Wanderfreudige Senioren brauchen keinen Verein

Die Namensliste von Frank Nestler ist lang. Alle, die darauf stehen, eint eines: Sie lieben es, sich an der frischen Luft zu bewegen.

WALDKIRCHEN.

Mit straffem Schritt nimmt die Wandergruppe den Berg vom Zschopautal hoch zum alten Melkstand in Waldkirchen. Dass die 21 Wandersleute am Ende ihrer Tour angekommen sind, sieht man ihnen so wenig an wie ihr Alter. "Das war heute nur eine kurze Distanz von Waldkirchen in Richtung Krumhermersdorf zur Teufelsnase und im Zschopautal entlang bis zur Buschmühle", relativieren sie und freuen sich auf die Bratwurst, die Peter Neuhaus auf dem Grill vorbereitet hat. Auch ein Bier schmeckt nach acht Kilometern an der frischen Luft.

"Die gesamte Tour rund um Waldkirchen ist natürlich viel länger und musste voriges Jahr wegen schlechtem Wetter abgebrochen werden", berichtet Frank Nestler. "Heute haben wir sie zu Ende geführt", ergänzt der Wanderleiter. Bis zum Beginn der kalten Jahreszeit Ende Oktober treffen sich die Frauen und Männer 14-tägig zu Unternehmungen auf Schusters Rappen.

Nestler war es auch, der die Interessengruppe vor vier Jahren ins Leben gerufen hat und sich seitdem selbst in die Pflicht nimmt. "Gewandert bin ich schon immer gern", berichtet der Waldkirchener, dem nach seiner Pensionierung dafür die nötige Zeit zur Verfügung stand. Wenig später schloss sich Frank Nestler einer Zschopauer Wandergruppe an, die sich zu seinem Bedauern schon bald auflöste. Seinem Angebot, mit ihm zukünftig zu wandern, folgten damals neun Sportler der Zschopauer Nordic--Walking-Gruppe. "Nicht jeden Mittwoch, aber regelmäßig zweimal im Monat willigten wir gern ein", erinnert sich Margitta Epphardt, die sich für die Touren mit Wanderstöcken verantwortlich zeichnet und nun beim Wandern die Organisation von Frank Nestler einfach genießt.

Die Aktivitäten des 65-Jährigen machten in Wanderkreisen schnell die Runde. Freunde warben bei Freunden, und auch über den Ort hinaus fanden Natur- und Tippelfreunde den Kontakt zu Frank Nestler. Derzeit stehen 40 Namen mit Adressen in seinem Heimatort, Zschopau, Marienberg und Chemnitz auf seiner Liste. Alle Wanderfreunde haben ihr Arbeitsleben hinter sich. "Die Hälfte von ihnen ist immer am Start." In Absprache mit den Teilnehmern plant der Wanderleiter die Touren. Entlang von Saale und Unstrut sowie im Böhmischen von Kliny nach Deutscheinsiedel war die Gruppe schon unterwegs, sie bevorzuge jedoch Unternehmungen in der näheren Umgebung. Dann läuft Frank Nestler die Tour vorher ab und kontrolliert die Wege. "Wir sind immer wieder überrascht, was es bei uns vor der Haustür neu oder aus anderem Blickwinkel zu entdecken gibt", resümiert Anni Neuhaus. Sie ist von Anfang an dabei und liegt mit ihren 74 Jahren nur wenig über dem Altersdurchschnitt. "Wir sind eine dufte Truppe, verstehen uns gut und genießen eine sportliche Kameradschaft, die in unserem Alter nicht selbstverständlich ist", ergänzt die Waldkirchenerin.

Erst vor einem Jahr ist Heinz Piermeier zu der Wandergruppe gestoßen und mit 78 Jahren zum "Alterspräsidenten" avanciert. "So lange es geht, will ich dieses Amt in Würde ausfüllen", sagt der Zschopauer und lacht. Nein, einen Verein wolle man nicht gründen, einem solchen auch nicht beitreten, pflichten ihm seine Mitstreiter bei. "Wir treffen uns aus Freude an der Bewegung in freier Natur, dafür braucht es kein Vereinsstatut."

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