Volksvertreter will musikalisches Hobby nicht missen

Frank-Müller Rosentritt sitzt im Bundestag. Und ist Mitglied der Heidelbachtal-Musikanten, weil er Blasmusik auf hohem Niveau schätzt. Jetzt geht er noch unter die Tänzer.

Drebach/Thum.

Das Flügelhorn hat in einer Blaskapelle eine herausragende Stellung, vergleichbar mit der ersten Geige in einem Sinfonieorchester. Beides sind Melodieinstrumente, sie geben die Richtung vor. Nach dem Ende eines Konzerts reicht der Dirigent dem ersten Geiger die Hand, stellvertretend für das ganze Orchester. Frank Müller-Rosentritt ist dies bei einem Auftritt der Heidelbachtal-Musikanten noch nie passiert. Das sei in einem Blasorchester nicht üblich, meint der Flügelhornist, der auf vielen Ebenen unterwegs ist.

Da ist sein Leben als Familienmensch mit Ehefrau und drei Töchtern in Chemnitz. Zudem arbeitet er als Banker. Allerdings hat er sich eine Auszeit vom Beruf genommen, weil er für die FDP im Bundestag sitzt. Als Abgeordneter ist er abwechselnd in Berlin und in seinem Wahlkreis in Chemnitz unterwegs. Frank Müller-Rosentritt ist auch noch Mitglied im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags und als solches viel mit anderen Parlamentariern im Ausland unterwegs. Und dann ist da noch der Flügelhornist Frank Müller-Rosentritt, der sich, so oft es ihm möglich ist, Zeit nimmt für sein Hobby.

Als die Heidelbachtal-Musikanten 2019 in New York gespielt haben, war der Chemnitzer mit einer Delegation des Deutschen Bundestags in Brasilien. "Ich bin von Brasilien nach New York geflogen, um mit der Kapelle auf der Steuben-Parade spielen zu können. Das war ganz groß", sagt Frank Müller-Rosentritt.

Seit dem achten Lebensjahr spielt der heute 37-Jährige Flügelhorn. Sein Instrument sticht unter den blanken Trompeten und Posaunen hervor, denn es sieht fast abgewetzt und schäbig aus. "Ich hatte mich für ein unlackiertes Modell entschieden, denn wichtig ist ja, was aus dem Schalltrichter heraus kommt", sagt Frank Müller-Rosentritt, der seinen Dirigenten schon lange kennt. "Robin Kürschner war mit mir im sächsischen Landesjugendorchester, er hat Posaune gespielt und ich Flügelhorn. Wir haben beispielsweise in der Freizeit Blasmusik von Ernst Mosch gehört, und Robin hat mich dann auch zur Drebacher Blaskapelle geholt. Das ist das, was ich schon immer machen wollte: Egerländer Blasmusik auf ganz hohem Niveau spielen. Auf sächsischem Spitzenniveau", sagt der Abgeordnete, der manche Übungsstunde versäumt, weil der Auswärtige Ausschuss tagt.

Der Musiker wagt sich auch auf glattes Parkett. Bei der Benefizgala "Star Dance", bei der Prominente aus Sport, Wirtschaft, Kultur und Politik gemeinsam mit Profitänzern der Chemnitzer Tanzschule Köhler-Schimmel tanzen werden, ist auch er dabei. "Ich kann zwar überhaupt nicht tanzen, aber weil es für einen guten Zweck ist, habe ich zugesagt", blickt er auf den 26. September voraus.

Für die 20 Musiker der Heidelbachtal-Musikanten ist der Bundestagsabgeordnete einfach Frank. "Er freut sich immer riesig, wenn er mitspielen kann. Das ist im Vorjahr bei der Hälfte unserer Konzerte der Fall gewesen", sagt der Vereinsvorsitzende Sven Melzer. Dass der erste Flügelhornist bei den Proben oft fehle, sei bei den Auftritten kein Problem. "Auch wenn er hin und wieder mal einen halben Ton daneben liegt, aber das passiert nun mal", räumt der Trompete spielende Vereinsvorsitzende schmunzelnd ein. Natürlich sei es mitunter schwierig, wenn Müller-Rosentritt aufgrund seiner beruflichen Verpflichtungen zwei Tage vorher absagen und Ersatz besorgt werden müsse. "Der Frank ist eine Bereicherung fürs Orchester, vor allem menschlich. Er ist einfach ein Kumpel", so Melzer. (mit mb)

Die Heidelbachtal-Musikanten sind wieder am 26. April zu erleben. Das Frühlingskonzert in der Ausstellungshalle Drebach beginnt 15 Uhr.


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