Vereinsriege löst CDU als stärkste Kraft ab

Die Wählervereinigung mit Ex-Oberbürgermeister Klaus Baumann an der Spitze hat die meisten Sitze im Stadtrat bekommen. Erdrutschartige Verluste verzeichnen hingegen die Christdemokraten.

Zschopau.

Von den Kommunen im Zschopauer Raum haben die Gemeindewahlergebnisse aus Großolbersdorf und Zschopau erst am gestrigen Montag vorgelegen. Insbesondere das Auszählen der Briefwahlstimmen nahm in Zschopau viel Zeit in Anspruch, sagte am gestrigen Montag Wilfried Leibling vor dem Hintergrund, dass der Briefwahlvorstand personell neu organisiert wurde. 4.20 Uhr ging nach den Worten des Gemeindewahlausschussvorsitzenden die letzte Schnellmeldung raus. Leibling erinnert sich an einen ähnlichen Auszählmarathon im Jahr 1994: "Damals hatten wir abgebrochen und am nächsten Morgen weiter gezählt."

Vereinsriege stärkste Kraft in Zschopau: Die Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat bleiben schwierig. Erneut werden fünf Parteien/Wählervereinigungen einziehen. Nicht mehr dabei ist die SPD, die ihren Sitz verliert. Neu hinzu kommt dagegen die Wählervereinigung "Wir - die Vereine" (WdV). Die Vereinsriege hat aus dem Stand heraus fünf Sitze bekommen und gilt damit als große Gewinnerin der Kommunalwahl.


Eine erdrutschartige Niederlage ereilte dagegen die CDU. Im Vergleich zur 2014er-Wahl büßen die Christdemokraten 21 Prozentpunkte ein und müssen somit auf die Hälfte ihrer Plätze verzichten. Für Fraktionschef Wilfried Heidl kommt das nicht überraschend: "Es war schon schwierig, überhaupt Kandidaten zu finden." Die große Politik mag er zwar nicht für das Abschneiden seiner Partei auf Kommunalebene verantwortlich machen, fügt aber hinzu: "Vielleicht liegt es ja auch an den Themen der Umwelt, dass viele umgeschwenkt sind."

Die Bündnisgrünen dürfen sich jedenfalls als die zweiten großen Gewinner zählen. Stadtrat Niels Sigmund hat sein Ziel erreicht: Mit der Verdopplung der Sitzanzahl erhält die Partei Fraktionsstatus. "Damit haben wir nun die Möglichkeit, Anträge zur Tagesordnung einzubringen, einen sachkundigen Einwohner in den Stadtrat zu berufen und Räume für unsere Fraktionsarbeit zu nutzen." Bei der anstehenden Entscheidung zum Bau eines Naturbades oder Bürgersaals sieht Niels Sigmund weiter schwierige Mehrheitsverhältnisse. Für den Bürgersaal bräuchte es wahrscheinlich Unterstützer aus mindestens drei, vermutlich sogar vier Parteien, so der bekennende Befürworter des Kultursaal-Projektes.

Zumindest in dieser Frage scheinen er und der Vertreter der künftig stärksten Stadtratsfraktion an einem Strang zu ziehen. Der Bau eines Bürgersaals habe für ihn Priorität, bekundete Klaus Baumann an der Spitze der Vereinsliste gestern erneut. "Ich bin sehr froh, dass wir von Null auf fünf Sitze gekommen sind. Das zeigt, dass unsere Inhalte die Wähler interessieren", fügte der Vorgänger von Oberbürgermeister Arne Sigmund hinzu. Er gehe davon aus, dass alle in den Stadtrat gewählten Vertreter ihr Ehrenamt annehmen werden.

Vom Einbruch der CDU konnte der Bund Freier Wähler (BFW) nicht profitieren. Zwar gewann der BFW einige Prozentpunkte hinzu. Das ändert aber nichts an der Sitzverteilung. "Wir hätten gern einen mehr gehabt, sind aber mit dem Ergebnis und der Anzahl der Stimmen trotzdem zufrieden", sagt Sprecher Mirko Caspar. Mit Blick auf die Verjüngung des Gremiums hoffe er in der kommenden Legislaturperiode auf eine "neue, konstruktive Diskussionskultur".

Auch Linke-Fraktionschef Jürgen Hetzner sieht "eine gute Mischung zwischen Jung und Alt". Seine Partei bekommt im neuen Stadtrat allerdings zwei Sitze weniger als bisher. Ebenso wie Heidl zeigt sich Hetzner nicht überrascht: "Das war von vornherein klar. Im ländlichen Raum wird es für uns immer komplizierter, Mitstreiter zu finden." Hinsichtlich der Zusammensetzung des Gremiums gibt sich Hetzner trotzdem zuversichtlich: "Da sitzen konsensfähige Leute drin. Wir haben eine gute Situation, um ein paar Dinge gemeinsam voranzubringen."

Oberbürgermeister Sigmund ist ebenso gespannt auf die Zusammenarbeit: "Ich freue mich über viele neue Gesichter, die Verantwortung übernehmen." Als lobenswert hebt er die hohe Wahlbeteiligung hervor.

Keine Verschiebungen in Großolbersdorf: Der Handels- und Gewerbeverband Großolbersdorf (41,4 Prozent) und die CDU (38,6) bleiben die stärksten Kräfte im Gemeinderat. Beide belegen jeweils fünf Sitze. Die SPD (10,1) und die Sportgemeinschaft Hohndorf (9,9) sind mit Einzelkämpfern vertreten.

Nur noch zwei Fraktionen in Großrückerswalde: Die Wählergemeinschaft Pro Großrückerswalde ist der große Gewinner der Kommunalwahl in Großrückerswalde. Bislang saß André Rösch als Einzelkandidat im Rat. Nun kommt seine Vereinigung mit 40,8 Prozent der Stimmen auf sieben Sitze. Trotz 14,1 Prozentpunkte Verluste bleibt der CDU mit neun Sitzen die absolute Mehrheit. Sven Meyer (Unabhängige Loyale Wählervereinigung) und Peter Weiß (Die Linke) haben den erneuten Einzug in den Gemeinderat verpasst. "Ich habe mit 295 Stimmen das sechstbeste Ergebnis erzielt. Aber als Einzelkandidat reicht es nicht", sagt Meyer, der sich trotzdem bei seinen Unterstützern bedankt.

"Bei uns lief alles reibungslos", sagt David Mühl, Wahlausschuss-Vorsitzender in der Gemeinde Großrückerswalde, auf die Frage, warum auf der Internetseite des Statistischen Landesamtes die Ergebnisse aus Großrückerswalde zwischenzeitlich wieder verschwanden. In Heidersdorf hingegen wurde das Wahlergebnis tatsächlich zu früh gemeldet. Da die Auszählung nicht korrekt war, wurde sie wiederholt.

André Rösch, alter und neuer Gemeinderat von Pro Großrückerswalde, befand: "Das Abschneiden übertrifft unsere Erwartungen. Mit sieben Sitzen haben wir nun bessere Chancen auf Veränderungen. Ich hoffe, dass wir Ausschüsse, Sitzungspläne und eine Bürgerfragestunde im Rat einführen können. Ansonsten wünsche ich mir eine gute Arbeit für die Gemeinde - mit der CDU gemeinsam." (mit hd/rickh)

 

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Reaktionen

Uwe Günther, Bürgermeister von Großolbersdorf, (Handels- und Gewerbeverband): Ich freue mich natürlich über die 41,4 Prozent für den Handels- und Gewerbeverband. 2005, als die Vereinigung erstmals für den Gemeinderat antrat, hatten wir 20 Prozent. Die Zahl ist seitdem ständig nach oben gegangen. Das zeigt, dass die Leute mit unserer Arbeit zufrieden sind. Im Gemeinderat wird es auch weiterhin keine Fraktionszwänge und kein Parteienkalkül geben. Ich hoffe, dass wie bisher ein angenehmes Miteinander herrscht, auch wenn es gegenteilige Meinungen gibt. Sehr positiv ist für mich auch die Wahlbeteiligung von mehr als 72 Prozent. Das ist der höchste Wert bei Kommunalwahlen in Großolbersdorf seit 1994. Damals waren es 86 Prozent.

Robert Arnold, Bürgermeister von Grünhainichen, (parteilos): Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Der Gemeinderat ist gemischt und zum Teil auch neu besetzt. Die Freie Bürgerinitiative Waldkirchen etwa hat starke fünf Sitze geholt. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit. Die Wahlbeteiligung war sehr gut.

Frank Lohr, Bürgermeister von Börnichen, (parteilos): Ein Ergebnis, das zu erwarten war. Drei alte Ratsmitglieder sind ausgeschieden, drei neue dazugekommen. Es ist zwar immer schade, wenn erfahrene Leute aufhören, doch neue Gesichter bedeuten oft auch neue Ideen. Das ist eine Chance. Ich hoffe, dass wir weiterhin so konstruktiv zusammenarbeiten. Die Wahlbeteiligung hätte höher sein können.

Knut Schreiter, Bürgermeister von Gelenau, (CDU): Ich freue mich über die hohe Wahlbeteiligung von 73,1 Prozent, zeigt diese doch das Interesse der Bürger für ihren Ort. Gut finde ich die Mischung von erfahrenen Räten und jungen Menschen - ein insgesamt ordentliches, bürgerschaftliches Ergebnis. Schade jedoch, dass nur noch eine Frau dem Gremium angehört. Die potenzielle Bereitschaft vor allem junger Frauen wird leider oft wegen der Kindererziehung, dem Wiedereinstieg in den Beruf, aber auch vom Unverständnis vieler Arbeitgeber für das Engagement in der Gemeinde ausgebremst. Nach dem Wahlkampf erwarte ich jetzt von allen Gemeinderäten eine sachorientierte Arbeit mit Blick nach vorn.

Sylvio Krause, Bürgermeister von Amtsberg, (CDU): Dass alle drei Bewerber der AfD auch in den Gemeinderat gewählt worden sind, hat mich nicht überrascht. Auch in neuer Konstellation wird das Gremium sicher weiterhin versuchen, eine vernünftige Politik für die Gemeinde zu machen. Ich nehme an, dass jeder, der sich - unabhängig von seiner politischen Überzeugung - für einen Platz im Rat beworben hat, auch aktiv etwas für seinen Ort bewegen will. Das kann nun jeder mit seiner Sachkenntnis beweisen. (hd/mb)

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