Mit Steinen gefüllte Körbe haben Sturzflut nicht Stand gehalten

Bei der Aufnahme der Unwetterschäden in Großolbersdorf wird Kritik an den Arbeiten zur Beseitigung der Hochwasserschäden von 2013 laut. Einige seien für die Erzgebirgsregion ungeeignet.

Großolbersdorf.

Als Christoph Seifert und Detlef Haase am Montag den Dorfbach ablaufen, plätschert dieser friedlich dahin. DasWasser ist nur vier, fünf Zentimeter hoch, an tieferen Stellen rund 20. Kaum vorstellbar, dass dieser Bach beim Unwetter in der Nacht zum 18. August eine Spur der Verwüstung durch Großolbersdorf gezogen hat.

Obwohl Bauhof, Straßenmeisterei und Grundstücksbesitzer schon kräftig Hand angelegt haben, sind die Spuren noch deutlich zu sehen. Bauamtsmitarbeiter Seifert und Bauhofleiter Haase schreiben beim Protokollieren der Schäden ein ganzes Notizbuch voll. An insgesamt 35 Stellen habe die Sturzflut besonders schlimm gewütet, berichtet Seifert von der Schadensaufnahme zwischen der Roten Pfütze an der Bundesstraße 174, den gesamten Dorfbach entlang bis hinunter nach Grünau und Hopfgarten, wo der Bach in die Zschopau mündet.

"Besonders schlimm ist es im Unterdorf", sagt der Bauamtsmitarbeiter. Etwa ab Höhe des Grundstücks Grünauer Straße 25. Dort hat das Wasser nicht nur die Uferbefestigung, sondern auch gleich mehrere Meter des Uferbereichs weggespült. Die Steine wurden von der Strömung fortgerissen, bis sie an Hindernissen im Bachlauf liegenblieben und das Wasser anstauten. "An solchen Stellen nimmt das Wasser dann immer mehr Kraft auf."

Zentnerschwere Steine weg: Bereiche, in denen besonders viele der bis zu mehrere Zentner schweren, quaderförmigen Steine im Bachbett liegen, wurden im Schadensprotokoll mit dem Vermerk "Sofortmaßnahme" versehen. Der Bauhof habe zwar bereits am Morgen nach dem Starkregen mit der Beräumung begonnen, und seit Montag vergangener Woche seien vier Mitarbeiter mit dem Ausbaggern beschäftigt, doch noch immer versperren Tonnen an Gestein den Bachlauf - auf Privat- wie auf Gemeindeeigentum. "Wie sollen wir das schaffen? Aber das Zeug muss schleunigst raus. Denn was ist, wenn das nächste Unwetter kommt?", befürchtet Seifert.

In Höhe der Grundstücke Grünauer Straße 49 bis 51, wo der Meybach in den Dorfbach fließt, kommen leere Drahtkörbe unter dem plattgespülten Ufergras zum Vorschein. Seifert runzelt die Stirn: "Hier sind erst vor vier Wochen Arbeiten zur Beseitigung der Hochwasserschäden von 2013 beendet worden." Die Gabionen, mit Steinen gefüllte Körbe, seien durch die Strömung einfach aufgedrückt und leergespült worden. Nicht nur Seifert, sondern auch Bürgermeister Uwe Günther und der Gemeinderat sind der Meinung, dass diese von der Unteren Wasserbehörde vorgeschriebene Variante der Uferbefestigung für diesen Bach nicht geeignet sei. Für rund 700.000 Euro Fördergeld des Landes seien in Großolbersdorf Hochwasserschäden von 2013 beseitigt worden. 70 bis 80 Prozent der Baumaßnahmen hätten nicht funktioniert und seien dem jüngsten Unwetter zum Opfer gefallen.

Wabenplatten aus DDR-Zeiten: Dann zeigt der Gemeindemitarbeiter auf einen unversehrten Bachabschnitt, dessen Sohle und Uferbereich mit sogenannten Wabenplatten befestigt sind. "Die sind zu DDR-Zeiten verlegt worden, dürfen heute aus Gründen des Umweltschutzes aber nicht mehr verbaut werden", erläutert Seifert. Ein paar Meter weiter hat eine Böschung mit hochkant und quer zur Fließrichtung verbauten flachen Feldsteinen die Flut schadlos überstanden. Seifert: "Die Technik stammt aus dem 18. Jahrhundert." Weniger erfolgreich war ein Grundstückseigentümer, der versucht hat, das Ufer mit Bauschutt zu sichern. Diesen hatte es genauso weggespült wie anderswo in Bachnähe gelagertes Gras, Laub, Holz und Gerümpel.

Zu den Leidtragenden des hoffnungslos verstopften Bachlaufes gehört Werner Heide. Bis zu 60 Zentimeter hoch, also fast zweieinhalb Meter über der ursprünglichen Bachsohle, sei eine rund zehn Meter breite Flutwelle über sein Grundstück gezogen. Es habe praktisch kein Bachbett mehr gegeben. Mehr als 150 Tonnen Geröll habe er bereits ausgebaggert und abtransportiert. "Der Bach ist bei Starkregen schon früher über die Ufer getreten", berichtet der 67-Jährige. "Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt."


Kommentar: Den Bachrunter

Noch steht nicht fest, wie hoch der Schaden ist, den das jüngste Unwetter in Großolbersdorf, Wolkenstein und Drebach angerichtet hat. Eine Summe kann vermutlich erst genannt werden, wenn klar ist, in welchem Umfang die Schäden beseitigt werden und welche Anforderungen die Bauwerke in Sachen Hochwasserschutz künftig erfüllen müssen beziehungsweise sollen. Einige der nach der Flut 2013 vorgenommenen Arbeiten waren für einen Bach im Gebirge ganz offensichtlich ungeeignet, wie der Starkregen vor 14 Tagen gezeigt hat. Aus den Erfahrungen müssen die richtigen Schlüsse gezogen werden, fordert Wolkensteins Bürgermeister Wolfram Liebing. Damit nicht wieder Millionen den Bach runtergehen.

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