Waldakademie: Ab 2020 erste Seminare

Ein Verein ist gegründet, Lehrkräfte stehen zur Verfügung, der Bedarf wird als sehr groß eingeschätzt: Forstbesitzer sollen sich bald in Pfaffroda weiterbilden können. Doch vorerst nicht in den historischen Mauern.

Olbernhau.

Das Potenzial sei groß, der Zeitpunkt günstig: Zur Gründung des Seminarvereins der Waldakademie Pfaffroda haben sich die Teilnehmer zuversichtlich gezeigt, dass ihre Pläne aufgehen. Gemeinsam wollen sie das Schloss und damit den Olbernhauer Ortsteil zu einem Ausbildungszentrum für Forstbesitzer entwickeln.

1000 bis 1500 Teilnehmer jedes Jahr, so lautet das Ziel von Joachim Diener von Schönberg. Mit Alexander Diener von Schönberg hat er das Schloss Pfaffroda vor gut zwei Jahren für 60.000 Euro erworben. Seitdem treiben die Brüder ihr Vorhaben voran. Schon in rund einem Jahr sollen erste Seminare stattfinden. Unter anderem ist später auch ein Hotelbetrieb geplant. Längst haben sich die beiden Unterstützung gesucht. So gehören etwa Olbernhaus Bürgermeister Heinz-Peter Haustein (FDP), der Landtagsabgeordnete Jörg Markert (CDU), Reinhard Müller-Schönau, Vorsitzender des Sächsischen Waldbesitzerverbandes, und Vertreter des Verbandes "Familienbetriebe Land und Forst" zu den Gründungsmitgliedern.


Im Konzept zum Erhalt des Schlosses spielt der Seminarverein eine entscheidende Rolle. Er soll sich in den historischen Mauern einmieten und auf diese Weise zur Finanzierung beitragen. Damit der Verein kostendeckend arbeiten kann, werden genügend Seminarteilnehmer benötigt. Bis zu 1500 im Jahr seien durchaus realistisch, sagt Joachim Diener von Schönberg: "Es gibt allein in Sachsen rund 85.000 Waldbesitzer." Viele von ihnen besäßen kleinere Flächen mit wenigen Hektar. Diese zu bewirtschaften, bringe mitunter große Herausforderungen mit sich. Der Grund: Längst lebt ein Teil der Waldbesitzer in der Stadt. Aufgrund der Urbanisierung gehe in Hinblick auf Forstbewirtschaftung sowie Naturschutz mitunter Wissen verloren, so Joachim Diener von Schönberg. Genau an diesem Punkt soll die Ausbildung ansetzen. Noch dazu bringe der Klimawandel einen Weiterbildungsbedarf mit sich - angesichts von Wetterextremen, wie der Trockenheit im vorigen Jahr und des anstehenden Waldumbaus hin zu robusten Baumarten. Weiteres Beispiel: Aufgrund von Sturmschäden und drohender Borkenkäferplagen standen zuletzt viele Waldbesitzer vor großen Problemen. Es galt, die Schäden schnell zu beseitigen. Auch diesbezüglich will der Verein mit seinen Seminaren Hilfestellungen geben, wie auch Reinhard Müller-Schönau unterstreicht.

Damit wird in Pfaffroda ein ähnliches Konzept verfolgt, das es andernorts bereits in etablierter Form gibt. So existiert im bayerischen Kelheim seit Jahrzehnten eine Waldbauernschule. Er sehe keine Konkurrenzsituation, betont Albrecht Fürst zu Oettingen-Spielberg, vom Familienbetrieb Land und Forst Bayern. Der Verband setzt sich für den Erhalt und die Förderung des land- sowie forstwirtschaftlichen Eigentums ein. Die Nachfrage nach Seminaren nehme angesichts der großen Bedeutung des Waldes als Kohlendioxidspeicher weiter zu, so Fürst zu Oettingen-Spielberg. Beide Einrichtungen sollen seinen Worten zufolge eng zusammenarbeiten. Ähnlich sieht das Jörg Markert. Das Pfaffrodaer Angebot sei außerdem eine gute Ergänzung zur staatlichen Forstausbildung in Tharandt.

Hinsichtlich der Lehrkräfte gebe es bereits genügend Interessenten. Bezüglich der nötigen Räume soll in rund einem Jahr eine Übergangslösung zum Tragen kommen. Die Seminare finden zunächst ausschließlich im Freien, also direkt im Wald, statt, erklärt Joachim Diener von Schönberg. Die Schlosssanierung beginne erst Mitte 2020. Sie soll etwa zwei Jahre dauern. Fördermittelantrag, Planung, Ausschreibungen: All dies benötige Zeit. Insgesamt rund 8,5 Millionen Euro sollen nach aktuellem Stand in das Schloss investiert werden.

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