Suchtprävention: Schüler helfen Schülern

Drogen, Internet, Glücksspiel - Sucht kennt viele Gesichter. Gute Ratschläge und Unterstützung können dazu beitragen, Probleme rechtzeitig zu erkennen. Dass diese Hilfe nicht immer von Erwachsenen kommen muss, zeigt ein besonderes Projekt.

Ehrenfriedersdorf/Dörfel.

Sie nennen sich Schülermultiplikatoren. Und hinter dem etwas sperrigen Begriff steckt ein ganz einfaches Prinzip: An Oberschulen und Gymnasien in der Region gibt es Jugendliche, die für ihre Mitschüler als Ansprechpartner beim Thema Sucht da sind. Ihr Hauptanliegen ist die Prävention. Das heißt, es geht vor allem darum, vorbeugend aktiv zu werden. Sie geben ihr Wissen weiter, organisieren Projekttage, helfen bei Problemen und sind für all diese Aufgaben speziell geschult.

Für die Schülermultiplikatoren findet daher einmal im Jahr ein Ausbildungscamp im Naturschutzzentrum Dörfel statt. Vor Kurzem war es wieder so weit. Viele der mehr als 20 Anwesenden haben den dreitägigen Kurs bereits in den Vorjahren besucht. Aber auch einige neue Multiplikatoren waren dabei. Gemeinsam mit Andreas Bauer, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, diskutierten die Schüler unter anderem über verschiedene Drogen, süchtiges Verhalten und ihre Erfahrungen im Alltag. Zu Gast war auch Grit Wagner, die in ihrem Buch "Ich, das Kind aus der Schnapsflasche" das Fetale-Alkohol-Syndrom thematisiert. Darin erzählt sie von ihrer Mutter, die während der Schwangerschaft Unmengen Alkohol trank und welche Folgen dies für sie, Grit Wagner, bis heute hat.

Das Projekt der Schülermultiplikatoren ist erfolgreich, gerade weil hier Suchtprävention auf Augenhöhe unter Gleichaltrigen geschieht. Gerwin Lässig ist 16 Jahre alt, kommt aus Thum und besucht die Oberschule in Auerbach. Seit drei Jahren ist er Schülermultiplikator, zum dritten Mal war er bei dem Intensivkurs dabei. Trotzdem lerne er immer wieder etwas Neues. "Ich wurde schon direkt von Mitschülern angesprochen", erzählt Gerwin Lässig. Einem habe er geholfen, mit dem Zigarettenrauchen aufzuhören. Einen anderen unterstützte er dabei, Ruhe vor Dealern zu bekommen, die dem Mitschüler immer wieder Drogen anboten.

Lotte Drexler (14) ist auch schon einige Zeit Multiplikatorin. "Gerade im Erzgebirge sind ja viele Drogen im Umlauf", sagt sie und begründet so ihr Engagement. Zwar sei an ihrer Schule das Thema Drogen kein großes Problem, dennoch ist es in ihren Augen wichtig, aktiv daran zu arbeiten, dass das so bleibt. Außerdem kenne sie durchaus Leute, die Drogen ausprobiert haben.

Das Projekt "Schülermultiplikatoren" läuft seit Jahren und wird vom Kinder- und Jugendverein Ehrenfriedersdorf organisiert. Seit 2009 laufen die Fäden bei Birgit Bauer zusammen. "Damals nahmen vier Schulen teil, heute sind es zwölf." Je nach Größe der Schule gebe es zwei bis acht Schülermultiplikatoren. Sie arbeiten eng mit den Beratungslehrern zusammen, sind Ansprechpartner bei Themen wie Sucht, Mobbing und Gewalt. Neben dem einmal jährlich stattfindenden Ausbildungscamp finden auch regelmäßig Treffen statt, bei denen sie sich über Erfahrungen austauschen können und Aktionen wie Projekttage planen.

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