Dank Haushälterin: Wie die Martin-Andersen-Nexö-Schule zu ihrem Namen kam

Vor 70 Jahren erhielt die Zschopauer Martin-Andersen-Nexö-Schule ihren Namen. Wie es dazu kam, erzählte nun ein damaliger Lehrer der Einrichtung.

Zschopau.

So ganz nebenbei stellte Hans Brenner fest, dass es eigentlich zwei Jahrestage zu feiern gab. Schließlich wäre Martin Andersen Nexö in diesem Sommer 150 Jahre alt geworden. Aber deswegen war der 92-Jährige nicht an die Zschopauer Nexö-Oberschule gekommen. Stattdessen erzählte er 15 interessierten Schülern in einer freiwilligen Geschichtsstunde, wie deren Einrichtung vor 70 Jahren zu ihrem Namen kam. Der Zschopauer weiß es ganz genau, denn er war damals Lehrer an der Schule.

Zu Brenners Kolleginnen habe anfangs auch eine gewisse Frau Drechsel gehört. "Sie stammte aus einem Gut an der Chemnitzer Straße und arbeitete als Handarbeitslehrerin." Doch bald schon folgte ihr Abschied, der sich - so traurig er auch war - im Nachhinein als Glücksfall für die Schule erwies. Schließlich hatte sie sich als Haushälterin erfolgreich bei einem dänischen Schriftsteller beworben, der wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg in der Nähe von Dresden seine neue Heimat fand: Martin Andersen Nexö.

So wie Frau Drechsel ihrem neuen Arbeitgeber von ihrer ehemaligen Schule erzählte, so war das Thema auch in Zschopau Gesprächsstoff. Die Jungpioniere, zu denen übrigens auch der späterer Kanu-Weltmeister Manfred Glöckner gehörte, entschlossen sich schließlich, einen Brief an Nexö zu schreiben. Der Bitte, die eigene Schule nach ihm benennen zu dürfen, sei der Schriftsteller aber nicht sofort nachgekommen. "Er hatte schon von uns gehört, aber wir sollten zu ihm hinkommen", berichtete Brenner, der sich daher mit anderen Lehrern und Schülern auf den Weg machte. "Zwei, drei Stunden hat Martin Andersen Nexö viel erzählt." Einige Tage später traf dann der Brief ein, in dem der Schriftsteller den Zschopauern sein Einverständnis für die Namensgebung mitteilte.

"Wir waren die zweite Schule, die nach ihm benannt wurde. Dresden war verständlicherweise etwas früher dran", sagte Brenner, der im November 1949 Nexös Frau und dessen Tochter in Zschopau begrüßen konnte: "Sie hat hier vor der Schule gesprochen." Der Namensgeber selbst sei dagegen nie zu Besuch gewesen. Dafür gehörten seine Werke in der Nexö-Schule zum Alltag. "In der Aula wurde immer eine Stehlampe angemacht, und dann las ein Deutschlehrer aus seinen Büchern vor", so Hans Brenner.

Inzwischen würden Bücher wie "Pelle der Eroberer" oder "Ditte Menschenkind" leider nur noch in der Vitrine der Schule liegen und viel zu selten gelesen, wie der 92-Jährige findet. Doch mit seinem Besuch konnte der frühere Lehrer zumindest den 15 anwesenden Schülern vor Augen führen, wer Nexö war und was ihn bewegte. Dabei erklärte Brenner, wie der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Kopenhagener Lehrer wurde, auf die Insel Bornholm zog, mit seiner Arbeiterliteratur zum Sozialismus fand und schließlich in die DDR übersiedelte.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...