner Oma erklärt bekam, dass die Familie binnen drei Tagen in ein Lager kommt, um anschließend das Land zu verlassen. Es folgte eine tagelange Bahnfahrt, die Unterbringung in einer ausgedienten Kaserne in Nordsachsen und später bei Bauern der Umgebung.

Ein ähnliches Schicksal ereilte in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg viele tschechoslowakische Bürger deutschen Ursprungs. Es herrschte die Auffassung, dass alle dort lebenden Deutschen am Krieg beziehungsweise der Besetzung und den Folgen eine Mitschuld trugen. Sie bekamen ihre Bürgerrechte sowie ihr Vermögen entzogen, und sie mussten das Land verlassen. Bis zu 30.000 Menschen starben während der "wilden Aussiedlung". Anhand persönlicher Erlebnisse berichtet eine Ausstellung, die bis zum 22. März in der evangelischen Oberschule Großrückerswalde zu sehen ist, bildhaft von den damaligen Ereignissen. Initiiert wurde diese von der Verwaltung der Stadt Klášterec nad Ohøí, die mit Großrückerswalde seit 2010 eine Partnerschaft verbindet.

Christoph Ulrich

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Auf großformatigen Tafeln, zum Teil beidseitig gestaltet, berichten 13 Zeitzeugen, wie sie die Vertreibung erlebt haben. Zu Wort kommen nicht nur jene, die vertrieben wurden, sondern auch jene, die bleiben durften. "Wir hatten Glück und konnten in Klösterle bleiben, da mein Vater Tscheche war. Allerdings musste ein Großteil unserer Verwandtschaft raus", berichtet der 83-jährige Milan Kral. Er ist froh, dass das Thema der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei inzwischen offen angesprochen wird. "Die Ausstellung ist eine einzigartige Zusammenstellung wirklicher Schicksale. Sie kommt aber ohne Schuldzuweisungen aus, was gut ist. Denn die Generationen, die sie sehen, haben mit Schuld nichts zu tun. Vielmehr sollen die Betrachter sehen, was Hass anrichten kann", ergänzt der 77-jährige Dietmar Hübler. der die Verbindung in seine Heimat stets aufrecht erhalten hat. "Die Ausstellung soll der Beginn eines noch besseren Miteinanders sein", wünscht er sich. Die Ausstellung werde auch in den Geschichtsunterricht eingebunden, so die Leiterin der Großrückerswalder Oberschule Claudia-Morena Golla.

Die Ausstellung "Völkerbewegung in der Stadt Klášterec nad Ohøí in den Jahren 1938 bis 1945" ist montags bis freitags von 9 bis 14 Uhr geöffnet (Anmeldung im Sekretariat der Schule). Außerhalb dieser Zeiten ist ein Besuch nach Anmeldung im Rathaus Großrückerswalde möglich.

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