Preise für besondere Menschen

Alle zwei Jahre vergibt Ehrenfriedersdorf Auszeichnungen an verdienstvolle Bürger. Die Namen der diesjährigen sind sehr bekannt.

Ehrenfriedersdorf.

Monika Knauth, Gudrun Neubert und Siegfried Seid haben die Ehrenpreise der Stadt Ehrenfriedersdorf erhalten. Vergeben wird die Auszeichnung alle zwei Jahre. "Dabei zeichnet alle Preisträger eines aus: Sie packen zu, sind Leute, die ohne großes Aufsehen zur Tat schreiten, auf die immer Verlass ist", würdigte Bürgermeisterin Silke Franzl zusammen mit den Laudatoren Carmen Krüger und Frank Uhlig die drei Ausgezeichneten und bescheinigte ihnen Herz und Verstand in einer Zeit, die immer mehr vom Ellenbogendenken bestimmt werde.

Monika Knauth: Künstlerische Brauchtumspflege im Erzgebirge ist untrennbar mit ihrem Namen verbunden. Als Musiklehrerin zählt sie zu jenen, die Kinder und Jugendliche für das regionale Sprach- und Liedgut begeistern, die bemüht sind, das musische Erbe altersgerecht zu beleben und weiterzugeben. Dabei schätzte die gebürtige Burkhardtsdorferin die Melodien des Erzgebirges schon zu DDR-Zeiten. Sie stand als Leiterin der Kindergruppe Bergfinken vor, die auf Bühnen im gesamten Land unterwegs waren und Fernsehpräsenz erlangten. Als Mitgestalterin und Jurorin betreute sie die Jugendkulturtage des Erzgebirgsvereins, gehörte zu den Autoren erfolgreicher Kinderliederbücher und textet, komponiert und arrangiert bis heute für Ensembles. Nach der Wende gehörte sie zusammen mit ihrem Mann Reiner, der im Frühjahr noch vor dieser auch ihm bestimmten Ehrung verstarb, zu jenen, die den Erzgebirgszweigverein Ehrenfriedersdorf wieder aufbauten, und stand diesem bis 2008 als Vorsitzende vor. Das Archiv der Bergstadt baut auch auf gesammelte Unterlagen, die Knauths als Dauerleihgabe überlassen haben. In ungezählten Stunden haben sie die Beiträge von 145 Autoren erfasst, erforscht und aufbereitet, in der Hoffnung, dass die reichlich 2500 Beiträge in ein noch zu gründendes sächsisches Musik- und Mundartarchiv, ähnlich dem bayerischen, aufgenommen werden.

Gudrun Neubert: Die Geschicke einer Stadt und ihrer Menschen dürfte kaum ein Einheimischer besser kennen als die langjährige Pfarrerin der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde. Mit Gudrun Neubert ehrten die Stadtverantwortlichen eine Seelsorgerin, die auch nichtgläubige Ehrenfriedersdorfer gut kennen. 37 Jahre war die 63-Jährige eng mit ihren Gemeindemitgliedern von St. Niklas verknüpft, als ihr Berufsleben am 30. Juni 2018 mit dem letzten Gottesdienst endete. In Meißen geboren und konfirmiert, studierte sie am Theologischen Seminar in Leipzig. Als sie 1976 ihren Mann Dieter, einen Erzgebirger, heiratete, war noch nicht entschieden, ihm in diese Region zu folgen. Allerdings: Spätestens mit dem vor Ort absolvierten Vikariat, die praktische Ausbildungszeit der Pfarrer, und einem die Ehrenfriedersdorfer Kirchverantwortlichen überzeugenden Probegottesdienst am 20. April 1981, wurde die Bergstadt ihre Wirkungsstätte. Am 6. September jenen Jahres wurde die Theologin in ihrer Aufgabe geweiht. Und war damit die erste Frau nach 34 Pfarrern seit der Reformation in diesem Kirchenamt. 525 Kinder und Erwachsene hat sie seitdem getauft, 514 Mädchen und Jungen konfirmiert, 141 Hochzeiten geschlossen und 719 Mitbürger auf ihrem letzten Weg begleitet.

Siegfried Seidl: Mit ihm ehren die Bergstädter einen Ingenieur der handwerklichen Extraklasse und Problemlöser kniffligster Techniksachverhalte. Davon profitieren noch heute Schiffsmodellsportler des örtlichen Vereins, dessen Vorsitzender der 78-Jährige seit 1978 ist, genauso wie Ausstellungsbetriebe und Museen. Sollte die Mechanik eines Weihnachtsbergs im Depot Pohl-Ströer in Gelenau nicht schnurren oder ein Engel in der Manufaktur der Träume in Annaberg den Flügelschlag verweigern, der Maschinenbauer hat das berühmte goldene Händchen. Als gelernter Böttcher absolvierte Siegfried Seidl die Arbeiter- und Bauernfakultät, studierte und arbeitete in dem auf dem Sauberg ansässigen Bergbauunternehmen als Leiter Investitionen.

Die Wende bedeutete für ihn einen Neubeginn: Der gebürtige Annaberger wagte den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete das Unternehmen Seiwo GmbH Drebach mit. Der Technikexperte sorgte dafür, dass Schiffsmodellsport selbst international mit der Bergstadt verbunden wird. Zwei Mal nahm Siegfried Seidl an Weltmeisterschaften teil und sicherte sich mit den sonst im Weberteich Schönfeld operierenden Nachbauten die Vizeweltmeistertitel. Zudem gestaltet der fünffache Urgroßvater Heimatabende, und auf Reisen übernimmt der Geehrte oft den Part, seinen Mitstreitern Technik zu erklären und Einblicke hinter die Kulissen zu gewähren.

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