Politik als neue Herausforderung

Früher arbeitete er mit Musik-Stars, heute leitet Martin Steinert die Geschicke seines Familienbetriebs. Nun hat er eine weitere Aufgabe: Er engagiert sich für Olbernhau.

Olbernhau.

Martin Steinert hat zu tun. Ein geplantes Gespräch per Videokonferenz musste der 51-Jährige verschieben. Als es dann klappt, kommt er von einer Besprechung mit den Mitarbeitern des Drechselzentrums Erzgebirge und Steinert Maschinenbau. Das sind die beiden Betriebe, die er gemeinsam mit Bruder Roland führt. Gerade haben sie einen Mitbewerber aus dem Allgäu übernommen. Die Auftragsbücher sind voll. Martin Steinert sagt, seine Arbeit sei sein Lebensinhalt.

Dennoch hat er seit September eine weitere Aufgabe. Er sitzt für die SPD-Fraktion im Stadtrat Olbernhau. Vorgänger Marco Hunger ist in die Verwaltung gewechselt. Gründe, sich politisch zu engagieren, hat Steinert mehrere. Einer sei die starke AfD in der Stadt. Er wählt seine Worte vorsichtig. Er wolle die gesellschaftliche Spaltung, die er im Erfolg der Rechten sieht, nicht vorantreiben. Daher sagt er nur, dass er das ewig Gestrige ihrer politischen Position nicht versteht. Ein anderer Grund für Politik: Er möchte die Potenziale seiner Heimat ausschöpfen, Chancen wie den Weltkulturerbe-Titel so gut wie möglich nutzen.

Für Gelegenheiten hat Steinert einen Riecher. In den 1990er-Jahren, nur eine Woche nach Einführung der D-Mark in Ostdeutschland, bewarb er sich als Platten-Großhändler beim Label CBS, später Sony Music. Man bot ihm an, den Markt der neuen Bundesländer zu erschließen. So zog er zunächst nach Leipzig, später nach Berlin ins Sony Center am Potsdamer Platz. Steinert lernte Bruce Springsteen, die Fugees und Nena kennen - und erlebte den damaligen Boom der Musikbranche. Heute sagt Steinert, der Zeitpunkt habe einfach gepasst.

Im neuen Jahrtausend folgte die Krise der Plattenlabels. Online-Streamingdienste setzten dem alten Geschäftsmodell mit Vinyl und CDs zu. Steinert fand erneut den passenden Moment für Veränderung. Er zog mit seiner Frau Ute, einer Hamburgerin, zurück ins Erzgebirge. Mit Bruder Roland übernahm er den Familienbetrieb. Heute spricht er lieber über das Drechseln als über die Zeit bei Sony. Es sei das Wesen des praktischen Handwerks, das ihn fasziniert, die Mischung aus Technik und Formgestaltung.

Am Ende des Gesprächs geht es dennoch um Musik. Auf die Frage, welche Empfehlungen er für das Jahr 2021 habe, erzählt Steinert, er kaufe sich stets die neuen Alben von Neil Young - und er liebe Motorpsycho, eine Rockband aus Norwegen. Ganz zum Schluss zieht er dann wieder den Bogen zur Politik, und zwar einen optimistischen. Die Musikbranche sei mittlerweile aus ihrer Krise herausgekommen, Menschen fänden stets Lösungen. Das gelte auch für Corona - und andere Herausforderungen.

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