Baumschnitt am Hohndorfer Berg ruft Kritiker auf den Plan

Ausgefranste Schnitte, zu lange Aststümpfe beklagt ein Zschopauer. Doch der Job der Straßenmeisterei ist auch nicht ungefährlich.

Zschopau.

Ein grünes Blätterdach über der Fahrbahn sollte bei Kraftfahrern eine positive Stimmung bewirken und sie langsamer fahren lassen, behaupten Baumexperten. Das Gegenteil scheint in diesen Tagen bei Andreas Fiedler zuzutreffen, wenn er auf der B 174 zwischen Zschopau und Hohndorf unterwegs ist. Der Zschopauer ärgert sich über Baumpflegearbeiten, die auf der rechten Seite in Richtung Hohndorf erfolgten. Fiedler spricht von groben, ausgefransten Schnitten, zu langen, beschädigten Aststümpfen und von beschädigter Rinde. Er befürchtet, dass an diesen Stellen Feuchtigkeit und Fäulnis eindringen und zum Absterben des Gehölzes führen. "Was sollen Urlauber denken, wie Erzgebirger mit ihren Bäumen umgehen? Man schämt sich dafür", sagt Fiedler.

Zuständig ist die Straßenmeisterei Gornau. Damit keine abgestorbene Äste auf die Fahrbahn fallen und Fahrzeuge nicht mit herabhängendem Grün in Berührung kommen, sind regelmäßige Kontrollen und Baumschnitte notwendig. Fachleute sprechen vom Lichtraumprofil - eine definierte Umgrenzungslinie, die den lichten Raum vorgibt, der auf dem Fahrweg von Gegenständen freizuhalten ist. Die Meisterei setzt dafür eine spezielle Maschine ein, die einer überdimensionalen Heckenschere gleicht.

Die Kritik zu den vor wenigen Wochen am Hohndorfer Berg erfolgten Arbeiten kann Straßenmeister René Seidel nicht nachvollziehen. Der Schnitt sei fachgerecht vorgenommen worden. Das habe auch der Baumwart der Meisterei bestätigt. Die Aststümpfe habe man extra so lang gelassen, damit sich daran wieder neue Triebe entwickeln können, hält René Seidel der Kritik von Fiedler entgegen. Er räumt aber auch ein, dass die Rinde schon mal beschädigt werden kann. "Das ist sicherlich auch passiert", sagt Seidel, ohne zu verschweigen, wie schwierig der Job auf einer viel befahrenen Bundesstraße ist: "Ich muss auch sagen, dass mir die Sicherheit meiner Leute wichtiger ist als ein Baum." Während der Arbeiten war die Höchstgeschwindigkeit auf dem Abschnitt auf 50 Kilometer pro Stunde begrenzt. Seidel: "Interessiert hat das keinen."

Und was sagt ein unabhängiger Fachmann zum Baumschnitt an der B 174? "Aus meiner Sicht gibt es Licht und Schatten", sagt der selbstständige Garten- und Landschaftsarchitekt Niels Sigmund. An weiten Teilen habe er nichts auszusetzen. Es gibt nur ein paar Bereiche, in denen er Bedarf für einen Nachschnitt sieht oder gleich der ganze Baum entfernt werden sollte. Einige "Kleiderhaken" findet der Zschopauer nicht besonders schön, dafür hätten sie aber einen glatten Schnitt. Manche Bäume wiesen an den Schnittstellen dagegen weit eingerissene Rindenschäden auf. "Das entspricht sicherlich keinem der einschlägigen Regelwerke beziehungsweise dem Stand der Technik und ist insofern nicht nur optisch schlecht, sondern auch schlecht für die Verkehrssicherheit." Denn mit den ausgefaserten Schnitten an Altbäumen werde auch eine dauerhafte Schädigung in Kauf genommen.

Für den Herbst hat Straßenmeister Seidel weitere Baumschnittarbeiten geplant. Trotz Trockenheit sei das Straßenbegleitgrün dieses Jahr extrem gewachsen.

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