Protest gegen Beckenkürzung zieht Entscheidung in die Länge

Der Gemeinderat Grünhainichen hat nach einer von 600 Bürgern unterzeichneten Petition den Beschluss über die Verkleinerung des Schwimmer- beckens in Borstendorf verschoben. Aber das birgt auch ein Risiko.

Borstendorf.

So voll hätte das Bad sein müssen, meinte ein Besucher der jüngsten Sitzung des Grünhainichener Gemeinderates angesichts des bis auf den letzten Platz gefüllten Raumes. Als Helga Uhlig zu Beginn der Einwohnerfragestunde eine Petition gegen die geplante Verkleinerung des Schwimmbeckens im Borstendorfer Freibad verlesen hatte und die von 600 Bürgern unterzeichnete Bittschrift Bürgermeister Robert Arnold überreichte, gab es viel Beifall aus den Zuschauerreihen. "Wir bitten den Gemeinderat, die Entscheidung zu überdenken", sagte Helga Uhlig vor dem Tagesordnungspunkt, in dem die Vergabe der für Herbst geplanten Bauleistungen für die Verkürzung des Beckens von 55 auf 33 Meter erfolgen sollte.

Laut den Ergebnissen einer Arbeitsgruppe ist das die in finanzieller Hinsicht einzige Möglichkeit, um den Fortbestand des mehr als 90 Jahre alten Freibades sichern zu können. Nachdem bei Instandsetzungsarbeiten im Frühjahr 2017 nicht alle schadhaften Stellen des Beckens beseitigt werden konnten, soll nun der Bereich mit den größten bautechnischen Mängeln an Boden und Wänden durch eine Mauer abgetrennt und verfüllt werden.


Genau das wollen die Verfasser der Petition verhindern. "Erst der Sprungturm, dann die Rutsche, jetzt das Becken und irgendwann das ganze Bad", fasste ein Mann die Ängste der Unterzeichner zusammen. "Die Leute, die das Bad mit eigenen Händen ausgehoben haben, würden sich im Grab umdrehen", meinte eine Frau.

Doch es gab auch andere Wortmeldungen. "Lieber ein kleineres Bad als gar keins mehr", verwies eine Besucherin auf eine mögliche Schließung der Freizeiteinrichtung, falls wegen der maroden Bausubstanz Anforderungen an Sicherheit oder Wasserqualität nicht mehr erfüllt werden können.

"Es muss doch auch eine andere Möglichkeit geben als die Verkleinerung des Beckens", sagte Heidi Swigon. Die Borstendorferin gehört zu den Initiatoren der Unterschriftensammlung sowie zu einer Gruppe von mehr als zehn Freizeitschwimmern, die regelmäßig im 50-Meter-Becken des Schachdorfes ihre Bahnen ziehen. Die 54-Jährige warf der Gemeinde vor, die Zukunft des Borstendorfer Bades aufs Spiel zu setzen.

"Wir tun alles uns Mögliche, um das Bad zu erhalten", versicherte Bürgermeister Arnold. Das hätten die umfangreichen Sanierungs- und Verschönerungsarbeiten in den vergangenen Jahren und nicht zuletzt auch die Bildung der Arbeitsgruppe gezeigt. "Wenn uns das Bad egal wäre, dann hätten wir das nicht gemacht." Die 250.000 Euro, die für eine Sanierung des Beckens notwendig wären, stünden der Gemeinde nicht nächstes und auch nicht übernächstes Jahr zur Verfügung. "Aber wir müssen jetzt etwas tun", begründete der Bürgermeister den geplanten Umbau. Dabei dürfte Arnold auch den Gemeinderat hinter sich wissen, wie die fast zweistündige Diskussion zeigte. Dennoch kam das Gemeindeparlament der Empfehlung der Verwaltungsvorsitzenden Kathrin Ardelt nach, die Vergabe der Bauleistung aufgrund der Petition bis zur nächsten Sitzung zu verschieben. Selbst auf die Gefahr hin, dass die Baufirma, die die Beckenverkleinerung vornehmen will, dann nicht mehr zur Verfügung stehe. Ardelt: "Die Firma muss ja auch planen und wartet nicht ewig auf uns."

Die Unterzeichner der Bittschrift haben am Mittwoch bei einer vom Bürgermeister kurzfristig angesetzten Runde nun die Möglichkeit, ihre Vorstellungen vom Fortbestand des Borstendorfer Bades vorzubringen. Ob dabei die schon mehrfach angesprochene Variante von der Gründung eines Fördervereins, der das Bad übernimmt, ernsthaft in Erwägung gezogen wird, konnte noch keiner der Beteiligten sagen.

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