Unternehmen der Region leiden unter Pendlersperre

Mogatec strebt Kurzarbeiterregelung für Tschechen an

Grießbach/Heidersdorf.

Grenzschließungen, die Tschechien wegen der Corona-Pandemie nun auch für Berufspendler angeordnet hat, treffen das Erzgebirge hart. Von einer großen Herausforderung, die fehlenden Arbeitskräfte zu kompensieren, spricht Tobias Wetzel, Geschäftsführer der Mogatec Moderne Gartentechnik GmbH in Drebach. Die Firma beschäftigt 150 Mitarbeiter in der Produktion, darunter 18 tschechische Staatsbürger - Festangestellte und Leiharbeiter. Am gestrigen Mittwoch sollten sie vorerst das letzte Mal zur Arbeit kommen.

Mitarbeiter aus anderen Bereichen sollen ab dem heutigen Donnerstag ihre Aufgaben übernehmen, sagt der Firmenchef. Er hofft auf ein baldiges Ende der Corona-Krise und kündigt Kurzarbeiterregelungen für die Tschechen an. "Wir stehen zu unseren Mitarbeitern und wollen sie nicht in die Arbeitslosigkeit schicken. Sobald wir in normales Fahrwasser kommen, werden wir sie wieder aktivieren." Derzeit läuft die Produktion bei dem Gartengerätehersteller. Hinsichtlich der Auftragslage und der Komponentenverfügbarkeit könne man deutlich die Zeit bis nach Ostern überblicken.

22 Fahrer sind bei der Heidersdorfer Spedition Utra Umschlag & Transport Gesellschaft beschäftigt, neun von ihnen kommen aus Tschechien. Normalerweise kehren sie an freien Tagen zu ihren Familien zurück. Das ist derzeit nicht möglich. "Wenn sie aus Deutschland nach Tschechien einreisen, müssen sie für 14 Tage in Quarantäne", erklärt Disponent Ronny Hammer. Pendeln zwischen dem Wohnsitz und der Arbeitsstelle sei damit nicht mehr möglich. "Wenn die Fahrer nicht unterwegs sind, übernachten sie im Heidersdorfer Landhotel Quelle, das wegen Corona aktuell nicht geöffnet ist." Andernfalls müsste die Spedition Aufträge ablehnen - zu Lasten der Versorgung. Die Heidersdorfer Firma transportiert etwa Lebensmittel und Baustoffe.

Betroffen von der Pendlersperre sind auch Krankenhäuser. "Bei uns einige ärztliche Mitarbeiter, der Pflegedienst nicht", sagt Mandy Knoch, Sprecherin der Kliniken Erlabrunn gGmbH. Einige tschechische Ärztinnen an diesen Kliniken sind Mütter und bleiben daher nun in Tschechien. "Andere tschechische Ärzte werden in unseren Unterkünften auf dem Klinikgelände untergebracht", so Knoch. ,"Wir sind froh und dankbar, dass Mitarbeiter individuelle Lösungen gefunden haben und so einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, den Krankenhausbetrieb aufrecht zu erhalten." (mik/geom/stl)


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