Glosse: Getzen, Götzen und Griebitter

Erzgebirgisch ist schwer. Auch für Englisch oder Spanisch sprechende Menschen, aber erst recht für (Hoch-)Deutsche. Das wussten die Österreicher von Anfang an. Deshalb wurde der Kümmelschuss in Grießbach auch kurzerhand auf die andere Straßenseite verlegt und die finale Sektion umbenannt. Klar, bei X-Loop schnallten dann auch die TV-Zuschauer in Äquatorialguinea (Amtssprache: Spanisch) oder in Pubs in Neuseelands Hauptstadt Wellington sofort, wie der Hase läuft. Dabei hätte man ja durchaus "Caraway shot" oder "tiro de alcaravea" sagen können. Bei Buttermilch-Rinne ("Buttermilk channel" bzw. "canal de suero de leche") oder Kartoffel-Reibe ("Potato grater" bzw. "rallador de patatas") wäre das ebenfalls gegangen. Aber eben bei Getzen nicht! Warum auch? Die gibt es nur im Erzgebirge. Getzen kann man nicht übersetzen. Während das den TV-Leuten aus der Alpenrepublik klar war, haben es Archäologen aus dem Norden trotzdem versucht. Nur zwei Tage nach dem Getzen-Rodeo schlugen sie ihr Lager am Gewürzregal ("Spice rack" bzw. "especiero") auf, um in dem zerfurchten Wäldchen zwischen Grundbach und Sportplatz sofort mit den Ausgrabungen zu beginnen. Die Wissenschaftler sind im Auftrag des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg ins Erzgebirge gekommen. Die Hansestädter haben schon über 200 zwischen 5000 v. Chr. und 300 n. Chr. gefertigte Figuren. Nun soll die Ausstellung "Götter, Götzen und Idole" erweitert werden. Zwei Jahre haben sie dafür Zeit. Darauf einen Red Bull mit (Kümmel-)Schuss! Oder doch lieber einen Griebitter?

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