Gedenken an große Musikerpersönlichkeit

Der langjährige Kreuz- kantor Rudolf Mauersberger ist vor 50 Jahren gestorben. Doch nicht nur in seinem Heimatdorf wird die Erinnerung an ihn lebendig gehalten.

Erzgebirge.

In aller Stille und ganz coronakonform wird am heutigen Montag in Mauersberg an einen der bedeutendsten Söhne des Ortes erinnert, der die Kirchen- und Chormusik im Erzgebirge und in Sachsen mit geprägt hat: Rudolf Mauersberger. Der langjährige Kreuzkantor hat am 22. Februar 1971 für immer seine Augen geschlossen. Seine ewige Ruhe fand er in der Familiengruft auf dem Friedhof seines Heimatdorfes. Dort wird im Rahmen einer nicht öffentlichen Kranzniederlegung seiner gedacht. Einer der Gäste ist Kirchenmusikdirektor Enrico Langer aus Ehrenfriedersdorf, der Mauersberger auch heute noch als eine "bedenkenswerte Persönlichkeit" charakterisiert. Deren Spuren finden sich vielerorts im Erzgebirge.

Unter anderem in Annaberg, wo er von 1903 bis 1909 das Königliche Lehrerseminar besucht hat. Denn eigentlich sollte der 1889 geborene Rudolf wie sein Vater Oswald Kirchschullehrer werden, ist im Buch von Dr. Matthias Herrmann zu lesen. Ein Kirchschullehrer war zur damaligen Zeit Lehrer und Kantor eines Ortes, musste deshalb auch eine Lehrerausbildung absolviert haben. Während dieser spielte Rudolf nicht nur Cello, Geige, Klavier, Orgel und Trompete. Er gab auch Klavierunterricht, schrieb erste Kompositionen.

Die Verbindung nach Annaberg ist laut Enrico Langer ebenso geblieben wie in das Erzgebirge generell. "Zeitlebens fühlte sich Rudolf Mauersberger den Wertvorstellungen seiner früheren Umgebung verbunden. Elternhaus, Heimat, Glaube der Vorfahren wurden zu Stützen seines Weges", schreibt Matthias Hermann in seinem Buch. Und all das hat auch das kompositorische Schaffen stark beeinflusst: "Er hat anders komponiert", sagt Enrico Langer, der selbst 2014 die erste Gesamtaufnahme der Orgelwerke von Rudolf Mauersberger auf CD eingespielt hat.

Emotionen, Erlebnisse und Atmosphärisches seiner Kinder- und Jugendjahre hat er laut Matthias Herrmann in seine Kompositionen einfließen lassen: "Der Weihnachtszyklus der Kruzianer wäre ohne die Pyramiden, Figuren, Weihnachtsberge und Geschichten von Mauersbergers Kindheit undenkbar", schreibt er. Die enge Verbindung in seine erzgebirgische Heimat wird außerdem in einer anderen Geschichte deutlich: Als späterer Kreuzkantor hat er im Erzgebirge nach einem Ausweichquartier für seine Kruzianer gesucht, nachdem die Bomben Dresden in Schutt und Asche gelegt hatten. Die Kreuzkirche als wichtigster Auftrittsort des Chores war zu dieser Zeit nur noch eine Ruine. So hatte Mauersberger für die jungen Sänger zeitweise sogar Sankt Wolfgang in Schneeberg als Interimslösung auserkoren, berichtet Enrico Langer. Bis auch diese Kirche zerstört wurde.

Eine seiner "glücklichsten Zeiten" hat der spätere Kreuzkantor nach eigenem Bekunden in Mildenau verbracht, wo er vor seinem Studium in Leipzig als Hilfslehrer seine Probezeit absolviert hat. Wie Dresden ist auch Mildenau mit seiner Kirche im Februar 1945 schwer von Brandbomben beschädigt worden. Auf dem Altarplatz der Kreuzkirchenruine haben die Kruzianer bereits am 4. August 1945 wieder gesungen. Ein Jahr später trat der Kreuzchor unter Leitung von Rudolf Mauersberger in Mildenau auf.

Anlässlich des 50. Todestages planen das Mauersberger-Museum, der Freundeskreis und die Gemeindeverwaltung Großrückerswalde eine Sonderschau zum Thema "Musik im Dorf". Sie soll die Dauerausstellung im 1973 eröffneten Museum ergänzen, das den beiden Mauersberger-Brüdern gewidmet ist. Erhard Mauersberger war von 1961 bis 1972 Thomaskantor in Leipzig. Gesucht werden Notenmaterial, Instrumente, Fotos, Briefe, Bücher, Vereinsuniformen und andere Zeitzeugen, welche die damals vielfältige "Musik im Dorf" belegen. Besonders groß ist die Nachfrage dabei auch nach den Geschichten, die hinter diesen Zeitzeugnissen stehen. Die Ausstellung soll voraussichtlich ab Herbst zu sehen sein.

Kontakte in Bezug auf die Sonderschau können ab sofort bis Ende Mai unter 03735 90888 oder 03735 2679874 geknüpft werden.

Eine Radiosendung zum 50. Todestag wird am 24. Februar von 00.05 bis 1 Uhr auf dem Sender Deutschlandfunk Kultur ausgestrahlt. Moderator ist Claus Fischer. Mehr zu Rudolf Mauersberger lesen Sie auf der Seite Kultur.

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