Großes Engagement für Flüchtlinge

Dank zahlreicher Ehrenamtler werden in Gelenau Asylbewerber gut betreut. Die Kreisvolkshochschule ist mit den Deutschkursen indes an personelle Kapazitätsgrenzen gestoßen.

Gelenau/Zschopau.

In der Gemeinde Gelenau sind Unterbringung und Betreuung der bisher 31 Asylbewerber aus Eritrea, Afghanisatan, Albanien, Syrien, Marokko und dem Libanon nahezu problemlos verlaufen. "Dank des Engagements zahlreicher Helfer haben wir die Lage im Griff", konstatierte Bürgermeister Knut Schreiter. "Die Arbeit ist gut strukturiert und auf viele Schultern verteilt." Zur finanziellen Unterstützung der ehrenamtlichen Arbeit wird die Gemeinde nicht nur ein Spendenkonto anlegen, sondern hat zudem 7500 Euro in den Haushalt des Jahres 2016 eingestellt.

Zwei Familien aus Albanien und dem Kosovo sind bereits wieder in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Zwei weitere Wohnungen kann die Kommune derzeit bereit stellen. "Bei Besuchen haben wir keine Probleme festgestellt. Auch gab es bisher keine Beschwerden von anderen Mietern", bestätigte Kerstin Kreutziger, Geschäftsführerin der Gelenauer Wohnungsgesellschaft mbH. Allerdings, das wurde mehrfach festgestellt, würde den Flüchtlingen die Mülltrennung schwerfallen. Auch die Straßenverkehrsordnung bereite ihnen Probleme.


Bisher konnten jeder Familie beziehungsweise jeder Wohngruppe zwei Paten zur Seite gestellt werden, doch weitere werden gesucht, sagte Heike Monjezi, die die Fäden des Unterstützerkreises in der Hand hat. Sie berichtete von Fahrpaten, einer im Entstehen befindlichen Kleiderkammer in einer bisher nicht ausgebauten Ein-Raum-Wohnung der Wohnungsgesellschaft, einer Fahrradwerkstatt, in der 30 Räder abgegeben wurden, von denen bisher fünf aufgearbeitet werden konnten. Drei Eritreer sind in Arbeitsgelegenheiten tätig, helfen im Bauhof sowie bei Arbeitseinsätzen in der Freien Schule. Im kommenden Jahr will die Gemeinde zehn Flüchtlinge in Arbeitsgelegenheiten beschäftigen.

Geradezu komfortabel sind die Übersetzungsangebote: Unter den Helfern befinden sich Menschen, die Arabisch, Englisch, Französisch, Albanisch und Persisch sprechen. Zehn Ehrenamtler ermöglichen dreimal wöchentlich Deutschunterricht. Diese Kurse würde Knut Schreiter gern professionalisieren, damit weitere Bildungsangebote ermöglichen.

Auch die Volkshochschule des Erzgebirgskreises hat nach einer Finanzspritze der Bundesagentur für Arbeit ihr Angebot aufgestockt. Derzeit erlernen rund 250 Teilnehmer in zehn 320 Stunden umfassenden Kursen in Annaberg, Aue, Zschopau und Olbernhau das deutsche Alphabet und Zahlenwerk, berichtet Leiter Jens Kaltofen: "Zwei weitere Kurse beginnen wir noch in diesem Jahr." Gefördert werden Flüchtlinge mit einer sicheren Bleibeperspektive aus Syrien, Irak, Iran und Eritrea. Des Weiteren besuchen seit Ende Oktober rund 75 Teilnehmer die drei Integrationskurse in Aue und Annaberg. Diese enden mit einer Prüfung und befähigen beispielsweise zur Aufnahme einer Berufsausbildung. "Die Nachfrage nach Deutschkursen ist riesengroß, doch personell stoßen wir nunmehr an unsere Grenzen", sagt Jens Kaltofen.

Ein in Gelenau angesprochenes Problem: Wann kommt endlich die Chipkarte, die den bisher erforderlichen Krankenbehandlungsschein ablöst? Darauf gibt es momentan keine Antwort. "Kommunale Spitzenverbände und der Verband der gesetzlichen Krankenkassen arbeiten an einer Bundesrahmenempfehlung, die Kostenerstattung und Nutzungsbedingungen regelt. Das ist eine außerordentlich komplizierte Angelegenheit", erläutert Frank Reißmann, der auch für Asylfragen zuständige Abteilungsleiter des Landratsamtes. Derzeit muss vor dem Besuch des Allgemeinarztes pro Quartal ein Krankenbehandlungsschein im Landratsamt abgeholt werden. Hält dieser einen Facharztbesuch für erforderlich, muss der Kreis vorher seine Kostenzusage erteilen. "Diese wird nur bei akuten Erkrankungen und Schmerzzuständen bewilligt", erklärt Reißmann.

Die Landkreise und kreisfreien Städte finanzieren die gesamte medizinische Versorgung der Asylbewerber, legt der Abteilungsleiter dar: "Wir sind für die Chipkarte grundsätzlich offen. Entscheidend für uns ist: Wir werden sie nur einführen, wenn alle Bedenken dazu ausgeräumt, jedweder Missbrauch damit ausgeschlossen ist."

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