Neuer Hundsmartergust hält Ausschau

Der künstlerisch talentierte Bauhofchef der Gemeinde Raschau-Markersbach hat mit seinem Team einen neuen Wegweiser geschnitzt, den keiner übersieht. Der Geselle ist trotz der markanten Pfeife kein Räuchermann.

Oberwiesenthal/Markersbach.

Für die Heimatfreunde des Erzgebirgszweigvereins (EZV) Markersbach ist ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen. Denn nun sitzt ein neuer Hundsmartergust an der beliebten Trasse, die im Sommer Radfahrer und Wanderer und im Winter die Skifahrer nach Oberwiesenthal führt. Die Hundsmarter ist der Hausberg von Markersbach, auf dessen Kuppe sich das Oberbecken des Pumpspeicherkraftwerks befindet. Und dort, wo der Wald entlang der Hundsmarter am dichtesten und der Anstieg am steilsten ist, da kann es passieren, dass der Wanderer auf ein altes Weiblein trifft, das wütend aufstampft.

Vor mehr als 500 Jahren - am 25. Juni 1479 - soll es dort gesehen worden sein: das Hundsmarterweibl. Es habe mit seinem Hexenbein derart heftig auf den Boden gestampft, dass der Berg aufgegangen ist und das Weibsbild in einer riesigen Feuerlohe verschlang. Seit jenem Tag käme es alle 100 Jahre zur Stunde seiner Höllenfahrt aus dem Berg, um nachzusehen, was sich auf der Welt verändert hat. So zumindest erzählt es die alte Sage.

2003 - als die Stadt Schwarzenberg und die umliegenden Kommunen Gastgeber für den 103. Deutschen Wandertag waren - hat der damalige EZV-Chef Jörg Kretzschmar zunächst die Figur des Hundsmarterweibls lebendig werden lassen. Es wurde ein Kostüm genäht, und in dieses schlüpfte zunächst über viele Jahre Irmhild Hänel. Schnell entwickelte sich die Figur des Hundsmarterweibls zur Kultfigur der Gemeinde. Die Markersbacher legten 2004 nach, und suchten nach einem geeigneten männlichen Begleiter, den Hundsmartergust, der das ungestüme Weib besänftigen konnte. Damit wieder Friede auf dem Berg einzieht. Von ihm - also dem Gust - wurde damals ein hölzernes Abbild geschaffen, das am Wegesrand der Hundsmartertrasse postiert wurde. Dieses erste Männlein mit grünem Rock, das hoch über dem Weg auf einem Baumstamm thront, schuf René Lehmann vom Forst. Doch nach mittlerweile 16 Jahren war der Kerl aus Holz morsch geworden. "Auch sein Sitz war durch", erzählt Andreas Anger vom Bauhof der Gemeinde. Er war es auch, der den neuen Gust jetzt aus dem Holz holte. Größtenteils mit der Motorsäge. "Aber es war ein Werk vieler, das hab ich nicht allein gemacht", sagt er. Etwa drei Wochen habe er an dem Prachtkerl geschnitzt. "Der Mann hat einfach goldene Hände", sagt Manfred Meyer. Der Altbürgermeister ist heute der stellvertretende Vorsitzende des EZV und begeistert von dem neu geschaffenen Blickfang an der beliebten Trasse.

Gisela Georgi, die seit 2014 die Rolle des Hundsmarterweibls verkörpert und ebenfalls EZV-Mitglied ist, nennt die neue Figur "sehr gelungen". "Und ich bin wirklich froh, dass mein Gust wieder da oben sitzt", sagt sie. Natürlich darf auch sie derzeit nicht in ihr Kostüm steigen und wie sonst üblich Touristen begrüßen oder in Kindereinrichtungen gehen. "Aber das wird schon wieder", bleibt sie optimistisch.

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