Schneebruch: Kühnhaide und Rübenau einen Tag abgeschnitten

Die Straßen, die in die beiden Dörfer führen, waren mehr als einen Tag lang gesperrt. Gestern Abend gab es vorerst Entwarnung: Die Marienberger Ortsteile sollten wieder erreichbar sein.

Kühnhaide/Rübenau.

Während in vielen Bereichen des Erzgebirges Regen und Temperaturen im Plusbereich die Schneedecke schmelzen ließen, spitzte sich speziell in den Kammgemeinden die Lage zu. "Der Schnee auf den Bäumen wird immer schwerer. Irgendwann halten die Äste die Last nicht mehr. Einzelne Äste brechen ab oder der ganze Baum stürzt um", so der Leiter des Ansprunger Forstreviers, Hubertus Heine. Wegen des Schneebruchs waren seit Samstagnachmittag die Orte Rübenau, Kühnhaide und der Bereich Wildshäuser nicht mehr über Straßen zu erreichen.

Gestern Abend gab es dann Entwarnung - vorerst. "19 Uhr wird die Staatsstraße 216 zwischen Reitzenhain und Olbernhau geöffnet", sagte Jens Zienert, Leiter der Zöblitzer Straßenmeisterei, nach einer gemeinsamen Begehung mit den beiden Revierförstern. Eine Ankündigung mit Einschränkungen, denn die wechselhafte Wetterlage mit Regen und Schnee kann die Situation schnell wieder ändern. Weiterhin gesperrt ist allerdings die Staatsstraße 217 zwischen Rübenau und Ansprung.

"Am Samstag ging es gegen 12.40 Uhr los. Da waren zwischen Reitzenhain und Wildshäuser drei Bäume umgebrochen und blockierten die Straße. Die Feuerwehr Reitzenhain hat sie weggeräumt und noch eine Gefahrenfällung vorgenommen. In Anbetracht der augenscheinlich drohenden Gefahr weiteren Schneebruchs haben wir dann die Polizei und auch die Straßenmeisterei angefordert", berichtete René Timmel, Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Reitzenhain. "Noch am Samstagnachmittag haben wir dann zwischen Reitzenhain und Wildshäuser auf einer Strecke von etwa 400 Metern 20 Bäume gefällt. Bei Einbruch der Dunkelheit wurde im Ergebnis einer Beratung mit der Polizei, dem Kreisbrandmeister und der Straßenmeisterei die Straße zwischen Ortsausgang Reitzenhain und Ortseingang Kühnhaide voll gesperrt", so René Timmel weiter. Da auch zwischen Pobershau und Kühnhaide, zwischen Kühnhaide und der B 174, zwischen Ansprung und Rübenau sowie zwischen Olbernhau und Rübenau mehrere Bäume brachen beziehungsweise umzustürzen drohten, wurden am frühen Abend auch diese Straßen voll gesperrt. Rübenau und Kühnhaide sowie Wildshäuser waren somit von der Außenwelt abgeschnitten.

"Die Feuerwehren Satzung, Reitzenhain, Kühnhaide, Rübenau, Zöblitz und die Führungsgruppe der Feuerwehr Marienberg waren in der Nacht zu Sonntag in Dauereinsatzbereitschaft in ihren Gerätehäusern, um etwa dem Rettungsdienst bei einem medizinischen Notfall den Weg freizuschneiden", so René Timmel. Um Kameraden zumindest eine kleine Verschnaufpause zu ermöglichen, übernahmen die Satzunger Kollegen bis 1 Uhr die Bereitschaft im Reitzenhainer Gerätehaus. "Mit insgesamt elf Kameraden waren wir ab da auf Kontrollfahrt im Ort, bis nach Satzung und teilweise auch bis Steinbach. Zweimal mussten wir aktiv werden und Bäume beseitigen", so René Timmel, der, nachdem er gegen 8.30 Uhr wieder zuhause war, zur Schneeschaufel griff und sein Grundstück beräumte.

Die Erholung danach fiel allerdings flach, da die Kameraden erneut zu zwei Einsätzen gerufen wurden. "Kurz vor 12.30 Uhr haben wir dann tatsächlich den Notarzt und den Rettungswagen auf dem Weg zu einem medizinischen Notfall nach Kühnhaide durch die Gefahrenstellen eskortiert", sagt René Timmel.

In Kühnhaide übernahmen die Kameraden der dortigen Feuerwehr Arzt und Sanitäter. "Zudem haben wir die Landung eines Rettungshubschraubers abgesichert", so der Kühnhaider Wehrleiter Frank Langer. Auch er und seine Kameraden waren in der Nacht im Gerätehaus. "Wir haben vier Schichten mit jeweils drei Kameraden eingerichtet", so Langer.

Gestern Morgen begann Tilo Hedrich vom gleichnamigen Forstservice gemeinsam mit Peter Auerbach und einem sogenannten Rückezug im Auftrag des Sachsenforstes zunächst die Verbindungsstraße zwischen Ansprung und Rübenau vom Schneebruch zu befreien und wieder befahrbar zu machen. "Was auf der Straße liegt, wird beräumt. Zusätzlich fällen wir einzelne Bäume, wenn von ihnen eine Gefahr ausgeht," so Tilo Hedrich.

Das alles passierte an einem Wochenende. Was, wenn es wochentags wieder eine ähnliche Situation gibt und die freiwilligen Feuerwehren gefragt sind? Die Wehren würden sich auf große Einsätze vorbereiten, so René Timmel. Personal werde durchgetauscht, benachbarte Feuerwehren helfen demnach aus. Er erinnerte an Einsätze wie den Großbrand in einer ehemaligen Fabrik in Niederschmiedeberg, bei dem zahlreiche Wehren tagelang vor Ort waren. Und dennoch war der Einsatz am Wochenende etwas sehr Ungewöhnliches, gesteht der Wehrleiter: "So etwas habe ich in 20 Jahren bei der Feuerwehr noch nicht erlebt."

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