Streit ums Birkhuhn setzt sich fort

Das Artenschutzprogramm des Freistaates soll die Tiere vor dem Aussterben bewahren. Doch die Initiative Birkhuhnschutz sagt, es sei zu schwammig formuliert. Die Forstlobby warnt vor Waldzerstörung.

Marienberg/Dresden.

Aufgeben kommt für Udo Kolbe von der Initiative Birkhuhnschutz nicht infrage. Er fordert: Der Freistaat muss nachbessern. Das Artenschutzkonzept, Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) hatte es jüngst in Kraft gesetzt, reiche nicht weit genug.

Hieß es erst, ein Kompromiss sei gefunden, zeigte sich unlängst: Weder die Birkhuhnunterstützer noch die Forst- und Waldlobby sind zufrieden. Die einen schrieben dem Umweltminister direkt ihre Kritikpunkte, die anderen verteilten einen offenen Brief. Das Umweltministerium sagt dazu nichts. Das direkte Schreiben werde man beantworten, auf offene Briefe reagiere man generell nicht, so Ministeriumssprecher Frank Meyer vor einigen Tagen.

Die Streitpunkte? Udo Kolbe kritisiert: Es gebe im Artenschutzprogramm zu wenig Brut- und Aufzuchtfläche. Seinen Worten zufolge seien dafür in den noch von Birkhühnern besiedelten Gebieten - eines befindet sich bei Satzung - zwischen 200 und 400 Hektar vorgesehen. Mindestens 720 Hektar sind laut Kolbe nötig, um den Bestand von insgesamt etwa 30 Tieren im Erzgebirge zu sichern. Auf den Brut- und Aufzuchtflächen gelten im Vergleich zu den ebenfalls im Artenschutzprogramm festgeschriebenen Herbst- und Winterquartieren sowie zu den Pufferflächen strengere Anforderungen an die Forstwirtschaft. Beim Thema Balzplätze bestehe hingegen Einigkeit, sagt Kolbe.

Auch der Auerbacher Ornithologe Michael Thoß ist Mitglied der Initiative. Er geht einen Schritt weiter und sagt: Die Definition, wie birkhuhnfreundlicher Wald gestaltet sein soll, sei zu offen formuliert. Das führe zwangsläufig zu Problemen in den regionalen Arbeitsgruppen, in denen der Forst dann seine Interessen wieder uneingeschränkt durchsetzen werde, vermutet Thoß. Er kritisiert so wie Kolbe, dass die Naturschützer die Endfassung des Papiers vor Inkrafttreten nicht nochmals vorgelegt bekommen hätten.

Im offenen Brief der Gegenseite, namentlich von sechs Landesverbänden, von der Stiftung Wald bis zur Forstunternehmervertretung, wird unterdessen vor der mit dem Artenschutzprogramm einhergehenden "Waldzerstörung" gewarnt. Angesichts des derzeitigen Waldsterbens sei es unverhältnismäßig, in einem fest definierten Gebiet auf Hunderten Hektar jeden Baum über sechs Meter zu fällen.

Das Artenschutzprogramm sei ein Kompromiss zwischen Naturschutz und Forstinteressen, betont Frank Meyer. Es sei nicht in Stein gemeißelt. "Wir werden sehen, ob das Programm funktioniert. Sonst müssen wir eben nachbessern."

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