" Es geht auch um Kommunikation"

Wolkensteins Bürgermeister Wolfram Liebing (parteilos) über Ärztemangel, Breitbandärger und Unwetterlösungen

Wolkenstein.

Rückschläge, aber auch große Fortschritte haben das vergangene Jahr in Wolkenstein geprägt. Sven Wagner wollte von Bürgermeister Wolfram Liebing (parteilos) wissen, welche Themen die Kommune in diesem Jahr bewegen.

"Freie Presse": 2018 war herausfordernd für Wolkenstein. Unwetter verursachten in kurzer Zeit geschätzte Millionenschäden. Welche Konsequenzen zieht die Kommune?

Wolfram Liebing: Wir hatten über 400.000 Euro Soforthilfe beantragt. Das Verfahren läuft noch. Zudem wird ein Hochwassermanagementplan erstellt. Darin geht es vor allem um Bachläufe in Hilmersdorf und Gehringswalde. Künftige Bauarbeiten sollen sich an dem Plan orientieren, um das Wasser in den Griff zu bekommen. Für Hangwasser, das bei Starkregen Überschwemmung auslöst, ist eine Lösung mit Feldrainpoldern denkbar: An Hängen könnten Erderhöhungen mit Sträuchern entstehen, damit sich Wasser sammelt und nicht sofort herabstürzt. Zugleich würden die Landschaft verschönert und Kleintieren Lebensraum geboten.

Ein neues Stadtentwicklungskonzept wurde inzwischen vorgestellt. Was wird davon in diesem Jahr zu spüren sein?

Das Konzept war unter anderem Voraussetzung, dass wir Geld für die Stadtsanierung bekommen. So gab es etwa 1,66 Millionen Euro vom Freistaat für die Schlosssanierung. Allein dafür hat sich das Konzept gelohnt. Auch für die "Alte Pfarre" und das Haus "Sonne" gab es Fördergeld. Beide Häuser werden saniert, dadurch wird die Stadt attraktiver. Nun setzen wir darauf, dass sich Manufakturen ansiedeln. Finanzielle Anreize können wir nicht bieten, aber dafür viele Touristen.

Wolkenstein ist ohne niedergelassenen Allgemeinarzt ins neue Jahr gestartet. Was wird weiter getan, um das Problem zu lösen?

Wir sind auf der Suche. Als Alternative ist eine Zweigstelle eines andernorts niedergelassenen Arztes denkbar. Und: Telemedizin ist eine ergänzende Idee - also Ferndiagnosen per Videoschalte, jedoch mit einer Krankenschwester vor Ort, die Eingriffe umsetzt. Ich habe mich über diese Möglichkeit informiert und bin mit den beim Freistaat dafür Verantwortlichen in Kontakt. Damit kann aber der Allgemeinarzt nicht ersetzt werden.

In Marienberg soll ein Medizinisches Versorgungszentrum entstehen. Um Ärzte zu gewinnen, wird auch ins Ausland geschielt. Eine Option für Wolkenstein?

Ich habe mit mehreren ausländischen Ärzten gesprochen. Aber: Die Fachkräfte aus Nachbarländern abziehen, ist nicht fair und kann nicht die Lösung sein. Wir sollten uns um die Ausbildung hier kümmern.

Telemedizin braucht Internet. Das Breitbandprojekt ist in Wolkenstein vorerst gescheitert. Ärgern Sie sich darüber, und wo sehen Sie die Verantwortung?

Ärgerlich war das Scheitern, weil wir viel Arbeit hineingesteckt haben. Das Projekt wurde von der Politik angeschoben, auch die Förderung. Aber es war nicht bis zum Ende durchdacht, der rote Faden fehlte. Förderbescheide wurden ausgegeben, doch die Kriterien konnten entsprechend der Pläne gar nicht eingehalten werden. Das hat sich leider erst spät gezeigt.

Was wird sich in Sachen Internet noch in diesem Jahr tun?

Die Kernstadt Wolkenstein ist verhältnismäßig gut versorgt. Für die Ortsteile bleibt es schwierig. Wir werden an einem alternativen Ausbauprojekt des Landkreises teilnehmen. In diesem Jahr wird sich wohl nicht mehr viel tun, aber die Planungen im Kreis haben begonnen.

Was sind die größten Bau- vorhaben und Investitionen 2019?

Neben dem Großprojekt Schloss haben wir ein sportliches Programm allein bis zum Halbjahr: In Floßplatz und Falkenbach müssen wir Hochwasserschutzarbeiten abschließen. Der Stadtberg wird ausgebaut und drei Innenstadt-Straßen werden erneuert: Am Pförtchen, Hinter der Kirche und die Berggasse. In Warmbad wollen wir Verkehrsflächen am Kur-Boulevard erneuern und den heutigen Bedingungen anpassen.

Sie waren zu Gast beim Merkel- Besuch in Chemnitz. Dort ging es auch darum, dass regionale Probleme in der großen Politik nicht gehört werden. Gibt es diese Meinung auch in Wolkenstein?

Die EU zahlt viele Fördermittel für ländliche Regionen. Aber es geht nicht immer nur ums Geld. Es geht auch um Kommunikation, kulturellen Austausch und Wertschätzung. Viele Regionen werden nicht wahrgenommen: Seit der letzten Europawahl kam kein Repräsentant hier vorbei, um sich anzusehen, wofür das Geld eingesetzt wird, oder mit dem man einfach mal reden konnte. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat hier viel Vertrauen wieder aufgebaut.

Was hätten Sie 2018 anders gemacht?

Manchmal wäre es besser gewesen, mich im Umgang mit einigen Stadträten etwas zurückzuhalten. Mancher Streit war es nicht wert.

Was wünschen Sie sich für Ihre Kommune für 2019?

Dass wir das Zusammenspiel zwischen Bürgerschaft und Rathaus ausbauen und erhalten, was wir bisher geschaffen haben: die soziale Wärme. Wir sollten uns keinen Keil einschlagen lassen. Wolkenstein ist lebens- und liebenswert.

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