Flüchtlinge: Die Lage vier Jahre nach 2015

Was aktuelle Zahlen des Landratsamtes zur Asylpolitik im Erzgebirgskreis über die Bereiche Arbeit, Wohnen, Kitas und Schulen verraten

Zschopau/Marienberg.

Die Themen Flucht und Migration prägen auch vier Jahre nach der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 die politische Debatte. Wie ist die aktuelle Situation im Kreis? "Freie Presse" beantwortet wichtige Fragen.

Wie viele Flüchtlinge und Asylbewerber leben derzeit im Erzgebirgskreis?

Alles in allem waren es Anfang des Jahres laut Landratsamt des Erzgebirgskreises rund 1900. Das entspricht in etwa der Einwohnerzahl der Gemeinde Gornsdorf bei Thalheim. Hinzu kommen gut 200 Personen, die in Schneeberg im Asyl-Erstaufnahmeheim leben, das vom Freistaat Sachsen betrieben wird. Es ist die einzige Erstaufnahmeeinrichtung im Landkreis.

Wie haben sich die Zahlen in jüngster Zeit entwickelt?

Die Zahl der im Erzgebirge lebenden Menschen, die als Flüchtlinge oder Asylbewerber zugewandert sind, ist innerhalb der vergangenen Monate nahezu konstant geblieben - von 1889 Personen zum Ende des Jahres 2017 stieg sie nur leicht auf aktuell 1917. Im Vergleich mit den Vorjahren ist aber ein starker Rückgang zu verzeichnen (Ende Dezember 2015: 3076 Personen).

Wie viele Flüchtlinge werden anerkannt, bei wie vielen wird der Asylantrag abgelehnt?

Der Landkreisverwaltung liegen dazu keine Zahlen vor. Das Bundesamt für Flüchtlinge und Migration verweist auf bundesweite Daten. Demnach durfte etwa jeder Dritte bleiben, über dessen Asylantrag im vergangenen Jahr entschieden wurde. Zwischen Januar und Ende Oktober war konkret in 34 Prozent der Verfahren ein Schutzstatus erteilt oder ein Abschiebungsverbot festgestellt worden. Abgelehnt wurden hingegen 35 Prozent der Anträge. Anderweitig erledigt haben sich 31 Prozent der Verfahren - etwa weil der Antrag zurückgezogen wurde.

Welchen Anteil machen Asylbewerber an der Gesamtbevölkerung im Erzgebirge aus?

Berechnet auf fast 340.400 Einwohner im Kreis lag ihr Anteil zuletzt bei 0,56 Prozent. Der Bevölkerungsanteil aller im Erzgebirge lebender Ausländer betrug 1,9 Prozent. Sachsenweit lag der Ausländeranteil Ende 2017 bei 4,6 Prozent. Mit fast 9 Prozent verzeichnete die Stadt Leipzig dabei den höchsten Wert.

Stimmt es, dass es sich bei den Asylbewerbern meist um junge Männer handelt?

Von gut 1900 Flüchtlingen sind fast 1400 Männer - das sind mehr als zwei Drittel. Etwa 40 Prozent der Asylbewerber im Kreis sind dabei 30 Jahre oder älter. Jugendliche und Kinder machen nach Angaben des Landkreises fast ein Drittel aus.

Welche Rolle spielt in der Region der Familiennachzug?

Eine geringe. Wie ein Kreissprecher berichtet, kamen im vergangenen Jahr nur 26 Migranten auf dem Wege des Familiennachzugs zu einem Schutzbedürftigen in die Region. Für 2017 liegen keine Zahlen vor.

Was bedeutet der Zuzug von Migranten für Schulen und Kitas?

Der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in Kitas hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht, ist aber weiter vergleichsweise gering. Lag er im März 2015 bei genau 2,9 Prozent waren es drei Jahre später 4,5 Prozent. Mittlerweile gibt es im Kreis an sechs Grundschulen, fünf Oberschulen und drei Berufsschulen die sogenannten Vorbereitungs- bzw. DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache). An allen Standorten sind laut Landkreis genug Kapazitäten vorhanden.

Wie werden Asylbewerber und Flüchtlinge im Landkreis untergebracht?

Ein Großteil der Personen kommt dezentral in sogenannten Gewährswohnungen unter. Exakt 1764 Plätze stehen zur Verfügung. Der kleinere Teil findet zentral in Heimen einen Platz. Neun Stück gibt es davon im Kreis - sie befinden sich in Aue-Bad Schlema, Schwarzenberg, Marienberg, Drebach, Niederdorf, Zschopau, Crottendorf, Jahnsdorf und Johanngeorgenstadt. Dort gibt es Platz für insgesamt 911 Menschen. Hinzu kommen noch einige wenige Heimplätze für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge.

Wie sind die Heime und Wohnungen ausgelastet?

Laut Landratsamt liegt die Auslastungsquote im Schnitt bei 80 Prozent. Weil zuletzt deutlich weniger Flüchtlinge nach Deutschland und damit auch ins Erzgebirge kamen, sind aber viele Unterbringungsmöglichkeiten überprüft und in der Folge geschlossen worden, zuletzt etwa ein Heim mit 120 Plätzen in Meinersdorf. Laut Kreisverwaltung fielen zwischen Ende 2016 und 2018 fast 2200 Plätze weg. Weitere Streichungen seien derzeit jedoch nicht vorgesehen, heißt es.

Was wird getan, damit Flüchtlinge schnell Arbeit finden?

Nur anerkannte Asylbewerber dürfen laut Arbeitsagentur des Erzgebirgskreises uneingeschränkt als Beschäftigte arbeiten oder einer selbstständigen Tätigkeit nachgehen. In der Region hat sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus nicht europäischen Asylherkunftsländern zuletzt mehr als vervierfacht - von 45 im Jahr 2015 auf 202 im Jahr 2018. Zugleich stieg in der Gruppe die Zahl der Arbeitslosen (42 im Jahr 2015, 148 im Jahr 2018). Die Landkreisverwaltung ist nach eigenen Angaben bemüht, den Menschen so gut wie möglich bei der Integration zu helfen. So gibt es speziell geschulte Mitarbeiter in den Jobcentern, die die Qualifikation der Migranten abfragen und sie, wenn gewünscht, sogar bis zum Vorstellungsgespräch begleiten.

Mit wie vielen weiteren Flüchtlingen rechnet der Landkreis in diesem Jahr?

Das Landratsamt geht von der Zuweisung weiterer 540 Personen aus. Das sei aber nur eine Prognose, die von der weltpolitischen Situation abhängig sei, heißt es. juef mit micm

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