Ministerpräsident erhält von Maschinenbauer Rückendeckung

Nach ihrem bisher erfolgreichsten Geschäftsjahr droht der Gemag im vierten Quartal Kurzarbeit. Der Vorstand plädiert für ein Ende der Russland-Sanktionen - im Interesse auch westdeutscher Maschinenbaufirmen.

Gelenau.

Mit rund 12 Millionen Euro 2018 hatte die 1958 als Produktionsgenossenschaft des Handwerks gegründete Gelenauer Maschinenbau AG (Gemag) ihr bisher bestes Geschäftsjahr. "Davon haben wir auch in den ersten sechs Monaten dieses Jahres profitiert. Doch nun werden Aufträge verschoben, im vierten Quartal kommen wir in kompliziertes Fahrwasser. Doch wir wollen unsere spezialisierten Arbeitskräfte wie CNC-Bediener und Programmierer gern behalten. Eine Kurzarbeiterregelung wie vor zehn Jahren wäre eine Lösung", gab am gestrigen Freitag Gemag-Vorstand Hans-Peter Weise dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer mit auf den Weg. Dieser hatte zusammen mit dem im Wahlkreis 16/Erzgebirge 4 erneut kandidierenden CDU-Landtagsabgeordneten Ronny Wähner das 115 Mitarbeiter beschäftigende Unternehmen besucht.

In Gelenau werden auf 10.500 Quadratmeter Produktionsfläche Komponenten und Baugruppen für große, zum Teil weltweit führende Unternehmen des Werkzeug-, Schienenfahrzeug- und Sonderfahrzeugbaus gefertigt - auch auf großmechanischen Anlagen wie dem Bearbeitungszentrum Uniport 7000. Das kann Teile bis zehn Meter Länge, vier Meter Breite und drei Meter Höhe drehen, fräsen und bohren. Die Maschine wurde 2014 für rund zwei Millionen Euro erworben. "Über diese Technik verfügen nur sehr wenige Firmen", so Weise.


Sanktionen wie gegen Russland und den Iran, aber auch der bevorstehende Brexit würden den deutschen Maschinenbauern zunehmend das Geschäft erschweren. "Ein Drittel unserer Aufträge sind aufgrund dieser Politik gefährdet. Die Russland-Sanktionen beispielsweise widersprechen nicht nur unseren sächsischen Interessen - auch wenn wir davon nur indirekt betroffen sind. Jede zweite Maschine, für die wir Komponenten zuliefern, geht in den Export. Ein Aufheben der Sanktionen würde Unternehmen in Ost und West helfen", unterstützte Weise entsprechende Forderungen des sächsischen Ministerpräsidenten. Der Vorstand kritisierte zudem die einseitige Ausrichtung des Marktes auf E-Mobilität als alternative umweltfreundliche Antriebstechnologie: "Diese ist der Tod des Maschinenbaus. Wir sollten schon bei der Forschung in einem breiteren Mix mit Elektromotor, Brennstoffzelle, Hybrid-Antrieb, aber auch einem schadstoffärmeren Verbrennungsmotor aufgestellt sein."

Trotz der drohenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten will das Unternehmen seine Fachkräfte auf alle Fälle halten und weiter investieren. Bisher seien mehr als 30 Millionen Euro in den Standort geflossen. Der Vorstand kündigte den Erwerb eines weiteren, rund 4100 Quadratmeter großen, angrenzenden Grundstücks an: "Als Erweiterungsfläche, auch wenn es noch keine konkreten Pläne gibt. Zudem wollen wir im kommenden Jahr ein weiteres, 1,4 Millionen Euro teures Bearbeitungszentrum zur Präzisionsbearbeitung von Großteilen erwerben."

Auch in Sachen Berufsnachwuchs konnte Hans-Peter Weise Positives verkünden: "Zu unseren bisher acht Lehrlingen kommen in diesem Jahr sechs neue hinzu - so viele wie noch nie." Der Maschinenbauer habe bisher jedes Jahr zwei bis drei neue Auszubildende eingestellt: "Auch in Zeiten, als Ausbildung weniger populär war. Wir unternehmen auch viel, um uns als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren, gehen in die Schulen, zu Ausbildungsmessen, bieten Ferienarbeit an", zählt der Vorstand auf. "Unsere Lehrlinge gehören oft zu den Jahrgangsbesten."

Doch auch die Gemag sowie die anderen sechs Firmen des Fertigungsverbundes unter dem Dach der Omega Blechbearbeitung Holding AG spüren das nachlassende Interesse der Bewerber. "Wir brauchen wieder mehr Wertschätzung für den Realschulabschluss. Aufgrund der Zugangskriterien für das Gymnasium ist dieser ins Hintertreffen geraten. Der Freistaat muss die Oberschulen entsprechend stärken", forderte Dr. Uwe Landmann, Vorstand der Omega Blechbearbeitung Holding AG.

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