Warum das Netz von Ladesäulen für E-Autos nur langsam wächst

Regionale Anbieter errichten die Infrastruktur auch auf dem Land. Manchem dauert das allerdings noch zu lange.

Zschopau/Marienberg.

In Sachen Elektromobilität will Volkswagen in kurzer Zeit Weltmarktführer werden und ab 2021 in Zwickau jährlich 330.000 Elektrofahrzeuge vom Band rollen lassen. Für Rainer Güll aus Gornau passen solche Nachrichten aus der Wirtschaft nicht zusammen mit der auf dem Land recht unterentwickelten Infrastruktur zum Laden der Batterien. Der Gornauer nennt etwa den in diesem Jahr fertiggestellten Burgparkplatz in Scharfenstein: "Der Platz ist wirklich ein Schmuckstück, aber an die Zukunft wurde dabei nicht gedacht." Mit nur einer Ladesäule für E-Autos würden die Zeichen der Zeit außer Acht gelassen. Auch auf Parkflächen von Lebensmittelmärkten vermisst Rainer Güll die Ladesäulen.

Laut Landratsamt gab es zu Jahresbeginn annähernd 40 öffentlich zugängliche Ladesäulen im Erzgebirgskreis. Inzwischen ist das Netz weiter gewachsen. Regionale Anbieter wie die Genossenschaft Bürger Energie Drebach sitzen in den Startlöchern und sind bereit, schnell auf steigende Nachfrage zu reagieren. Neben der Ladesäule auf dem Parkplatz in Scharfenstein betreibt die Genossenschaft zwei weitere in Thermalbad Wiesenbad, in Neudorf und am Festplatz in Gelenau. In der Gewinnzone beginnt aber gerade erst die Station in Scharfenstein zu arbeiten, alle anderen sind weit davon entfernt, erklärt Aufsichtsratsmitglied Thomas Walther. Trotzdem spricht er von einer beachtlichen Entwicklung. Die Anzahl der Ladevorgänge habe sich bislang jedes Jahr verdoppelt. Seien an der Station am Burgparkplatz im vergangenen Jahr noch 500 Kilowattstunden (kWh) Energie gezapft worden, gehe es dieses Jahr in Richtung 2000.

Anstehen müssen E-Auto-Besitzer dafür nicht. Thomas Walther spricht von einem Ladevorgang alle zwei Tage. An den anderen Standorten der Genossenschaft passiert noch weniger - ein bis zwei Ladungen pro Säule in der Woche. Sollte der Bedarf in Scharfenstein weiter steigen, ist es Walther zufolge relativ einfach, eine zweite Ladesäule aufzustellen. Allerdings könne nicht unbegrenzt aufgerüstet werden, ohne den Netzanschluss zu erweitern. An den Stationen ist eine sogenannte Normalladung mit einer Leistung von 22 Kilowatt möglich. Die Ladezeit hängt vom Akku ab und kann zwischen zwei und vier Stunden schwanken, erklärt der Fachmann.

Am Thumer Volkshaus will die Bürger-Energie-Genossenschaft demnächst eine fünfte Ladesäule installieren. 40 Prozent der Investition fördert der Bund. Mit seiner eigenen Firma prüft Walther zudem einen Standort am Ambrossgut in Schönbrunn für ein Referenzobjekt.

Auch andere Unternehmen wie die SY Electric in Niederdorf beteiligen sich am Aufbau des Ladenetzes auf dem Land. Zu den Auftraggebern gehören unter anderem Stadtwerke, Autohäuser und Privatkunden, sagt Projektmanager Jacques Deuil. Um die 20 Stationen habe SY Electric bislang zwischen Dresden und Hof im öffentlichen Bereich errichtet. Erst vor wenigen Tagen kam eine am Erlebnisbad Aqua Marien in Marienberg hinzu. In Schneeberg und Eibenstock sind weitere geplant.

Förderbehörde für den Ausbau der Ladeinfrastruktur ist die in der Bundesverwaltung für Verkehr und digitale Infrastruktur angesiedelte Bundesanstalt für Verwaltungsdienstleistungen (BAV). Bei den ersten drei Förderaufrufen wurden laut BAV 4000 Anträge gestellt. Der vierte Aufruf, mit dem die Errichtung von bis zu 5000 Normal- und 5000 Schnellladepunkten bezuschusst werden soll, endet am heutigen Mittwoch.

Neben Privatleuten und Unternehmen können auch Kommunen eine Förderung beantragen. Doch nicht alle wollen wie die Große Kreisstadt Zschopau selbst aktiv werden. "Das müssen die Stromanbieter in die Hand nehmen", sagt Stadtsprecher Uwe Gahut. Die Kommune sei aber bereit, öffentliche Flächen für den Bau von Ladestationen bereitzustellen. Zschopau gehörte zu den ersten Standorten, an denen Envia M vor sechs Jahren investierte. An der Säule auf dem Neumarkt sollten die neuen E-Roller von MZ auftanken. Doch bevor die Anlage in Betrieb ging, waren die Motorenwerke Zschopau pleite. Eine weitere Ladestation kam in diesem Sommer am Parkplatz "An den Anlagen" hinzu. Betreiber ist der Energieversorger Eins.

Auch die Grundstücks- und Gebäudewirtschafts-GmbH Zschopau (GGZ) verfolgt die Entwicklung und ist schon aktiv geworden. Hier geht es um ganz normale Steckdosenanschlüsse, die Mieter etwa über Nacht zum Aufladen von E-Autos nutzen können. Die Stellplätze an zwei neuen Wohnhäusern auf der Illmhöhe wurden zum Beispiel damit ausgestattet. Die Nachrüstung von Parkplätzen im August-Bebel-Wohngebiet bereitet der GGZ dagegen wegen der Eigentumsverhältnisse Schwierigkeiten. Voraussetzung wäre aus Sicht von GGZ-Geschäftsführerin Kerstin Rümmler, dass die städtischen Parkplätze den Mietern zugeordnet werden können.

In Drebach prüft die Kommune zusammen mit der Bürger-Energie-Genossenschaft inzwischen weitere Standorte, die sich für den Betrieb von öffentlichen Ladestationen eignen. Bürgermeister Jens Haustein, der selbst im Aufsichtsrat sitzt, nennt das Venusberger Freibad, die Grundschule und den Parkplatz an der Kirche in Drebach.

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